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Montag, 9. Juni 2025

Vier für ein Ave Maria (I quattro dell' Ave Maria)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Giuseppe Colizzi

Neue Abenteuer von Cat und Hutch...

Der erste Film der Giuseppe Colizzi Trilogie, „Gott vergibt - Django Nie“, endete damit, dass Cat und Hutch in einem Wagen davonfuhren, in dem sie das Gold aus einem Zugüberfall von Bill San Antonio besaßen, der offenbar bei einer Dynamitexplosion ums Leben gekommen war. „Ace High“ ist der zweite Film und bekam in Deutschland den Verleihtitel "Vier für ein Ave Maria". Der Film aus dem Jahr 1968 beginnt mit der Ankunft von Cat (Terence Hill) und Hutch (Bud Spencer) in El Paso, wo sie vergeblich versuchen, das Kopfgeld für Bill aus seinen letzten irdischen Überresten – Bills Stiefeln und Hut – zu kassieren, obwohl diese weder Körper noch Körperteile besitzen. Als ihnen das nicht gelingt, gehen sie zu Bankdirektor Harold (Steffen Zacharias) – den Bill im ersten Film als seinen Partner bei der Planung der Raubüberfälle enthüllte – und geben sich als Bill aus. Nach Anwendung körperlicher Gewalt werden sie empfangen und "überzeugen“ ihn (natürlich mit Gewalt), ihnen einen Bankscheck auszustellen, der in Gold ausgezahlt werden soll. Der Bankier besucht den zum Tode Verurteilten Cacopoulos (Eli Wallach), der am nächsten Tag gehängt werden soll, und bietet ihm Hilfe bei der Flucht an, wenn er das Geld zurückgibt. In dieser Nacht wird der Deputy von zwei Männern niedergestochen, die Cacopoulos freilassen. Er nimmt die Waffe des Toten und erschießt die beiden, gönnt sich ein Fußbad und probiert die Stiefel der Toten, um ein passendes Paar zu finden. Anschließend stattet er dem Bankdirektor einen Besuch ab und erinnert ihn daran, dass er und zwei andere ihn für 15 Jahre ins Gefängnis gebracht und ihn nach seiner Entlassung mit einem gestohlenen Messer des Mordes bezichtigt haben – demselben, mit dem der Deputy getötet wurde. Deshalb verlangt er Garantien, dass er nicht erneut hereingelegt wird. Harold wirft das Messer, doch Cacopoulos schwingt den Stuhl so, dass er die Rückenlehne trifft, schwingt dann zurück und erschießt den Manager mit der Begründung, das sei Garantie genug. Als Tagelöhner auf einem Esel verkleidet, trifft Cacopoulos auf Cat und Hutch und raubt sie aus. Sie folgen seiner Spur Richtung Süden nach Mexiko und treffen auf Menschen, denen er Geld gegeben hat – sowie auf den Hochseilartisten Thomas (Brock Peters) und seinen Assistenten, denen er Geld angeboten hat. Sie treffen ihn in einem Dorf während einer Fiesta (die er selbst bezahlt hat). Während Cat weggelockt wird und ihn woanders sucht, erscheint Caco, der Hutch einen Streich spielt, vor ihm und erzählt ihm an einem ruhigeren Ort von Harold und den beiden anderen "Freunden“, die sein Pferd erschossen haben, sodass er nach einem Banküberfall gefasst wurde, und ihm anschließend den Mord angehängt haben. Er verspricht, ihnen ihr Geld, einschließlich der Ausgaben, zurückzugeben, wenn Hutch ihm hilft, seine Schulden bei den beiden anderen einzutreiben. Der erste ist Paco (Livio Lorenzon), ein „Revolutionär“, der einem Scheingericht vorsitzt, das Männer zum Tode verurteilt, weil sie "nicht für Vaterland und Freiheit kämpfen“. Seine Männer nehmen Cacopoulos und Hutch gefangen, doch Cat bittet einen anderen "Revolutionär“, Canganceiro (Remo Capitani) , um Hilfe, indem er ihm von Cacopoulos' „Schatz“ erzählt. Gemeinsam besiegen sie Pacos Männer, und Paco wird von Cacopoulos getötet, der in seinem Zorn vergisst, ihm Geld zurückzugeben. Nach einigen Plünderungen seiner Männer richtet Canganceiro ein weiteres Scheingericht ein, das Menschen wegen „Kampfes für Vaterland und Freiheit“ hinrichtet. Cacopoulos wird eingesperrt, bis er verrät, wo sein Schatz ist. Caco versucht zu fliehen, indem er die Wachen mit der Geschichte seiner Herkunft einschläfern lässt: Sein Großvater war ein Grieche, der eine junge Cherokee-Frau geheiratet hatte, und sein Vater war eines ihrer Kinder. Er erzählt, wie sein Vater seine Familie in einer kleinen Bergbaustadt großgezogen hatte, bis er auf mysteriöse Weise ermordet wurde, und wie sein Großvater, den kleinen Caco tragend, die Leiche seines eigenen Sohnes zu seinem Stamm zurückbringen musste. Hutch und Cat verhelfen Cacopoulos zur Flucht, doch er springt aus den Sätteln und zitiert seinen Großvater, „ein Partner sei zu wenig, und zwei seien zu viel“. Sie überfallen die letzten beiden Männer der verfolgenden Canganceiro-Gruppe und nehmen ihnen ihre Pferde ab. Sie folgen Cacopoulos nun in die entgegengesetzte Richtung und begegnen dabei toten Canganceiro-Männern, die letzten mit ihrem Anführer kurz vor Memphis. In Memphis finden sie Caco beim Abwasch in einem Saloon, zusammen mit dem Akrobaten und seinem Assistenten – denn in dieser Stadt sind die Leute nur am Glücksspiel interessiert, was dadurch untermauert wird, dass Cacopoulos auf der Suche nach Drake, dem dritten „Partner“(Kevin McCarthy) sein ganzes Geld verloren hat. Der betreibt ein betrügerisches Casino und ist der schlimmste dieser drei Gangster..


