Freitag, 25. März 2022

Arizona Colt (Arizona Colt)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Michele Lupo

Allein gegen die Banditen...
 
Der Film "Arizona Colt" von Michele Lupo entstand 1966, in der Blütezeit des Italo Western und ist in Deutschland auch unter dem Titel "Halleluja Companeros" bekannt. Lupo drehte zunächst Sandalenfilme bevor er sich dem Westerngenre zuwandte. Neben "Arizona Colt" inszenierte er auch "Ben und Charilie" und "Der Mann von Virginia". In allen drei Filmen spielt der Publikumsliebling Giuliano Gemma die Hauptrolle. 1978 begann ausserdem seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bud Spencer. "Sie nannten ihn Mücke", "Der Große mit dem außerirdischen Kleinen" oder "Buddy haut den Lukas" wurden allesamt Kinohits.
In seinem ersten Western ist der junge Arizona Colt die Hauptfigur - ein Mann, der über enorm gute Schießkünste verfügt. Doch Arizona Colt (Giuliano Gemma) sitzt im Knast. Doch das Gefängnis wird von dem gefürchteten Banditenboss Gordon Watch (Fernando Sancho) und seinen Männern gestürmt, die Wärter ermordet und alle Gefangenen befreit. Sinn der Aktion ist es neue Männer für seine Gang zu rekrutieren. Sie sollen vor allem mit der Waffe gut umgehen können. Er wird auch sofort auf den Topschützen Arizona aufmerksam, doch der will sich erst mal überlegen, ob er sich anschließt. Arizona ist ein Freigeist und will sich nicht unbedingt unterordnen. Und mit Zwang kann der Banditenführer nichts erreichen. Arizona besiegt auch in einem Kampf den finsteren Clay (Giovanni Pazavini), die rechte Hand von Gordon. Da die Bande vorhat die Bank in einer nahe gelegenen Kleinstadt zu überfallen, kreuzen sich die Wege von Arizona und Clay erneut. Beide halten sich im örtlichen Saloon auf. Arizona verrät Clay nicht, dass er Bandenmitglied ist. Saloonbesitzer Pedro (Andrea Bosic) bedient gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Dolores (Rosalba Neri) und Jane (Corinne Marchand) die Gäste, die sehr viel trinken und auch gerne um viel Geld Poker spielen. Arizona flirtet mit Jane, die ihm zunächst die kalte Schulter zeigt und Clay baggert erfolgreich die leichtlebiege Dolores an. Am Morgen danach wird ihre Leiche im Heustall gefunden. Pedro und Jane engagieren Arizona den Mörder zu finden - tot oder lebendig. Damit kommt es natürlich zu einer weiteren Begegnung mit dem respektlosen, coolen Arizona und dem von Macht besessenen Gordon...

Der Film wurde in Spanien gedreht und für die guten Bilder kann man den italienischen Kameramann Guglielmo Mancori loben, der in seiner aktiven Laufbahn für rund 90 Produktionen engagiert wurden - auch für andere Spaghetti Western. Die beiden nächsten Italo Western von Lupo sind weniger hart und deutlich entspannter. "Arizona Colt" erzählt die Geschichte eines jungen Revolverhelden, der im Laufe der Geschichte eine gewisse Reife erlangt und der einem übermächtigen Gegner Paroli bieten kann, eine Art "David und Goliath" Version des wilden Westen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Mannaja - Das Beil des Todes (Mannaja)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Martino

Rache für den Vater... 

