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Freitag, 22. Juli 2022

Der Tod ritt Dienstags (I giorni dell'ira)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tonino Valerii

Der Revolverheld und sein Lehrling...

Tonino Valerii hat sein Handwerk beim großen Sergio Leone gelernt. Er war assistierender Regisseur bei den Klassikern "Für eine Handvoll Dollar" und "Für ein paar Dollar mehr". Von seinen eigenen Filmen ist "Man nannte ihn Nobody" sicherlich der erfolgreichste und populärste, seine beste Arbeit ist aber m.E. der einzige Italo Western, bei dem mit Giuliano Gemma und Lee van Cleef zwei Ikonen des Genres gemeinsam vor der Kamera stehen. "Der Tod ritt dienstags" heisst die italienisch-deutsche Coproduktion aus dem Jahr 1967. Das Thema des Films ist recht einfach gehalten, es geht um ein äusserst umstrittenes Idol und um seinen gelehrigen, aber im Laufe des Films auch lern- und kritikfähigen Schüler.
Dieser junge Mann heisst Scott (Giuliano Gemma) und ist der Aussenseiter in seiner Stadt. Die Bürger von Cliton verhöhnen und erniedrigen den jungen Mann, denn seine verstorbene Mutter war eine Prostituierte, den Vater hat er nie gekannt. So tristet er ein Leben in Armut und macht mit einer Kehrmaschine die Stadt sauber, denn er beseitigt den Müll seiner Mitbürger, die ihn - auch als menschichen Müll und Bastard-  verachten.  Was die Leute aber nicht wissen: Der junge Mann hat ganz gut schießen gelernt. Gelernt hat er diese Schießkünste vom alten Murph Allen (Wof Rilla), der mal ein ausgezeichneter Schütze und sogar Sheriff war. Eines Tages verändert sich die Welt des jungen Scott, denn ein Gunman kommt in die Stadt. Sehr schnell bewundert Scott diesen gerissenen Revolverhelden Frank Talby (Lee van Cleef),  der im Saloon von einem Bürger herausgefordert wird. Das Resultat ist ein Bürger weniger in Clifford und ein Talby, der laut Richter Cutcher (Lukas Ammann) in Notwehr gehandelt hat. Er wird freigesprochen und reitet weiter. Doch der involvierte Scott soll nun den Ärger der Bürger zu spüren bekommen. Er verlässt die Stadt und reitet seinem Idol hinterher. Dieser entschliesst sich nach eigenen unfairen Lektionen den jungen Mann als Weggefährten und Schüler mitzunehmen. Durch Talbys Pläne führt der Weg aber wieder zurück nach Clifford, dort tritt der Revolverheld zu einem blutigen Rachefeldzug an. Mit von der Partie sein gelehriger Schüler, der auch gewillt ist seine Kränkungen heimzuzahlen...

Erst sehr spät bemerkt der junge gute Kerl, dass er da einem falschen Vorbild nachgeeifert hat. Die Dramaturgie steuert zielsicher auf das unausweichliche Duell der Revolverhelden zu. "Der Tod ritt dienstags" ist ein äusserst spannender und dicht inszenierter ItaloWestern mit zwei guten Hauptdarstellern, die dem Film den Stempel aufdrücken. Der Nachwuchsheld wird mit einfachen Mitteln psychologisch manipuliert, aber auch eine Läuterung findet statt, die allerdings auch Opfer fordert. Für Westernfans ein Muß. Ein sehr guter Vertreter des Genres.
 
 Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

 

Ben und Charlie (Amico. Stammi Lontano Almeno un palmo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Michele Lupo

Freunde fürs Leben...