Immer noch Spannung, aber auch humorvolle Dialoge prägen den Film und parodistisch dürfen Terence Hill und Bud Spencer brachiale Gewalt anwenden, um an ihre Ziele zu kommen. Der Italowestern läutete mit diesem Film den Wandel hin zum Spasswestern ein. Colizzi, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und den Film finanzierte, wählte für seine Geschichte einzelne Episoden, die sich zum großen Ganzen zusammenfügen. Die Handlung selbst ist überraschungsreich und beim Showdown wird die Spannungskurbel noch einmal richtig angezogen. 


Bewertung. 7 von 10 Punkten. 

Der letzte Zug nach Durango (Un treno per Durango)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mario Cainao

Der Tresor...

 Der italienische Filmregisseur Mario Cainao benutzte während seiner aktiven Zeit recht viel Pseudonyme wie beispielsweise William Hawkins, Allan Grunewald, Allen Grünewald, Mike Perkins und Edoardo Re. Der 1968 inszenierte "Un Treno per Durango" weist beispielsweise William Hawkins als Regisseur dieses Italowestern aus. Wie so oft spielt die Handlung in Mexiko, Anthony Steffen als El Gringo und Enrico Mario Salerno als Lucas sind in dieser Geschichte "Best Buddys" - sie sind ebenfalls sehr verschieden wie auch Terence Hill und Bud Spencer. Ihr Film ist zwar ebenfalls mit etwas Humor angereichert, doch es überwiegen die ernsthaften Anteile. Anthony Steffen gehört mit 26 Hauptrollen in diversen Spaghetti Western zu den meistbeschäftigten Schauspielern dieses Genre. Steffen ist auch der Akteur, der am häufigsten die Figur des "Django" verkörperte: Sechsmal insgesamt, davon drei in echten Django Filmen, die drei anderen in Umtitelungen, denn der Name allein zog damals die Fans in die Kinos. Er spielte auch 1963 im Mantel- und Degenfilm "Auf Zorros Spuren", war in Harald Reinls "Der letzte Mohikaner" zu sehen und spielte in "Der Fremde von Paso Bravo" den Rächer. Gemeinsam mit Mark Damon bildete er in "An den Galgen Bastardo" ein schießendes Kopfgeldjägerduo. In Der letzte Zug nach Durango" spielt Damon ebenfalls eine wichtige Schlüsselrolle. Es ist mexikanische Revolution und die beiden Abenteurer Gringo und Lucas nehmen den Zug nach Durango. Beide sind durch die hohen Fahrkartenpreise ihre Colts und die Pferde losgeworden und hoffen in Durango das Geschäft ihres Lebens zu machen. Im Zug lernt Gringo die hübsche Journalistin Helen McPherson (Dominique Boschero) kennen, sie küssen sich spontan und schon wird der Zug von Banditen überfallen. Diese Banditen haben es auf den Tresor mit Geld für die USA abgesehen, sie geben sich als Revölutionäre aus. Die Banditen töten zahlreiche Passagiere, stehlen den Tresor und entführen Helen. Gringo und Lucas überleben den Überfall und entdecken in den Taschen der getöteten Waffenhändler, die auf den Tresor aufpassen mussten, die Schlüssel für den Tresor. Deshalb beschließen sie, den Banditen anzubieten, für entsprechende Bezahlung den Tresor zu öffnen.Diese versuchen jedoch, durch Gewalt den Aufbewahrungsort der Schlüssel, die beide zu diesem Zeitpunkt schon verschluckt haben, zu erfahren. Jedoch werden sie von Brown (Mark Damon), einem geheimnisvollen Mann, der als Fortbewegungsmittel das Auto bevorzugt, gerettet. Im weiteren Verlauf hilft Brown den Protagonisten, die nun versuchen, sich direkt in die Umgebung Lobos (Roberto Camardiel), des Anführers der Banditen, einzuschleichen, immer wieder in brenzligen Situationen, wonach er aber immer wieder sofort verschwindet.Mit Hilfe Helens gelingt es schließlich, Heraclio (Manuel Zarzo), ebenfalls einen Anführer der Banditen, gegen Lobo auszuspielen. Während des darauf folgenden Gefechtes gelingt es Gringo und Lucas, den Tresor zu öffnen, die Goldmünzen zu stehlen und mit Helen zu flüchten. Allerdings treffen sie bald auf Brown, der sich als mit der Wiederbeschaffung des gestohlenen Geldes von der Firma Colt beauftragter Geheimagent ausgibt, den dreien das Geld gegen Zahlung einer Prämie wieder abnimmt und schließlich mit seinem Wagen davonfährt....