"Mannaja - Das Beil des Todes" ist ein Italo Western, der in der Spätphase des Genres entstanden ist. Sergio Martino inszenierte ihn im Jahr 1977. In Deutschland ist der Western auch unter dem Namen "Der letzte der Bounty Killer" bekannt und genießt in Fankreisen einen sehr guten Ruf. Ein weiterer bekannter Western von Martino ist der 1970 entstandene "Der Tod sagt Amen" - allerdings sind Martinos Giallo Filme wie "Der Killer von Wien", "Der Schwanz des Skorpions", "Alle Farben der Nacht" oder "Torso - Die Säge des Todes" weitaus bekannter. "Mannaja" (Maurizio Merli) ist ein gnadenloser Kopfgeldjäger und er ist weder ein geschickter Revolverheld noch einer wie Mississippi (James Caan) aus dem Howard Hawks Klassiker "El Dorado", der virtuos mit dem Messer umgehen kann. Mannaja ist ein Meister mit seinem Beil. Mit dieser von ihm bevorzugten Waffe macht er seine Opfer handlungsunfähig und kassiert nach der Gefangennahme das Kopfgeld. Meistens haben diese Gesetzlosen im Hinterher keine Hand mehr oder es fehlt ein Teil des Armes. So fängt er auch den Outlaw Burt Craven (Donald O´Brien) und bringt ihn in die trostlose Westernstadt Suttonfield um die Prämie vom dort ansässigen Marshall zu kassieren. Mannaja ist nicht rein zufällig in dieser Stadt, denn er hat dort noch eine Rechnung mit dem übermächtigen Geschäftsmann und Silberminenbesitzer McGowan (Philippe Leroy) offen. Dieser McGowan ist für den Tod von Mannajas Vater verantwortlich. Damals als Junge musste er den Mord mitansehen und der Rachegedanke hat ihn nie wieder losgelassen. Im Saloon setzt er sich an den Spieltisch und gewinnt beim Poker gegen einen gewissen Theo Valler (John Steiner), rechte Hand von McGowan. Da er nun Geld hat lässt er den Gefangenen laufen und widmet sich ab sofort seiner eigentlichen Mission. Doch er hat mit Valler einen brutalen Gegner, der sich in den Kopf gesetzt hat auch seinen Chef schachmatt zu setzen und an dessen Stelle die Silbermine zu übernehmen. Zu diesem Zweck soll die Tochter (Sonja Jeannine) entführt werden, damit McGowan ein dickes Lösegeld bezahlt. Mannja versucht die Entführung zu verhindert, doch er tappt in eine Falle, durch die Hilfe von umherziehenden Schaustellern ist der Kampf aber noch lange nicht beendet...


Dem Film wurde sehr oft eine zu starke Brutalität vorgeworfen und nicht immer ist die Geschichte in sich logisch (z.B. die Entführung), aber er bietet all das, was einen typisch guten Spaghetti Western ausmacht. Besonders der Anfang ist schockierend, wenn man sieht, wie es Mannaja gelingt einen Verbrecher zu fangen. Diese Einführung des Helden hat Martino sehr fesselnd inszeniert, mit viel Nebel und guter Zeitlupensequenz. Auch der Bösewicht ist gut gewählt - ein Fiesling, der stets seine beiden bissigen schwarzen Hunde dabeihat, er zögert nie die Tiere auf seinen Rivalen zu hetzen


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 9. März 2022

Navajo Joe - Kopfgeld 1 Dollar (Navajo Joe)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Ein Indianer rächt sich...

Sergio Corbucci, der Schöpfer vom legendären "Django" und dem genialen "Leichen pflastern seinen Weg" war wohl neben dem einzigartigen Sergio Leone und Sergio Sollima der bedeutendste Regisseur im Genre Italo-Western.
Er gilt unter den Fans als der dreckige Bruder Leones, allerdings sind seine Arbeiten von unterschiedlicher Qualität.
Der von Koch Media herausgebrachte "Navajo Joe" ist auch bekannt als "Das Kopfgeld: 1 Dollar" und entstand 1966, also im gleichen Jahr wie "Django".
Nachdem eine Bande von Skalpjägern mit dem Anführer Duncan (Aldo Sambrell) aus reiner Mordlust und Geldgier ein Indianerdorf überfallen und viele Stammesangehörige töten, werden sie von einem Indianer namens Navajo Joe (Burt Reynolds) verfolgt. Der fremde Reiter ist wohl auf Rache aus und tötet immer wieder einige Banditen.
Blind vor Wut dass in der Stadt ein Steckbrief des Bandenchefs hängt, rächen sich die Outlaws auch an den Einwohnern der Stadt. Lediglich ein paar Bardamen (Tanja Lopert, Franca Polesello, Lucia Modugno) und der Pianomann (Nino Imparato) können fliehen. Eine der Damen wurde Augenzeuge im Saloon, wie ein einflussreicher Mann aus Esperanza mit der Bande gemeinsame Sache machen will und den Deal ausmacht, einen Geldtransport zu überfallen.
Tatsächlich wird die Eisenbahn von der Bande angegriffen und wieder gibt es eine Vielzahl Opfer: Neubürger und Soldaten...
Navajo Joe bietet der stadt Esperanza seine Hilfe im Kampf gegen die Banditen an, doch nur wenige Einwohner sind auf seiner seite. Unter anderem die hübsche Indianerin Estella (Nicoletta Machiavelli), die im besten Dialog des Films meint "Ich habe noch nie einen Indianer getroffen, der Joe heisst und ich bin noch nie einem Navajo so weit südlich begegnet" und Joe ihr darauf lapidar antwortet "Und ich bin noch nie einer Indianerin begegnet, die so viel fragt.