Durch den Riesenerfolg der Trinity Filme mit Terence Hill und Bud Spencer erkannte man das Potential von Buddy Movies im Spaghetti Western. Auch Regisseur Michele Lupo, der 1966 mit "Arizona Colt" einen erfolgreichen Genrebeitrag inszenierte, sprang auf diesen lukrativen Zug auf und das Ergebnis "Ben & Charlie" (Originaltitel: Amico. Stammi Lontano Almeno un palmo" aus dem Jahr 1971 kann sich sehen lassen. Er hatte auch gute Erfolge an der Kinokasse einspielen.
Der Film zeigt die Freundschaft von Ben (Giuliano Gemma) und Charlie (George Eastman). Eigentlich ist es für Charlie aber eher eine Art Hassliebe, denn sein alter Kumpel Ben ist ein echter Unglücksvogel, der das Pech magisch anzieht. Gepaart mit seinem Tatendrang und seinen zahlreichen Ideen, seinem Temperament ist dies für den Freund eine echte Herausforderung, denn es gilt meistens der Grundsatz "Mitgehangen, mitgefangen". Wegen einem Raub saß Ben nun 2 Jahre im Knast. Draußen wartet auch schon sein bester Freund auf ihn. Doch die Begrüßung fällt weniger herzlich aus, als Ben gedacht hat. Charlie hat nicht vergessen wie der letzte gemeinsame Coup ablief und empfängt seinen Kumpel mit ein paar ordentlichen Faustschlägen und er fordert Ben auf ab nun eigene Wege zu gehen. Ben ist ein Wandervogel, der nirgends sesshaft ist. Er kennt einige totsichere Tricks beim Pokern und so führt sein Weg durch viele Saloons im Wilden Westen. Natürlich gibts auch überall, wo der smarte Halunke auftaucht, schnell Schwierigkeiten. Irgendwann trifft Ben an einer Postkutschenstation wieder auf Charlie und rein zufällig auch auf seine frühere Geliebte Sarah (Marisa Mell). Bei dieser eher melancholischen Begegnung bemerkt Charlie, wie sehr Ben an ihm hängt, er vergisst seinen Ärger und die beiden beschließen wieder gemeinsame Sache zu machen. Ben Ungestüm bedeutet für den Freund aber immer höchste Gefahr. Als Ben einen Banküberfall verübt, wird Charlie vom Sheriff gefangen genommen und soll gehängt werden. Natürlich wird er von Ben gerettet, doch der erschießt den Gesetzeshüter. Ab jetzt sind die beiden vogelfrei und gesuchte Outlaws. Durch den Banküberfall sind sie auch zum Trio geworden, denn der kleine Bankanstellte Smith (Vittoria Congia), von Ben und Charlie "3 Prozent" genannt, hat sich den beiden angeschlossen. Unterwegs treffen sie auf die zwielichtigen Banditen Kurt (Luciano Catenacci), Butch (Giovanni Pazzafini) und Charro (Remo Capitani). Charlie misstraut diesen Galgenvögeln, doch Ben hat sich entschieden Chef der Sechserbande zu werden. Hätte er nur bloß auf den besonnenen Charlie gehört...

"Ben und Charlie " ist ein lockerer und amüsanter Western, der etwas an die Spencer/Hill Western erinnert, aber auch Ähnlichkeiten zu George Roy Hills oscarprämierten "Butch Cassidy and Sundance Kid" aufweist. Vor allem durch diese legere Machart. Eine klar strukturierte Handlung ist weniger ersichtlich, viel mehr sind es verschiedene Episoden aus dem ereignisreichen Leben der beiden ungleichen Freunde. Auch die gute Kameraarbeit darf nicht unerwähnt bleiben. Dieser Aristide Massaccesi drehte später einige berüchtigte Expoitationfilme unter dem Namen Joe D´Amato (Black Emanuelle, Nackt unter Kannibalen, ManEater, Insel der Zombies, Ator) .

Bewertung: 8 von 10 Punkten.
 


Friss oder stirb (Vivi o preferibilmente morti)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Duccio Tessari

Montys Erbe...