Aber ist dieser Mann mit Manieren und Waffen Know How wie ein James Bond des Wilden Westens auch tatsächlich ein Agent oder nicht ? Enzo Barboni wurde für diesen unterhaltsamen Western als Kameramann engagiert. Das Drehbuch wurde von Mario Caiano gemeinsam mit Duccio Tessari geschrieben, der als Regisseur mit "Eine Pistole für Ringo", "Ringo kommt zurück" oder "Friß oder stirb" selbst einige Klassiker des Genres schuf. 

Bewertung: 7 von 10 Punkten.  

Sonntag, 8. Januar 2023

Mercenario - Der Gefürchtete (Il mercenario) - Die gefürchteten Zwei


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Es lebe die Revolution...

1968 hätte Sergio Corbucci seinen Western "Mercanario" eigentlich gar nicht drehen sollen, denn Gillo Pontecorvo war zuerst als Regisseur vorgesehen. Der entschied sich aber lieber mit Marlon Brando "Queimada" zu drehen und so entschied man sich für Sergio Corbucci, der mit "Django" und "Leichen pflastern seinen Weg" bereits zwei der besten Spaghetti Western ablieferte.
Sein "Mercenario" bekam in Deutschland den Zusatz "der Gefürchtete" verpasst, ist aber auch unter dem Titel "Die gefürchteten Zwei" vermarktet worden. Die Geschichte spielt am Ende des Wilden Westens und beginnt mit Clowns in einer Arena, die bereits mit Werbeplakaten für Autos, Grammophone und Cola zugepflastert ist. Der Kapitalismus, der Kommerz ist schon längst angekommen. Ein Revolutionär wie Paco Roman (Tony Musante) kann nur als Clown getarnt überleben, sein Kampf mit dem Stier ist eine gewisse Parodie auf seinen eigenen Kampf, der er lange Zeit vorher geführt hatte. Nun ist eer auf der Flucht. Sein Gegner Riccolo (Jack Palance) ist bereits im Anmarsch, aber das erfährt der Zuschauer erst viel später - nach der Rückblende, die während der mexikanischen Revolution spielt. Der Minenbesitzer Alfonso Garcia (Eduardo Fajardo) engagiert den polnischen Söldner Sergei Kowalski (Franco Nero) um sieben Tonnen Silber zu schützen. Er soll die teure Fracht in die USA transportieren. Als der Söldner das Silber in Empfang nehmen will, ist gerade ein Aufstand der unterdrückten Bauarbeiter in Vollem Gange - angeführt werden die Rebellen von den charismatischen Paco Roman. Da beide Männer von einer gemeinsamen Zusammenarbeit profitieren können, werden sie zu Geschäftspartnern. Sie können den sadistischen Söldner Curly ausschalten, der auch das Silber haben wollte. Nachdem Paco eine Stadt befreien konnte, möchte er dem Banditenleben ein Ende machen und stattdessen Revolutionär fürs Volk werden. Untestützt wird er dabei von der Freiheitkämpferin Columba (Giovanna Ralli). Mit dem Versprechen, Paco so berühmt wie Pancho Villa zu machen, verdient sich der raffinierte Pole eine hohe Gage bei Paco. Doch inzwischen ist die Armee den Freischärlern auf der Spur....

Die Musik von Ennio Morricone nimmt einmal mehr einen sehr starken Einfluss auf das Geschehen. "Il Mercenario" ist ein hervorragender Revolutionswestern und parodiert sich gleichzeitig selbst. Nichts ist wie es scheint, aber jede noch so auswegslose Situation, in die die beiden Protagonisten geraten., löst sich stets pointiert auf.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Spiel mir das Lied vom Tod (C´era una volta il West) - Once upon a time in the West


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Leone

Es war einmal im Wilden Westen...

"Spiel mir das Lied vom Tod" wirkt ungefähr so als würde man in der Oper Spaghetti essen - allerdings im Zeitlupentempo und ist vielleicht sogar Sergio Leones größter Filmtriumph, obwohl dies ja bei so vielen Meisterwerken wie "Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr", "Zwei glorreiche Halunken" oder "Es war einmal in Amerika" gar nicht so einfach zu entscheiden ist. Jedenfalls hat der viel zu früh verstorbene Filmemacher bei seinen vielen Fans die Sehnsucht auf das neue Land geweckt, hier in seinen Filmen spürt man noch die Illusion eines amerikanischen Traums. Erstmalig inszenierte der Italiener in Amerika und damit im auch sagenumwobenen Monument Valley, den Amis auch als John Ford Country ein Begriff. Nicht nur die Schlußszene als Claudia Cardinale zum Brunnen geht und die wahrscheinlich beste Filmmusik der Welt einsetzt hat epische, ja überlebensgroße Dimensionen. Die Kamera fährt zum Himmel empor und umfasst in einer triumphalen Totale das größte "Wow" den die Kinoleinwände je präsentieren konnten. Jedem war klar: Genau das war die Geschichte Amerikas. Diese Geschichte um den Eisenbahnbau und natürlich um die bedinungslose Rache, die grenzenlose Gier und dem vielen Morden. Diese Geschichte hat Leone als Traum inszeniert - als Zuschauer hat man das Gefühl selbst ein Immigrant zu sein, der als Neubürger nun mit seinen Füßen das Land betritt. Und dazu braucht es die große Leinwand um dies emotional auch richtig zu feiern.
Dabei standen Leone mit Bernardo Bertolucci und Dario Argento berühmte Drehbuchmitautoren zur Verfügung, es wurde ihm ein Budget von 5 Millionen Dollar bewilligt.
Statt Clint Eastwood, bisheriger Hauptdarsteller seiner Western, bekam aber Charles Bronson den Zuschlag als "Mundharmonika". Ausserdem bekamen Jason Robards und Henry Fonda Hauptrollen in den Film, was Lezteren, endlich mal den Bösewicht spielen zu dürfen, besonders freute. In den USA floppte der Film allerdings - was vielleicht daran lag, dass die Produzenten den Film für die Kinoauswertung stark kürzten und dem Zuschauer die Handlungselemente nicht mehr ganz schlüssig vorkamen. In Europa avanchierte der Film sehr schnell zu einem Riesenerfolg - was nicht nur an der Erstauswertung lag, sondern an den zahlreichen Wiederaufführungen, die in den 70er Jahren regelmässig stattfanden. So wurde der Western auch in Deutschland mit 13 Millionen Zuschauern zu einem der erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten.
Der Kunstgriff des Films ist es, dass er seine im Grunde sehr einfach strukturierte Geschichte nicht durch hektische Aktionen erzählt, sondern durch bewusste Verzögerungen. Die verschiedenen Motive werden geschickt verzahnt und erst am Ende fügen sie sich als diese Einheit zusammen, für die dieser Ausnahmefilm bekannt wurde. Er ist aus einem Guß....die Einstellungen sind oft quälend lang und entladen sich dann in einer plötzlichen Eruption oder aber sie mündet in einen der sehr sparsam eingesetzten Dialoge, die man nicht vergisst...