 
        Der Dialog offenbart das Programm des Films. Er erklärt nicht viel, er zeigt. Eine Tiefe der Figuren ist nicht vorhanden, der Zuschauer bekommt dafür typische 60er Jahre Western-Action zu sehen. Also ein etwas dreckiges Bild des Wilden Westens, mit Gesichtern die von Schmutz und Blut verklebt sind und nur der Überlebenskampf zählt.
Ein sehr wertvolles 32 seitiges Booklet zum Film liegt der DVD bei, die auch einige Extras hat. Koch Media liefert wie gewohnt in seinen Kulteditionen, sei es "Italo Western", "Classic Western" oder "Noir" eine gute Vorzeige-DVD.
Der Film selbst ist gute Genrekost, allerdings weit von den Meisterwerken von Corbucci wie "Mercenario" oder "Leichen pflastern seinen Weg" entfernt. Aber die gehören auch zu den Top Ten Filmen des Italo Western. Vor allem die Szene mit dem Eisenbahnüberfall ist überdurchschnittlich. Auch die Bilder versetzen in eine nette Westernstimmung, Ennio Morricone liefert einen markanten Soundtrack ab.      
 
Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Der Schatz im Silbersee (Der Schatz im Silbersee)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Harald Reinl

Die Gier nach Gold...

Anfang der 60er Jahre waren die Karl May Bücher enorm beliebt, dies war auch mit ein Grund warum sich Horst Wendlandt sehr viel davon versprach die Geschichten auch fürs Kino zu verfilmen. Er konnte seine wichtigsten Partner, den dänischen Filmproduzenten Preben Philipsen, dem mehrheitlich die Rialto Film gehörte und Waldfried Barthel, den Boss der Constantin Film überzeugen das Risiko einer Großproduktion zu wagen. So entstand 1962 mit "Der Schatz im Silbersee" der erste karl May Film der Nachkriegszeit. Als Partner konnte auch die jugoslawische staatliche Filmfirma jadran Film gewonnen werden, denn die Dreharbeiten fanden an den Plitvicer Seen statt. Als Silbersee diente der See Kaluderovac. Die dramatische Schlußszene entstand am Wasserfall des Sees Galovac. Insgesamt verschlang die aufwendige Produktion die damals stolze Summe von 3,5 Millionen Mark. Aber der Lohn für den ersten Ausflug ins Werk von Karl May war hoch. Der Film erhielt die goldene Leinwand für über 3 Millionen Besucher im Jahr 1963 und spielte fette 6,4 Millionen DM ein. Die Filmbewertungsstelle in Wiesbaden zückte das Prädikat "wertvoll" und am 19. April 1964 gabs auch noch den Bambi.
Lobenswert war der Mut der Macher einen opulenten Cinema Scope Farbfilm entstehen zu lassen, der im Grunde ein Western war, allerdings einer aus der Sicht eines Europäers. Und im Grunde auch die Klischees des amerikanischen Westerns auf den Kopf gestellt - denn in der Welt des Karl May waren meistens die Indianer die Guten und der weiße Mann wurde als Eindringling in das fremde Land beschreiben, das den Ureinwohnern den Lebensraum streitig machte. Wenn man die "Winnetou" Filme heute anschaut, dann begreift man das Szenario mitunter als einen herrlich großen Indianerspielplatz mit viel Prärie, viel Abenteuern, viel Schurken und jeder Menge Indianer auf dem Kriegspfad. In der Mitte der tapfere Apachenhäuptling und sein weißer Freund, die für Recht und Ordnung kämpfen. In Punkto "Spielplatzatmosphäre" sind diese Filme sogar als Wegbereiter des modernen Kinos anzusehen, denn Blockbuster-Reihen wie "Indiana Jones", "Fluch der karibik", "Jurassic Park" oder "Transformers" vermitteln ebenfalls einen mit vielen Sehnsüchten gefüllten Abenteuerspielplatz.
Im kleinen Westernstädtchen Tulsa wird im Saloon gefeiert. Doch dann trifft eine überfallene Postkutsche ein, dort liegt der tote Vater von Fred Engel (Götz George). Dieser war auf der Suche nach dem legendären Schatz im Silbersee, doch auch der Bandit Colonel Brinkley (Herbert Lom) ist scharf auf den Schatz. Fred schwört Rache und macht sich auf die Suche nach dem Meuchelmördern. begleitet wir er von Old Shatterhand (Lex Barker) und Winnetou (Pierre Brice). Natürlich dürfen Sam Hawkins (Ralf Wolter) und Gunstick Uncle (Mirko Boman) nicht fehlen. Die Suche nach dem Schatz ist auch schwierig, da die Schatzkarte in zwei Hälften unterteilt ist und eine davon befindet sch auf der befestigten Farm der Mrs. Butler (Marianne Hoppe) in vertrauensvollen Händen von Engels Partner Mr. Patterson (Jan Sid). Dessen hübsche Tochter Ellen (Karin Dor) ist mit Fred liiert. Dann greifen auch schon die Banditen an. Old Shatterhand hat alle Hände voll zu tun das Fort gegen die Überzahl der Banditen zu verteidigen. Nur gut, dass Winnetou naht - ihm zur Seite der Stamm der Osagen, die den Farmern helfen.  Nun aber auf zum Silbersee. Doch vorher wird noch Bekanntschaft gemacht mit dem englischen Lord Castlepool (Eddi Arent) , der auf Jagd nach dem seltenen Schmetterlings-Exemplar Papilio polymnestor parinda  ist. Der ist aber lange nicht so gefährlich wie der Große Wolf (Jozo Covacevic), Häuptling der Utahs. Der Stamm glaubt, dass Winnetou und Old Shatterhand für ihrer Tod der Frauen und Kindern verantwortlich sind. Ein Kampf auf Leben und Tod entscheidet über die Wahrheit. Am Silbersee kommt es dann endlich auch zur Konfrontation mit den bösen Banditen...