Duccio Tessaris Regiekarriere begann in den frühen 60er Jahren mit den Sandalenfilmen "Messalina" und "Kadmos - Tyrann von Theben" . 1964 wirkte er am Drehbuch von Sergio Leones legendärem "Für eine Handvoll Dollar" mit und inszenierte ein Jahr später zwei beachtenswerte Spaghettiwestern: "Eine Pistole für Ringo" und "Ringo kommt zurück" zählen heute zu den wichtigsten Filmen des Genres. 1969 folgte mit "Friß oder stirb" ein weiterer Western, allerdings ist "Vivi o preferibilmente morti" so der Originaltitel, überhaupt nicht düster und ein komplett anderer Film wie seine beiden vorherigen Western. Im Grunde sind die beiden Hauptdarsteller Giuliano Gemma und der Boxer Nino Benvenuti sowas wie die Vorläufer des Komikerduos Bud Spencer und Terence Hill. Sowohl Gemma als auch Partner Benvenuti agieren mit großer Begeisterung und stolpern ganz unfreiwillig in ein Feuerwerk komischer Szenen und Begebenheiten. Tessari konnte auf ein ganz gutes Drehbuch zurückgreifen und so funktioniert seine Westernpersiflage bestens.
Guiliano Gemma ist der überschuldete Lebemann Monty Mulligan, der wegen seiner Spielerei bei einem Brüderquartett immense Schulden hat. Bisher konnte er immer einen Aufschub bekommen, doch die vier Brüder haben an diesem Weihnachtsabend beschlossen Monty für seine Schulden bluten zu lassen. Zum Glück klingelt der Notar, noch bevor der Schuldner im eigenen Haus erhängt wird. Dieser Notar hat eine gute Nachricht. Der gerade verstorbene Onkel Archie will Monty 300.000 Dollar vererben - die Sache hat nur einen Haken: Monty muss mit seinem verschollenen Bruder Ted (Nino Benvenuti) teilen, doch dieser will schon seit Jahren nicht mehr viel mit seinem Brüderchen zu tun haben. Zu oft hat dieser ihn in unmögliche Situationen gebracht. Daher hat Farmer Ted den Kontakt abgebrochen und lebt als Einzelgänger auf seiner kleinen Farm, irgendwo in der Einöde". Onkel Archie stellt die Bedingung, dass die beiden Brüder ein ganzes halbes Jahr in Frieden zusammenleben müssen. Eine echte Herausforderung. Als er Ted findet, wollen sie beide diese große Herausforderung annehmen. Doch dann taucht Bandit Bad Jim (Cris Huerta) auf. Die Folge ist, dass Teds Farm abbrennt und nun sind die Brüder mittellos und angewiesen sich mit Gaunereien über Wasser zu halten....

Giuliano Gemma hat sichtlich Freude an der Rolle des arroganten Großstädters von der Ostküste, der mächtig viel Trouble in das ruhige Leben seines Bruders bringt. Als Tochter eines reichen Bankiers bringt Sydne Rome auf dem Höhepunkt der Story noch einmal mächtig Schwung auf. Als sehr verwöhnte und verzogene Rosella Scott wird sie zur Geisel der beiden Brüder, nachdem Bankraub und Glücksspiel sich als Flop erwiesen. Doch auch der Vater der Göre reagiert anders als erwartet - er ist ganz froh von den Launen seines Töchterchen mal Urlaub zu haben und verzögert die Zahlung des Lösegelds immer wieder. In der Rolle des Automobilfahrers Barnes ist Antonio Casas zu sehen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 
 

 

Blutiges Blei ( Il prezzo del potere )


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tonino Valerii

Das Garfield Attentat...