 Am Anfang steht das Warten auf dem Bahnsteig. Es ist das Szenario aus "High Noon" nur noch dreckiger und staubiger. Denn als blühendes, geordnetes Städtchen kann man die Haltestelle, den Bahnhof nicht bezeichnen. Dort in dieser Gegend herrscht noch Hektik und alles riecht nach Aufbau des neuen Landes. Noch ist alles Wüste. Dort warten drei Revolverhelden (Woody Strode, Jack Elam, Al Mulock) im Auftrag des Killers Frank (Henry Fonda) auf einen Fremden (Charles Bronson), der Frank hierher an den Bahnhof bestellt hat. Doch Frank ist verhindert, denn er und seine Bande, die in ihren langen Staubmänteln die Gegend terrorisieren, haben sich schon rund um die kleine Ranch von Frank McBain (Frank Wolff) und dessen drei Kindern (u.a. Enzo und Simonetta Santaniello) versammelt. Denn McBain ist dem Eisenbahnerbauer Mr. Morton (Gabriele Ferzeti) ein Dorn im Auge - das wüstenähnliche Land von McBains ist nämlich in Wahrheit eine Goldgrube, da sich hier die einzige Wasserstelle weit und breit befindet. Die Killer löschen die ganze Familie aus, haben aber nicht damit gerechnet, dass McBain an diesem Tag seine neue Frau Jill (Claudia Cardinale) erwartet, die er vor einem Monat in New Orleans geheiratet hat. Sie kommt leider nur noch rechtzeitig zur Beerdigung und erbt den Besitz. Verdächtigt wird der Outlaw Cheyenne (Jason Robards) , dessen Bande modisch auch in Staubmänteln auftritt. Im Laufe der Handlung treffen sich die Hauptfiguren und es darf gerätselt werden, warum "Mundharmonika" so besessen ist Frank zu treffen. Auch Jill selbst geht mit jedem der drei Männer eine Art Beziehung ein....
In Sergio Leones Film treffen Charles Bronson als namenloser Racheengel und Henry Fonda als Frank, dem Killer mit dem Pokerface und den eisblauen Augen als Kontrahenten aufeinander. Der Showdown ist die Summe der vorherigen Begegnungen und es wird klar, dass man Rache auch bis zum Exzess auskosten kann. Das Bild des Reiters, der dann für immer verschwindet, macht den Traum noch deutlicher. Alle Szenen sind akribisch genau durchdacht und haben sogar Ballettcharakter. Langsam schreiten Killer auf das Haus zu, die Schritte sind bedächtig und sogar langsam gewählt, dazu der Score von Morricone, der sehr oft den Dialog erfolgreich ersetzt.  Oder diese Szene mit der alles anfängt: Am Bahhof - die Killer warten minutenlang. Es passiert nichts. Einer ist genervt von einer Fliege, dem anderen fallen Wassertropfen von der Decke auf den Kopf. Der Zug trifft ein. Kann es sein, dass der Reisende gar nicht kommt ? Dann setzt die Mundharmonika-Musik ein und spielt das Lied vom Tod. Der Fremde fragt, ob er ein Pferd haben kann. Darauf antworten die Killer "Nein, sie hätten ja nur drei" und der Rächer erwidert "Stimmt nicht, ihr habt zwei zuviel". Solche Dialoge finden sich einige im Film, der immer mehr Szenen bietet, die ein breites Mosaik ergeben. Eine der besten Szenen ist die Attacke auf die McBains. Am Ende kommt der einzige Überlebende, der kleine Timmy, aus dem Haus gestürmt. Sieht dort am Boden seinen Vater und seine beiden Geschwister liegen - er blickt in die Augen von Frank, umgeben von seinen Schergen. "War das der Richtige, Frank ? " fragt einer der Männer. "Du sollst nicht meinen Namen nennen" entgegnet er diesem und die Mündung seiner Pistole geht in Richtung des kleinen Jungen. Ein Schuß - Szenenwechsel - das Geräusch des Schußes ist übergegangen in das Pfeifen einer Lokomotive, die die neue Szene einläutet.
Eisenbahn, Wüste, Wasser, das sind die äußeren Bedingungen, unter denen die Handlung des Films spielt. Das Urbahrmachen eines neuen Landes durch die Pioniere und deren Geist.
Dieser Übergang von der alten Welt zur neuen Welt, wie er die beteiligten Personen überrollt, wird in dem Film dargestellt. In der alten Welt regierte die Waffe, das Gesetz des Stärkeren und in der neuen Welt das Geld - was noch stärker macht.
Der Untergang dieser alten Welt ist nur die eine Seite des im Film dargestellten Prozesses. Denn der Untergang der alten Welt ist zugleich die Durchsetzung der neuen Welt. Doch diese neue Welt ist auf handelnde Personen angewiesen, die ihre Interessen verfolgen und in der neuen Welt neue Perspektiven für sich erkennen. Von diesem Wandel erzählt dieses große Epos.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 7. Januar 2023