 Zuerst sollte Alfred Vohrer die Regie führen, dann entschied sich Wendlandt doch für Harald Reinl. Dieser setzt auf opulente Bilder und viel Bewegung. Ständig ist was los, ständig wird gekämpft. Der französische Jungstar Pierre Brice wird mit diesem Film zum beliebtesten Filmstar der Deutschen und wird zur Legende. Die Atmosphäre ist in sehr schöner Weise als naiv zu bezeichnen, die Kulisse sorgt für zusätzliche große Reize. Noch vor dem Italo Western war der Western Made in Germany plötzlich auch im Ursprungsland des Western beliebt und man meinte, dass es die Europäer braucht um den altehrwürdigen Genre wieder frischen Wind zu geben. Sehr effektiv auch die Schlußszene in der Höhle, wo der Schatz liegt und keiner mehr mit dem anderen teilen will. Sie erstechen und erschlagen sich gegenseitig, der uralte Indianer, der den Schatz hütet, bedient einen Hebel und Brinkley fält mit dem Gold in eine Moorgrube - auch er hat seine Habgier mit dem Leben bezahlt.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Django - Unbarmherzig wie die Sonne ( Sentenza di Morte)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mario Lafranchi

Ein Rächer, vier Übeltäter...

Rache ist das große Thema des ItaloWesterns und auch in "Django - Unbarmherzig wie die Sonne" von Mario Lanfranchi aus dem Jahr von 1968 wird sie eindrucksvoll zelebriert.
Dabei kommt Django (Robin Clarke) erst zur Ruhe, wenn er alle vier Mörder seines Bruders zur Strecke gebracht hat.
Einen dieser Übeltäter, den Rancher Diaz (Richard Conte) verfolgt er in der Wüste unter glühender Sonne. Diaz hat den Revolver, aber Django das viel lebenswichtigere Wasser. Beide sind zu Fuß unterwegs.
Auch der versierte Pokerspieler Montero (Enrico Maria Salerno) gehört zu dem gesuchten Mörderquartett. Noch wiegt sich der Mann in Sicherheit und macht seine Mitspieler, die sogar die eigenen Frauen als Wert einsetzen, arm.
Nummer Drei ist der im Priestergewand auftretende Schurke Bruder Baldwin (Adolfo Celi), der die Gegend in Angst und Schrecken versetzt, wenn er mit der Bibel und seiner Gangsterhorde in den Dörfern auftaucht und willfährig die Sünder bestraft und zwar meistens mit der Höchststrafe, weil dies am meisten Spass macht.
Und last but not least wäre da noch der gefürchtete Albino O´Hara (Tomas Milian) auf Djangos Rachespeiseplan. Doch die vier Männer sind äusserst ebenbürtige und gerissene Gegner..