Der Originaltitel des Westerns "Blutiges Blei" von Tonino Valerii heißt "Il prezzo del potere" und entstand 1969. Es war sein Lieblingsfilm unter seinen Arbeiten, zu denen auch die kommerziell erfolgreicheren Genrearbeiten "Der Tod ritt dienstags" und "Mein Name ist Nobody" gehören. "Blutiges Blei" thematisiert das Attentat auf den US-Präsidenten James Abram Garfield (1831 bis 1881), er war der 20. Präsident der Vereinigten Staaten. Er starb durch die Kugel des geistig verwirrten Charles Guiteau, das Attentat ereignete sich am 2. Juli 1881 an der Pennsylvania Station in Washington, DC. Für den Film wurde das Attentat nach Dallas verlagert. Wohl deshalb um Ähnlichkeiten mit dem John F. Kennedy Attentat beim Publikum zu erwecken.
Giuliano Gemma spielt Bill Willer, den Helden der Geschichte - er verhindert das erste geplante Attentat auf den Präsidenten (gespielt von Van Johnson, bekannt durch "Die Caine war ihr Schicksal"). Die Mörder wollten den Zug, mit dem der Präsident nach Dallas fährt, auf einer Brücke sprengen. In letzter Sekunde kann Bill die Katastrophe verhindern. Doch die Attentäter sitzen in den höchsten Kreisen von Politik und Wirtschaft. Der Gouverneur von Texas steckt in diesem tödlichen Komplott, ebenso wie der reiche Bankier Pinkerton (Fernando Rey). Begleitet auf dieser Reise wird der US-Präsident von seiner Frau Lucretia (Maria Cuadra) und seinem engsten Vertrauten Arthur McDonald (Warren Vanders), einem Agenten des US-Geheimdienstes. Auch rein privat hat Bill ein Interesse den Schurken das Handwerk zu legen, denn sie sind auch für den Tod seines Vaters verantwortlich. Bill kämpfte im Krieg als Freiwilliger für die Unionsarmee unter Garfields Kommando. Auch Sheriff Jefferson (Benito Stefanelli) und der irre Südstaatler Wallace (Michael Harvey) gehören zu den Verschwörern. Obwohl der Präsident weiß wie gefährlich sein Besuch in Dallas werden kann, setzt er sich mit seiner Frau in die Kutsche - wenig später sind Schüsse zu hören. Der Präsident sackt zusammen und sehr schnell wird der farbige Jack Donovan (Ray Saunders) als Schütze gefangen genommen. Donovan ist ein Freund von Bill, hat den Präsidenten verehrt und völlig unschuldig. Doch die Attentäter setzen alles daran, dass er der perfekte Sündenbock darstellt. Kurze Zeit später erliegt der Präsident seinen Verletzungen....

Natürlich muss nun der Held der Geschichte - Giuliano Gemma - alles versuchen die wahren Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, um seinen Freund zu retten, der im Gefängnis sitzt. Die Verschwörer haben große Macht und großen Einfluss und man hat das Gefühl, dass man gegen diese Übermacht völlig unterlegen ist. Am Ende darf aber der Held triumphieren. Dennoch hat der Film einen sehr ernsthaften Unterton, der in auf alle Fälle sehr stark über den Durchschnitt des Genres hebt.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 
 

 

Montag, 18. April 2022

Eine Pistole für Ringo (Una pistola per Ringo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Duccio Tessari

Ein junger Revolverheld...

Der junge Revolverheld Ringo (Giuliano Gemma) muss seine Schießkünste immer wieder beweisen. Das Resultat sind zahlreiche Tote, die bei den Duellen ihr Leben lassen. Als er sich gegen 3 Revolverhelden erfolgreich zur Wehr setzt, wird er vom örtlichen Sheriff (George Martin) vorläufig festgenommen. Während Ringo in der Zelle sitzt, rauben die Banditen unter der Führung des berüchtigten Sancho (Fernando Sancho) die Bank aus und haben auch keine Skrupel wehrlose Bürger abzuknallen. Während die Banditen das Geld holen, hält die Gangsterbraut Dolores (Nieves Navarro) die Gesetzeshüter in Schach. Die Flucht gelingt, die Bande muss sich aber aufgrund der zahlreichen Verfolger einen Unterschlupf suchen. Das große Anwesen des Major Clyde (Antonio Cavas) bietet sich an. Die Tochter des Majors heißt Ruby ( Lorella de Luca) und ist die Verlobte des Sheriffs, der sich mit seinen Männern vor der Ranch postiert. Die Gangster sind allerdings sehr schnell wieder im Vorteil, da sie die Bediensteten des Anwesens - mexikanische Arbeiter - als Geiseln festhalten. Jeden Tag sollen zwei Menschen sterben, wenn der Sheriff nicht abzieht. Der weiß, dass er jetzt einen exzellenten Revolverhelden braucht...