Leichen pflastern seinen Weg ( Il grande silenzio)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Die große Stille....

Zu den ganz großen Italowestern gehört zweifelsohne der 1968 entstandene "Leichen pflastern seinen Weg" von Sergio Corbucci, der imm Original "Il grande silencio" heisst.
Auf sein Konto gehen mit "Django" oder "Mercenario" noch weitere Hauptwerke des Spaghettiwesterns.
Vielleicht ist der "Leichen pflastern seinen Weg" der grimmigste Film des Genres, denn er ist von Anfang bis Ende äusserst düster durchkomponiert:
Ein Winter des Jahres 1899. Im kleinen abgelegenen Dorf Snowhill von Utah herrscht eisiger Winter, das raue Wetter brachte ohnehin Hunger und Entbehrungen für die dort lebenden Menschen.
Dies förderte die Kriminalität. Um zu überleben werden auch die dortigen Farmer zu Räubern. Aufgrund dieser Situation wird das Gebiet auch ein Paradies für die vielen Kopfgeldjäger, die im Auftrag des Gesetzes die Diebe lieber tot als lebendig fassen. Es gibt inzwischen gute Prämien. Da die Farmer von ihren Jägern Kentniss haben, verstecken sie sich in Bergen. Wartend auf eine mögliche Amnestie. Aber die lässt auf sich warten.
Statdessen treibt der brutale Loco (Klaus Kinski) in der Gegend sein Unwesen und hat bereits einige Männer auf den Steckbriefen erschossen. Gemeinsam macht er sich mit den Leichen in der Postkutsche auf den Weg nach Snow Hill, um dort seine üppigen Belohnungen zu kassieren.
Vorher hat er noch den Mann der jungen Pauline (Vonetta McGee) getötet, die íhren Mann aber dennoch - trotz Verbot - in den Bergen anständig beerdigt.
In der Postkutsche selbst trifft Loco auf den schweigsamen Silence (Jean Louis Trintignant), der kein Freund der Kopfgeldjäger ist.
In Snow Hill herrscht der durchtriebene Bankier Henry Pollicut (Luigi Pistilli), der mit Loco Geschäfte macht. Immerhin taucht ein neuer Sheriff ((Frank Wolff) auf, der vielleicht der grausamen, kommerziellen Jagd auf Menschen ein Ende macht..


Sergio Corbucci schwelgt in pessimistischen Bildern, der hoffungslose Schluß zeigt keine Perspektive in Richtung einer besseren Zukunft auf. Es siegt das Böse, die Niedertracht und vor allem das Geld. 
Gedreht wurde der äusserst atmosphärische „"Western im Schnee" in Cortina d’Ampezzo, in St. Kassian, in den Abruzzen und den römischen Elios-Studios. Klaus Kinski erlebt man in einer seiner unvergesslichsten Rollen. Er dominiert mit der größten Gefühllosigkeit den ganzen Film.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Samstag, 23. Juli 2022

Auf die Knie, Django (Black Jack)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Gianfranco Baldanello

Der schwarze Jack...