Mario Lanfranchi kommt eigentlich vom Theater und vom Fernsehen und für ihn war der Western echtes Neuland, aber das filmische Ergebnis sicherte ihm einen festen Platz in der ewigen Liste sehenswerter Genre-Highlights.
"Sentenza di morte", so der Originaltitel gehört nämlich nicht nur in Sachen Bildgestaltung zum Besten, was der Italowestern zu bieten hat.
Durch den Schachzug die Rachestory mit einem episodenhaften Charakter zu präsentieren, bietet er dem Genre ganz neue Möglichkeiten der Geschichenerzählung.  Zudem fällt der Film durch eine Detailkreativität aus, die immer wieder zu gefallen weiss.
Mario Lanfranchi schrieb das Drehbuch, führte Regie, produzierte und castete sogar die Schauspieler für diesen Film selbst, was darauf schließen läßt, das ihm sein einziges Italowestern-Projekt sehr am Herzen hing.
Die reduzierte Handlung und die etwas überstilisierte Bildgestaltung ergänzen sich prima und machen aus dem Film ein rundes Westernvergnügen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Django - 10.000 Blutige Dollars (10.000 Dollari per un Massacro)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Romolo Guerrieri

Der Kopfgeldjäger und der Bandit...

1967 drehte Regisseur Romolo Guerrieri mit "Django - 10.000 blutige Dollar" nach "Sancho - dich küsst der Tod" und "Johnny Yuma" einen weiteren Italo Western, der bei den Fans des Genres einen hohen Stellenwert inne hat.  Der Film wurde in Almeria, im Süden Spaniens gedreht und die Hauptfigur Django ist ein geldgieriger Kopfgeldjäger, der sich keine Gefühle mit seinen Opfern leistet. Mit kleinen Fischen gibt er sich erst gar nicht ab, bei ihm werden die Steckbriefe erst ab 10.000 Dollar wirklich interessant. Django wird von Gianni Garko gespielt. Der Mann ist gefürchtet, auch bei den Vertretern des Gesetzes, aber immerhin haben sie es ihm und seiner Schießfertigkeit zu verdanken, dass sich in der Gegend die schlimmsten Banditen reduzieren. Django ist ein Antiheld, der in einer nackten Umwelt agiert. Auch der Bandit Manuel Vasquez (Claudio Camaso) könnte zu einem Gejagten von Django werden, aber noch ist dessen Steckbrief uninteressant, denn auf seinen Kopf sind lediglich 2.000 Dollar ausgesetzt. Manuel sinnt auf Rache, denn wegen dem Großgrundbesitzer Mendoza (Franco Bettela) wurde er völlig zu Unrecht zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Er dringt in dessen Haus ein und nimmt die schöne Tochter (Adriana Ambesi) als Geisel. Durch diese Entführung steigt die Prämie für seine Ergreifung auf 3.000 Dollar. Aber damit immer noch nicht genug für den Bounty Killer. Er will warten bis Manuel tatsächlich für ihn interessant werden wird. Dies könnte sogar bald sein, denn die Verbrechen von Manuel nehmen kein Ende. Er hat sich bei seinem Vater Stardust Vasquez (Fernando Sancho), ebenfalls ein Gesetzloser, verschanzt. Django entgeht nur knapp einem Anschlag von Manuels Leuten, doch er hat Glück - er wird von seinem Freund, dem Fotografen Fidelio (Fidel Gonzalez) gefunden, der ihn zur Saloonbesitzerin Mijanou (Lorendara Nusciak) bringt. Die Frau liebt Django und pflegt ihn gesund. Sie würde gerne mit ihm in Kalifornien ein ganz neues Leben anfangen und sie hofft, dass Django seinen dreckigen Job endlich aufgibt. Der schwört diesem Gewerbe in einem schwachen Moment ab - nur um im nächsten Moment Mendoza zuzusagen, dass er Manuel findet. Tot oder lebendig, denn die Summe steht nun bei 10.000 Dollar - 5.000 zahlt der Staat und die gleiche Summe legt Mendoza drauf. Damit müssen sich die beiden Männer, die sich nicht ganz unähnlich sind und irgendwie auch eine große Sympathie füreinander empfinden, sich einem gnadenlosen Duell stellen. Denn überleben kann nur einer...