 

"Eine Pistole für Ringo" ist ein Italowestern der Frühphase Mitte der 60er Jahre und machte Giuliana Gemma einen großen Publikum bekannt. Regie führte Duccio Tessari, der mit "Ringo kommt zurück" und "Der Mann ohne Gedächtnis" weitere gute Genrefilme schuf. Wie so oft im Italo Western zeichnet der große Altmeister Enno Morricone für die Musik verantwortlich. Zwar wird der Held Ringo etwas zu übertrieben cool präsentiert, trotzdem schuf Tessari mit diesem Film einen Klassiker des Genres, vor allem war es die Premiere der Figur "Ringo", eine der populärsten Helden des Spaghetti Westerns.   


Wertung: 7 von 10 Punkten.

Sonntag, 17. April 2022

Der Mann aus Virginia (California)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Michele Lupo

Kriegsheimkehrer...

Regisseur Michele Lupo drehte seine Beiträge im Genre des ItaloWestern vor allem zusammen mit Publikumsliebling Giuliano Gemma. So entstand 1966 "Arizona Colt", fünf Jahre später "Ben und Charlie" und in der Endphase des Genres, im Jahr 1977 "Der Mann aus Virginia" (Originaltitel: California). "Der Mann aus Virginia" ist auch unter einigen anderen Namen bekannt. So hieß der Film schon "Spiel mir das Lied von Kalifornien" oder "California Adio" und ist anders als die beiden anderen Arbeiten von Lupo ein Abgesang auf den Wilden Westen. Der Bürgerkrieg ist zwar zu Ende, aber das Land versinkt im Chaos. Die besiegten Soldaten der Südarmee versuchen zu Fuß ihre Heimat wieder zu erreichen. Viele von Ihnen sind auf den Steckbriefen der Nordstaaten zu finden und Kopfgeldjäger erleben gerade in solchen Zeiten eine echte Hochkonjunktur. Einer dieser Killer ist Rope Whitaker (Raimund Harmsdorf) mit seinen Kumpanen. Sie machen erfolgreich Jagd - auch auf Kleinkriminelle. "Tod oder Lebendig" heißt bei Ihnen aufgrund des geringeren Stresses "Tot". Auch der Revolverheld California (Giuliano Gemma) hat im Bürgerkrieg gekämpft. Der Mann ist ein Wanderer und er scheut es irgendwie seßhaft zu werden. Auf seiner Wanderschaft, die eigentlich zuerst kein Ziel hat, lernt er den etwas jüngeren Michael Preston (Miguel Bose) kennen. Er gibt sich als "Michael Random" aus - der Name einer Zigarettenmarke. Der junge Preston möchte so schnell wie möglich nach Hause zur Farm seiner Eltern (William Berger/Dana Ghia) und zu seiner Schwester Helen (Paola Dominguin). Gemeinsam ziehen die beiden Männer nun zu Fuß durch das vom Bürgerkrieg ausbeblutete, zerstörte Land, in dem das Gesetz keine Gültigkeit hat. Nach einiger Zeit freunden sich die beiden unterschiedlichen Männer an und es gelingt Preston den alleinstehenden "Random" zu überzeugen, dass er zuerst mal mit ihm auf die Farm seiner Eltern mitkommt. Unterwegs treffen sie auf einige gewaltbereite, aggressive Nordstaatler, die ihren Hass auf den Süden noch nicht überwunden haben und sofort Streit beginnen. Dies führt zur Flucht der beiden Freunde. Doch in einem verlassenen Dorf wird Preston von den Verfolgern angeschossen und erhängt. California beschließt nun die Familie von Preston aufzusuchen und ihnen die Nachricht vom Tod des Sohnes zu überbringen. Die Familie bittet ihn darum zu bleiben. Dabei verlieben sich California und die hübsche Helen. Beide geraten bei einem Ritt in die Stadt in eine Schießerei mit Whitakers Männer. Helen wird von Ihnen entführt...