Der Genrefilmer Gianfranco Baldanello hat in seiner aktiven Laufbahn zahlreiche Italo-Western inszeniert. Sein 1968 entstandener "Black Jack" erhielt in Deutschland den Filmtitel "Auf die Knie, Django", weil man sich mit dem Namen des Aushängeschildes mehr Zuschauer in den Kinos versprach. "Auf die Knie, Django" gehört sicher nicht zu den großen Meilensteinen seiner Sparte, aber dennoch besitzt der Film über genügend Qualitäten, die ihn von Anfang bis Ende äusserst spannend machen, beinahe schon ein Geheimtipp seines Genres. Natürlich ist das Thema "Rache" in fast jedem ItaloWestern zu fidnen, aber Baldanello setzt auch sehr stark auf den psychischen Knacks seines Helden und Protagonisten. Daher wirkt der Film keineswegs wie ein 08/15 Produkt, sondern setzt auf eine gewisse Eigenständigkeit. Der Regisseur hatte mit einem eher niedrigen Budget zu kämpfen, doch er holte alles aus den vorhandenen Mitteln heraus. Der Antiheld Jack Murphy wird von Robert Woods gespielt und dieser Jack ist alles andere als eine eindimensionale Figur: Er ist zuerst ein aalglatter und charismatischer Bandit und wandelt sich durch die Racheobsession in einen bitteren Rächer, der sowohl körperlich als auch emotional abartig und verkrüppelt seine tödliche Mission absolviert. Jack Murphy (Robert Woods) ist der Boss von Banditen und ist mit der hübschen Susan (Lucienne Bridou) liiert. Die Raubzüge sind immer erfolgreich, da Jack die Pläne für seine Männer ausarbeitet und so perfekte Ergebnisse erzielt. Geteilt wird immer nach dem Schema 1/4 für den Boss, die restlichen 3/4 werden zu gleichen Anteilen an seine Männer (u.a. Rik Battaglia als Skinner, Mimmo Palmara als Indian Joe) verteilt. Doch nach dem Überfall auf die Bank in Tusca City probt die Bande den Aufstand, weil sie mehr Anteile wollen. Sie hauen Murphy übers Ohr, doch der holt sich die gesamte Beute zurück. Jacks Schlupfwinkel ist eine alte Geisterstadt, wo er mit seiner Schwester und deren Ehemann Peter (Nino Fuscagni) lebt. Dort taucht irgendwann die wütende Bande auf und holt ihr Geld zurück. Sie foltern Jack und vergewaltigen dessen Schwester Estelle (Sascia Krusciarska), skalpieren und töten sie danach. Ab diesem Zeitpunkt ist Jacks Leben völlig zerstört. Wie ein lebender Toter reitet er den Peinigern hinterher und richtet seine Feinde...


Als behinderter Protagonist erfüllt er seinen Racheplan - eine etwas ungewöhnliche Variante im Bereich des Spaghetti Westerns. Seine Rache ist alles andere als eine Heldentat und er wird mit dieser tödlichen Mission keine Befreiung finden. Der Film ist einerseits brutal und sehr hoffnungslos.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Im Staub der Sonne ( Spara, gringo, spara)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Bruno Corbucci

Der Jäger und sein Opfer...

"Im Staub der Sonne" ist ein Film von Bruno Corbucci, dem Bruder von Sergio Corbucci. Bruno schrieb auch die Drehbücher für die Klassiker seines Bruders "Django" oder "Leichen pflastern seinen Weg" mit. Seine eigenen Filmen waren billig heruntergedrehte B-Pictures. Dieser Italo Western ist aber immerhin einer seiner besten Werke, auch wenn "Spara, Gringo, Spara" alles andere als ein ultimativer Klassikers des Genres ist. Corbucci setzt auf die Beliebtheit der Buddy Movies und auf seine beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller Brian Kelly und Fabrizio Moroni. In der Rolle des bösartigen Banditenchefs Quintaras ist Folco Lulli zu sehen, der mit seiner Rolle in "Lohn der Angst" von Henri Georges Clouzot international bekannt wurde. Immerhin ist der Film unter einem Aspekt sehr gewagt. Denn im Laufe des Films entwickelt sich eine sehr innige Beziehung des Revolverhelden und seinem jungen attraktiven Jagdopfer. Das Thema Homosexualität schwingt jedenfalls latent immer ein bisschen mit, auch am Ende als Chad Stark nach Kalifornien aufbricht und kurze Zeit später von Fidel eingeholt wird. Beide reiten möglicherweise in eine gemeinsame Zukunft. Wer kann es wissen ? Auf jeden Fall wird Stark (Brian Kelly) zunächst vom Banditenchef Quintaras (Folco Lulli) angeheuert, damit dieser seinen verschwundenen Spößling Fidel (Fabrizio Moroni) nach Hause zurückbringt. Der Youngster hat sich der Bande von Major Charlie Doneghan (Keenan Wynn) angeschlossen, der nach dem Bürgerkrieg die Waffen noch nicht gestreckt hat und raubend durch die Gegend zieht. Doneghans Liebling ist seine Ente, der kein Leid geschehen darf. Das Wissen auch seine Männer, obwohl dem einen oder anderen schon mal der Gedanke an einen saftigen Entenbraten kommt. Bald findet Stark den Ausreißer. Er kennt Doneghan von früher und kann diesen von einem großen Eisenbahnraub überzeugen. So findet er einen Weg einen gemeinsam Ritt mit Fidel machen zu müssen. Er nimmt ihm gefangen und ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich zwischen den beiden Männern ein recht unterhaltsames Katz und Maus Spiel. Einmal hat der Revolverheld die Vorteile auf seiner Seite und dann gelingt dem Youngster immer mal wieder die Flucht. Auch werden die beiden zum Lebensretter des Anderes, was irgendwann sehr verbindet..


Der Titelsong "Rainbow...vorei..vorei" wird von Little Tony gesungen. Die Siedlerin Sally wird von Erica Blanc gespielt und Rik Battaglia ist als Captain Norton zu sehen. Die Stärke des Films ist ganz klar das gute Zusammenspiel der beiden Hauptakteure, die in einer Art Verwandtschaft zu Butch Cassidy und Sundance Kid zu sehen sind.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Mittwoch, 13. Juli 2022

Friedhof ohne Kreuze (Une corde, un colt… )


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Hossein

Nichts als Rache...