Der Film ist eine inoffizielle Fortsetzung des Films Django von Sergio Corbucci. In der Tat versucht Garko, die besonderen Merkmale der ursprünglich von Franco Nero gespielten Figur hervorzuheben. Durch die besondere Verbindung der beiden Männer, die zu Feinden werden müssen, entsteht eine sehr spannende Atmosphäre, die den Film weit über den Durchschnitt des Genres hebt. Auch die Themenkomplexe "Rache" und "Gier" werden großgeschrieben und von den Machern zynisch in Szene gesetzt.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Silbersattel (Sella d'argento)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Lucio Fulci 

Spaghetti Western in der Endphase...

Das hört sich doch irgendwie bekannt an: Der gierige Großgrundbesitzer Thomas Barrett drangsaliert und betrügt arme Farmerfamilien, er verkauft ihnen Land, das es gar nicht gibt. Wer sich beschwert, bekommt es dann mit seinem Killer Luke, Markenzeichen Silbersattel, zu tun. Als Kind muss der kleine Roy Blood mit ansehen, wie sein Vater von diesem Pistolero zuerst verhöhnt " "Warum schickst du nicht deine Frau in den Puff, wenn ihr kein Geld mehr habt ?" und dann brutal niedergeschossen wird. Obwohl der Junge erst zehn Jahre alt ist, tötet er den Killer mit einem Gewehr und steigt fortan in dessen Fußstapfen, indem er sich dessen Pferd mit silbernen Sattel aneignet. Der kleine Scheisser ist ab sofort Revolverheld und Jahre später (Guiliana Gemma) berüchtigt und berühmt. Wo immer sein Silbersattel auftaucht, gibt es Leichen.
Und diese Leichen werden in der Regel von dem dubiosen Leichenfledderer namens Dubletten-Snake (Geoffrey Lewis) ausgeraubt. So lernen sich die beiden Männer kennen.
Snake ist es auch, der durch einen ebenfalls zwielichtigen Turner (Gianni de Luigi) einen lukrativen Auftrag bekommt. Die Ermordung des Thomas Berrett jr. Der Plan sieht vor, dass Roy ihn auf einem Friedhofbesuch erledigen soll. Obwohl Roy eine Falle wittert, siegt der Hass gegen die Barretts. Aber am Tatort kommt dann doch die überraschende Wende, denn Thomas Barrett jr. (Sven Valsecchi) ist ein putziger kleiner Junge mit einer schrecklichen deutschen Synchronstimme. Trotz dieses Nervpotential lässt der harte, wie gutherzige Roy den Bub am Leben und freundet sich auch noch mit ihm an. Doch mehrere Schurken sind dem Knirps auf den Fersen, unter anderem der liderliche Schurke Garrincha (Aldo Sambrell) aus Mexico, der den Jungen irgendwann im lauf der Handlung auch noch mit einer Bullenpeitsche züchtigt...


Im Jahre 1978 war die grosse Zeit des Italo-Westerns bereits vorbei, an den Kinokassen dominierten andere Themen. Lucio Fulci, der bereits Erfahungen im Genre hatte (Django-Sein Gesangsbuch war der Colt, Verdammt zu leben, verdammt zu sterben) und später als Splatter-Director (Ein Zombie hing am Glockenseil, Woodoo) erfolgreich war, drehte diesen Art Abgesang auf das Genre mit sehr viel Morricone-Flair, am ehesten erkennbar an der kalkulierten musikalischen Untermalung, die sehr stark einzelne Charaktere des Films akzentuiert. Der Score setzt beim Auftauchen von Dubletten Snake vor allem auf das Banjo, während Garrincha mit viel Gitarre, Trompete und einer Überdosis Hossa seine Szenen bestreitet. Roy und sein Schützling im ohrwurmigen "Jenseits von Gut und Böse" Westcoast Sound "Silver Saddle shining in the Sun, no place to go, looking for a friend, trallala"...Eine ganz nette, unterhaltsame Genrearbeit, die wahrscheinlich heute eine FSK 12 Einstufung erhalten würde. Aber auch vor 30 Jahren war die FSK 18 Einstufung für den Film sicherlich gewagt. Möglich, dass die Verantwortlichen damals den Film für gefährlich hielten, weil der Knirps in einer Szene lachend und voller Eifer zu Bomben mutierte Feldflaschen auf die Bösen wirft... Für ein Meisterwerk des Genres reicht es aber nicht, da fehlt das Besondere.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.