Michele Lupo setzt eindeutig auf Bilder des Zerfalls und alles sieht dreckig und schmutzig aus. Auch der blaue Himmel ist kaum zu sehen. Alles wirkt irgendwie düster und melancholisch - der spanische Kameramann Allejandro Ulloa setzt diese Vorgaben konsequent um und stimmungsmässig werden diese Bilder durch den Score von Gianni Ferrio zusätzlich unterstrichen. Raimund Harmsdorf wirkt als Bösewicht immer sehr überzeugend und das Zusammenspiel von Giuliano Gemma mit dem 70er Jahre Popstar Miguel Bose passt auch prima zusammen.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 25. März 2022

Ringo kommt zurück (Il Ritorno di Ringo)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Duccio Tessari

Der Kriegsheimkehrer...

"Ringo kommt zurück" ist ein Spaghetti Western aus dem Jahr 1965 von Ducio Tessari. Der italienische Regisseur drehte zuerst Sandalenfilme, er schrieb die Drehbücher seiner Filme meistens selbst. Seine bekanntesten Filme sind "Kadmos - Tyrann von Theben" (1961), "Eine Pistole für Ringo" (1965), "Zwei wilde Companeros" (1971) und "Der Mann ohne Gedächtnis" (1974). In Italien war "Ringo kommt zurück" ein großer Kinoerfolg - nicht nur, weil Publikumsliebling Giuliano Gemma die Hauptrolle als Rächer übernahm. Die Geschichte wurde sicherlich von Homers "Odyssee" inspiriert. Auch in diesem sehr geglückten Italowestern kehrt ein Mann nach jahrelanger Abwesenheit in seine Heimat zurück. Sein Vater wurde ermordet, den familiären Besitz haben Banditen in Beschlag genommen und die Frau wird von vielen Männern begehrt. Die Filmmusik schrieb Ennio Morricone, dessen Handschrift man sofort erkennt. Der Sänger der beiden Filmsongs "Il ritorno de Ringo" und "La mia gente" heißt Maurizio Graf. Natürlich sind auch Versatzstücke aus Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar" erkennbar. Einer der wenigen Freunde des Kriegsheimkehrers Montgomery Wood (Giuliano Gemma) ist der Blumenfreund Myosotis (Manuel Muniz). Sehr schnell merkt Montgomery alias Ringo, dass sich in seinem Heimatort sehr viel verändert hat. Der Kneipenwirt will ihn nicht erkennen und gibt ihm mit den Augen Zeichen, denn am Tisch sitzen zwei finstere Gestalten, die das Gespräch beobachten. Sehr schnell reagiert der Held und die beiden Männer liegen erschossen im Saloon. Vom Wirt erfährt er die ganze Wahrheit. In seiner jahrelangen Abwesenheit haben die kaltblütigen Fuentes Brüder Esteban (Fernando Sancho) und und Paco (George Martin) die ganze Stadt mit ihrer Gang unterjocht und wer sich den Beiden in den Weg stellt, der wird kurzerhand getötet. Seine schöne Frau Helen (Lorella de Luca) ist nun gezwungenermaßen die Geliebte von Paco geworden, die gemeinsame kleine Tochter Elizabeth (Monica Sugranes) hat ihren Vater noch nie gesehen. Mit geändertem Aussehen als armer mexikanischer Landarbeiter kommt er in die Stadt und die Saloondame Rosita (Nieves Navarro) macht keinen Hehl daraus, dass sie ihn gerne in ihrem Bett sehen würde. Doch Ringo hat natürlich für solche Nebenschauplätze wenig Zeit. Er will sich an den Banditen rächen und seine Familie retten...