Der französische Schauspieler Robert Hossein starb am Silvestertag des Jahres 2020, einen Tag nach seinem 93. Geburtstag, an den Folgen einer Covid 19 Infektion. Als Darsteller spielte er in Filmen wie "Angelique", "Im Reich des Kublai-Khan", "Der Coup" oder "Der Profi" mit. Er war allerdings auch Filmregisseur und seine eindrucksvollste Arbeit ist der 1968 entstandene Italo Western "Friedhof ohne Kreuze". Dieser Western in französisch-italienscher Coproduktion hat inzwischen eine große Fangemeinde erworben und wird zu den 20 besten Filmen des Genres gezählt. Robert Hossein hat die Rolle des Revolverhelden Manuel übernommen und hat die weibliche Hauptrolle der sehr attraktiven Michele Mercier gegeben, die in den 60er Jahren durch die "Angelique" Filme international berühmt wurde und in dieser Zeit ein gefeierter Kinostar war. Mit der Rolle der rachsüchtigen Maria Caine konnte die Französin beweisen, dass sie auch eine gute Darstellerin ist. Der Film beginnt mit einer sehr brutalen Sequenz, denn der Rancher Ben Caine (Benito Stefanelli) wird von den Schergen des ebenso frommen wie unbarmherzigen Großgrundbesitzers Rogers (Daniele Vargas) vor den Augen seiner Frau Maria (Michele Mercier) erhängt.  Rogers drei Söhne (Serge Marquard, Pierre Hatet, Philippe Baronnet) sind natürlich auch fleißig beim Lynchmob dabei. Grund für Bens Ermordung war der Diebstahl einer Sendung von Goldmünzen, die für Rogers bestimmt waren. Ben und seine Brüder Thomas (Guido Lollobrigida) und Eli (Michael Lemoine) wollten sich mit diesem Raub an Rogers rächen, der die Brüder zwang ihr Vieh zu verkaufen. Immerhin bleibt Maria der Anteil Goldmünzen von dem Raub. Doch Maria will ihren Mann rächen. Sie reitet mit ihrer Kutsche in eine alte Geisterstadt. Dort lebt Manuel (Robert Hossein), ein alter Freund ihres toten Mannes. Für Maria könnte nur Manuel eine Annäherung an Gerechtigkeit herbeiführen. Zunächst ist Manuel wenig begeistert den Racheengel zu spielen, doch dann fängt er an Maria zu helfen und schafft es zum Vorarbeiter auf Rogers Ranch. Er hat einen Plan gefasst, bei dem Rogers Tochter Johanna (Anne Marie Balin) eine Schlüsselrolle zukommt...


Robert Hosseins Protagonist Manuel ist eher ein Antiheld, der einen eigenen Ehrenkodex und eine eigene Moral besitzt. Er schert sich kaum um unschuldige Opfer in seinem raffinierten Spiel, das er für Maria eröffnet und in einigen Szenen bemerkt der Zuschauer, dass die einzige Identifikationsfigur des Films, nicht viel besser ist als die miesen Gestalten, die er bekämpft. Einige der besten Szenen hat aber Michelle Mercier als rächendes Opfer. Für sie zählt ein Weiterleben nicht mehr, auch das Gold ist nicht von Interesse. Ihr geht es lediglich um die größtmöglichste Genugtuung. Hossein hat lakonisch inszeniert, aber auch sehr melancholisch und die ganze Geschichte ist mit einer gewissen Todessehnsucht unterlegt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Dienstag, 19. April 2022

Sartana - bete um deinen Tod (…Se incontri Sartana prega per la tua morte)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Gianfranco Parolini

Der Totengräber mit der Spieluhr...

In Deutschland lief der 1966 inszenierte Spaghetti Western "Mille dollari sul nero" bereits unter dem Titel "Sartana". In diesem von Alberto Cardone gedrehten Filme spielte Gianni Garko den bösen Bruder Sartana Liston von dem Helden Johnny (Antony Steffen). Leider fielen viele Szenen der Schere zum Opfer, aber der Film wurde ein riesiger Erolg und Gianni Garko durfte daher in vier weiteren "Sartana" Filmen die Hauptrolle spielen. Während Cardones Film eine Kain und Abel Konstellation anbietet und der böse Sartana auch ein gerechtes Ende findet, sind die Folgefilme total anders konzipiert. Gianni Garko spielt hier einen unbekannten Fremden, der sich in schon herrschende Konflikte einmischt. Keiner weiß genau warum. Möchte er sich rächen ? Oder hat er einfach nur Spass am Aufmischen diverser Ganoven ?
Den Auftakt des neu angelegten "Sartana" machte Gianfranco Parolini mit seinem Film "Sartana - bete um deinen Tod". Es folgten "Töten war sein täglich Brot", "Sartana kommt" und "Sartana - noch warm und schon Sand drum". Bei den Kritikern und den Fans ist jedoch "Bete um deinen Tod" eindeutig der Favorit - vielleicht auch deshalb, wer er ganz viele Schurken auf einmal anzubieten hat. Darunter auch Klaus Kinski in einer Nebenrolle. Fernando Sancho spielt einmal mehr den primitiven Banditenboss mit Namen Jose Manuel Francisco Mendoza Montezuma de la Plata Carezza Rodriguez, der mit den beiden Bankiers Hallman (Gianni Rizzo) und Stewall (Sydney Chaplin) gemeinsame Sache machen. Der Banditenboss soll einen Goldtransport überfallen, die drei Männer wollen danach teilen. Doch die beiden Bankiers haben mit Lansky (William Berger) noch einen zweiten Bandit im Rennen. Dieser Lansky soll dem Mexikaner den Schatz wieder abjagen. Doch keiner hat mit einem geheimnisvolen Fremden gerechnet, der am Schauplatz des Raubes auftaucht und die Worte "Ich bin euer Sargträger" spricht. Am Ende sind die Banditen tot und Gianni Garko hatte seinen ersten Auftritt als einzig wahrer Sartana. Ein Mann ohne Freunde - lediglich mit Dusty (Franco Pesce), dem betagten Totengräber der Stadt freudet er sich an. Gleich und gleich gesellt sich natürlich gerne und durch das Auftauchen von Sartana floriert auch das Geschäft von Dusty enorm.