 
Bevor dies aber passiert, muss Ringo noch einige Rückschläge und Kränkungen in Kauf nehmen. Gemma - zuerst blond und ohne Bart - verändert sich wegen seiner Mission und kommt als bärtiger Rächer in die Stadt. Mit List und Ausdauer mischt er die staubige und dreckige Stadt auf und Tessari inszenierte seine Geschichte als Art griechische Tragödie.    
   
Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Arizona Colt (Arizona Colt)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Michele Lupo

Allein gegen die Banditen...
 
Der Film "Arizona Colt" von Michele Lupo entstand 1966, in der Blütezeit des Italo Western und ist in Deutschland auch unter dem Titel "Halleluja Companeros" bekannt. Lupo drehte zunächst Sandalenfilme bevor er sich dem Westerngenre zuwandte. Neben "Arizona Colt" inszenierte er auch "Ben und Charilie" und "Der Mann von Virginia". In allen drei Filmen spielt der Publikumsliebling Giuliano Gemma die Hauptrolle. 1978 begann ausserdem seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bud Spencer. "Sie nannten ihn Mücke", "Der Große mit dem außerirdischen Kleinen" oder "Buddy haut den Lukas" wurden allesamt Kinohits.
In seinem ersten Western ist der junge Arizona Colt die Hauptfigur - ein Mann, der über enorm gute Schießkünste verfügt. Doch Arizona Colt (Giuliano Gemma) sitzt im Knast. Doch das Gefängnis wird von dem gefürchteten Banditenboss Gordon Watch (Fernando Sancho) und seinen Männern gestürmt, die Wärter ermordet und alle Gefangenen befreit. Sinn der Aktion ist es neue Männer für seine Gang zu rekrutieren. Sie sollen vor allem mit der Waffe gut umgehen können. Er wird auch sofort auf den Topschützen Arizona aufmerksam, doch der will sich erst mal überlegen, ob er sich anschließt. Arizona ist ein Freigeist und will sich nicht unbedingt unterordnen. Und mit Zwang kann der Banditenführer nichts erreichen. Arizona besiegt auch in einem Kampf den finsteren Clay (Giovanni Pazavini), die rechte Hand von Gordon. Da die Bande vorhat die Bank in einer nahe gelegenen Kleinstadt zu überfallen, kreuzen sich die Wege von Arizona und Clay erneut. Beide halten sich im örtlichen Saloon auf. Arizona verrät Clay nicht, dass er Bandenmitglied ist. Saloonbesitzer Pedro (Andrea Bosic) bedient gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Dolores (Rosalba Neri) und Jane (Corinne Marchand) die Gäste, die sehr viel trinken und auch gerne um viel Geld Poker spielen. Arizona flirtet mit Jane, die ihm zunächst die kalte Schulter zeigt und Clay baggert erfolgreich die leichtlebiege Dolores an. Am Morgen danach wird ihre Leiche im Heustall gefunden. Pedro und Jane engagieren Arizona den Mörder zu finden - tot oder lebendig. Damit kommt es natürlich zu einer weiteren Begegnung mit dem respektlosen, coolen Arizona und dem von Macht besessenen Gordon...

Der Film wurde in Spanien gedreht und für die guten Bilder kann man den italienischen Kameramann Guglielmo Mancori loben, der in seiner aktiven Laufbahn für rund 90 Produktionen engagiert wurden - auch für andere Spaghetti Western. Die beiden nächsten Italo Western von Lupo sind weniger hart und deutlich entspannter. "Arizona Colt" erzählt die Geschichte eines jungen Revolverhelden, der im Laufe der Geschichte eine gewisse Reife erlangt und der einem übermächtigen Gegner Paroli bieten kann, eine Art "David und Goliath" Version des wilden Westen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 9. März 2022

Silbersattel (Sella d'argento)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Lucio Fulci 

Spaghetti Western in der Endphase...

Das hört sich doch irgendwie bekannt an: Der gierige Großgrundbesitzer Thomas Barrett drangsaliert und betrügt arme Farmerfamilien, er verkauft ihnen Land, das es gar nicht gibt. Wer sich beschwert, bekommt es dann mit seinem Killer Luke, Markenzeichen Silbersattel, zu tun. Als Kind muss der kleine Roy Blood mit ansehen, wie sein Vater von diesem Pistolero zuerst verhöhnt " "Warum schickst du nicht deine Frau in den Puff, wenn ihr kein Geld mehr habt ?" und dann brutal niedergeschossen wird. Obwohl der Junge erst zehn Jahre alt ist, tötet er den Killer mit einem Gewehr und steigt fortan in dessen Fußstapfen, indem er sich dessen Pferd mit silbernen Sattel aneignet. Der kleine Scheisser ist ab sofort Revolverheld und Jahre später (Guiliana Gemma) berüchtigt und berühmt. Wo immer sein Silbersattel auftaucht, gibt es Leichen.
Und diese Leichen werden in der Regel von dem dubiosen Leichenfledderer namens Dubletten-Snake (Geoffrey Lewis) ausgeraubt. So lernen sich die beiden Männer kennen.
Snake ist es auch, der durch einen ebenfalls zwielichtigen Turner (Gianni de Luigi) einen lukrativen Auftrag bekommt. Die Ermordung des Thomas Berrett jr. Der Plan sieht vor, dass Roy ihn auf einem Friedhofbesuch erledigen soll. Obwohl Roy eine Falle wittert, siegt der Hass gegen die Barretts. Aber am Tatort kommt dann doch die überraschende Wende, denn Thomas Barrett jr. (Sven Valsecchi) ist ein putziger kleiner Junge mit einer schrecklichen deutschen Synchronstimme. Trotz dieses Nervpotential lässt der harte, wie gutherzige Roy den Bub am Leben und freundet sich auch noch mit ihm an. Doch mehrere Schurken sind dem Knirps auf den Fersen, unter anderem der liderliche Schurke Garrincha (Aldo Sambrell) aus Mexico, der den Jungen irgendwann im lauf der Handlung auch noch mit einer Bullenpeitsche züchtigt...


Im Jahre 1978 war die grosse Zeit des Italo-Westerns bereits vorbei, an den Kinokassen dominierten andere Themen. Lucio Fulci, der bereits Erfahungen im Genre hatte (Django-Sein Gesangsbuch war der Colt, Verdammt zu leben, verdammt zu sterben) und später als Splatter-Director (Ein Zombie hing am Glockenseil, Woodoo) erfolgreich war, drehte diesen Art Abgesang auf das Genre mit sehr viel Morricone-Flair, am ehesten erkennbar an der kalkulierten musikalischen Untermalung, die sehr stark einzelne Charaktere des Films akzentuiert. Der Score setzt beim Auftauchen von Dubletten Snake vor allem auf das Banjo, während Garrincha mit viel Gitarre, Trompete und einer Überdosis Hossa seine Szenen bestreitet. Roy und sein Schützling im ohrwurmigen "Jenseits von Gut und Böse" Westcoast Sound "Silver Saddle shining in the Sun, no place to go, looking for a friend, trallala"...Eine ganz nette, unterhaltsame Genrearbeit, die wahrscheinlich heute eine FSK 12 Einstufung erhalten würde. Aber auch vor 30 Jahren war die FSK 18 Einstufung für den Film sicherlich gewagt. Möglich, dass die Verantwortlichen damals den Film für gefährlich hielten, weil der Knirps in einer Szene lachend und voller Eifer zu Bomben mutierte Feldflaschen auf die Bösen wirft... Für ein Meisterwerk des Genres reicht es aber nicht, da fehlt das Besondere.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.