Natürlich darf auch die Femme Fatale nicht fehlen. Die heißt hier Evelyn Hallmann und wird von einer Heidi Fischer gespielt. Ihre Rolle ist so angelegt, dass sie ihren dicklichen Ehemann mit seinem Bankierfreund betrügt, aber auch noch andere Männer versucht für ihre Zwecke zu manipulieren. Es gibt in diesem 1968 gedrehten Film tatsächlich keine gute Identifikationsfigur. Auch Gianni Garkos Sartana eignet sich nicht dafür - zu cool, abgebrüht und selbstgefällig ist er. Er überlebt und reitet mit dem Gold davon, vorher hat er seine Gegner mit der Melodie aus einer Spieluhr verrückt gemacht. Ein Indiz dafür, dass es Gründe für sein Handeln gibt. Der Zuschauer bleibt jedoch im Dunkel.


 Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

 

Montag, 18. April 2022

Lauf um dein Leben (Corri uomo corri)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Sollima

Cuchillo läuft und läuft...

Im Genre des Italo Western gibt es die drei großen Sergios: Zum ersten Sergio Leone, der mit seinen Filmen "Spiel mir das Lied vom Tod", "Zwei glorreiche Halunken", "Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr" und "Todesmelodie" Geschichte in dieser Westerngattung schrieb. Zum Zweiten Sergio Corbucci, der "Django" auf die Leinwand brachte und anschließend mit dem düsteren "Leichen pflastern seinen Weg" einen der härtesten Filme der Gattung ins Kino brachte. Nicht zu vergessen seine weiteren Meisterwerke wie "Mercenario" oder "Zwei Companeros". Sergio Nummer 3 wäre dann Sergio Sollima, dem das Publikum klasse Western wie "Der Gehetzte der Sierra Madre" oder "Von Angesicht zu Angesicht" zu verdanken hat. Sein dritter wichtiger Italo Western heißt "Lauf um dein Leben" und ist eine Art Fortsetzung der beiden bereits erwähnten Filme. Doch "Lauf um dein Leben" muss ohne Lee van Cleef auskommen, aber immerhin ist Tomas Milian als Cuchillo "Stechmücke" Sanchez" wieder mit dabei.
Der Film ist eher schwer einzuordnen, zumal er irgendwie unruhig in seiner Machart ist. Einerseits kommt immer wieder ein bisschen Humor auf, doch er ist viel zu ernst um als Comedy Western durchzugehen und dann wieder zu witzig, um als brutaler und gewalttätiger Genrebeitrag zu gelten.
Dabei vollzieht die Hauptfigur Cuchillo eine gewisse Wandlung - er ist zuerst kleiner Dieb und Vagabund, wird zum Soldaten und am Ende zu einem Held der Revolution.
Nach einer ersten sehr kuriosen Szene (es wird nicht die letzte dieses Films sein) landet der kleine Dieb Cuchillo (Tomas Milian), der zudem ein ausgezeichneter Messerwerfer ist, hinter Gittern. Seine Zelle muss er mit einem Dichter, der sich Ramirez nennt, teilt. Dieser Ramirez (Jose Torres) macht Cuchillo einen sonderbaren Vorschlag. Obwohl er am anderen Tag entlassen werden soll, möchte er fliehen. Und hier bräuchte er die Hilfe eines versierten Ausbrechers wie Cuchillo einer ist. Cuchillo soll den Mann nach Texas bringen, denn dort hat er Gold im Wert von drei Millionen Dollar, das er der Regierung von Benito Juarez abgenommen hat. Die Flucht gelingt - doch Ramirez wird natürlich von einer ganzen Menge von  Leuten verfolgt. Darunter der Bandit Riza (Nello Pazafini) ein gewisser Nathaniel Cassidy (Donald O´Brien), der mal Sheriff war und zwei franzöische Kopfgeldjäger Jean Paul (Luciano Rossi) und Michel (Marco Guglielmi), die für Präsident Diaz arbeiten. Auch Cuchillos Verlobte Dolores (Chelo Alonso) sucht ihren Verflossenen, die ihn unbedingt ehelichen will, obwohl er nicht besonders zuverlässig und treu ist. Auf der Reise stirbt der Dichter, er kann Cuchillo aber noch sagen, wo sich das Geld befindet. Dieses soll an an General Santinala (John Ireland) abgegeben werden, der für die Revolution kämpft...

In der Rolle der Heilsarmee Frau Penny Bannigton ist Linda Veras zu sehen. Diese Sequenzen lockeren die Hatz auf unsere Stechmücke etwas auf. Ansonsten gilt es für den Helden eine Odyssee in gutem Lauftempo zu absolvieren und in dieser Zeit wandelt sich der Taugenichts zu einem verantwortungsvollen Helden der Revolution.


 Bewertung: 8 von 10 Punkten.