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Freitag, 22. Juli 2022

Von Mann zu Mann / Die Rechnung wird mit Blei bezahlt (Death rides a horse - Da uomo a uomo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Giulio Petroni

Rache - ein Gericht, dass man kalt serviert....

Die Familie Meceita unterhält auf ihrer Ranch eine Postkutschenstation. Dort macht Nachts ein Geldtransport Rast. 4 bewaffnete Männer bewachen den Transport im strömenden Regen.
Doch ein Horde brutaler Banditen hat davon Wind bekommen und schleicht sich leise an die Männer heran.
Alle verlieren ihr Leben. Die Gesichter mit Tüchern verdeckt stürmen sie dann auch die Ranch.
Zuerst wird der Vater erschossen, der kleine Bill, der sich versteckt hat muss dann auch mit ansehen, wie Mutter und Schwester zuerst geschändet, dann getötet werden.
Im Schockzustand merkt er sich aber einige Merkmale der vier Unbekannten. Das Haus wird angezündet, ein weiterer Unbekannter hat den Jungen entdeckt und rettet ihn, indem er ihn nach draussen schafft und unter der Kutsche versteckt.
15 Jahre später. Der inzwischen erwachsene Bill (John Philip Law) ist inzwischen zu einem gefürchteten Revolverhelden geworden, der immer noch von Rachegedanken besessen ist.
Doch diese vier maskierten Männer mit den markanten Auffälligkeiten sucht er immer noch vergebens.
Zeitgleich wird aus einem Strafgefangenenlager der ehemals gefährliche Bandit Ryan (Lee van Cleef) entlassen.
Die beiden Männer laufen sich über den Weg, als Ryan die Gräber der Meceitas aufsucht und Bill den mysteriösen Fremden nicht einmal kennt.
Bald stellt sich heraus, dass Ryan ebenfalls Rache üben will. Es handelt sich dabei um seine ehemalige Kumpel, den Saloonbesitzer Cavanaugh (Anthony Dawson), den einflussreichen Bankier Walcott (Luigi Pistilli) sowie die Brüder Walcott (Luigi Pistilli) und Pedro (Jose Torres), die ihn vor 15 Jahren verraten und verkauft haben.
Es verdichten sich für Bill auch immer mehr die Indizien, dass diese vier Halunken auch die Mörder seiner Familie sind.
Daher entsteht ein sehr ungleiches Gespann, bei dem jeder der beiden Männer ein Erstrecht der Rache beansprucht. Doch sie sind im Kampf gegen die Schurken aufeinander angewiesen...


"Die Rechnung wird mit Blei bezahlt", der auch unter dem Titel "Von Mann zu Mann" bekannt ist, entstand 1967 unter der Regie von Giulio Petroni.
Kein Geringerer als Ennio Morricone steuerte die musikalische Untermalung bei, die perfekt zu den sehr guten Kamerabildern von Carlo Carlini passt.
Dieser orientiert sich zeitweilig mit seinen zahlreichen Closeups natürlich an Sergio Leone, aber auch ein Sergej Eisenstein kommt mir da bei mancher Einstellung in den Sinn.
Die Rachestory ist natürlich schon sattsam bekannt, aber von Petroni sehr spannend und geradlinig - mit Sinn für Atmosphäre - inzeniert.
Inzwischen gilt der Film als Klassiker des Italo Western und taucht in vielen Top Ten Bestenlisten dieses Genres auf.
Der Film war zu einem großen Teil Inspiration für Quentin Tarantino Zweiteiler "Kill Bill".
Es gibt reichlich grossartige Szenen, wie beispielsweise das Duell im Saloon oder die Bilder des mexikanischen Kaffs, wo Totenköpfe auf dem Boden liegen und wo der Showdown stattfinden wird.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Montag, 28. Februar 2022

Tepepa


Regie: Giulio Petroni

Die Kinder der Revolution...

In sehr vielen Spaghetti Western geht es auch um die mexanische Revolution. Die besten dieser europäischen Revolutionswestern sind sicherlich Sergio Leones "Todesmelodie", "Töte Amigo" von Damiano Damiani, "Mercenario" von Sergio Corbucci sowie der etwas weniger bekannte "Tepepa" aus dem Jahr 1968, der von dem italienischen Drehbuchautor und Filmregisseur Giulio Petroni (1917 bis 2010) inszeniert wurde. Den Film kennt man vielleicht auch unter dem Alternativtitel "Durch die Hölle, Companeros"und wurde ab dem 22. Oktober 1970 in einer sehr gekürzten Version in den deutschen Kinos gezeigt.
Der Freiheitskämpfer Tepepa (Tomas Milian) ist eine Art Volksheld und ein berühmter Revolutionär. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die alte korrupte Regierung abgelöst wurde und sein Genosse Madero (Francisco Sanz) an die Macht kam. Dieser verspricht den einfachen und armen Menschen eine extreme Verbesserung "Reiche werden etwas weniger haben und die Armen dafür umso mehr". Eine neue Landreform soll es daher geben. Doch leider waren dies nur leere Versprechungen. Lediglich die Regierungsmitglieder wurden ausgetauscht, doch die neue Mannschaft ist genauso korrupt wie die alte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Oberst Cascorro (Orson Welles) jeden Aufruhr im Keim erstickt und der Protest von Tepepa endet mit dessen Festnahme. Da er sich mit Waffengewalt gewehrt hat, ist die Todesstrafe durch ein Erschießungskommando beschlossen worden. Doch die Hinrichtung wird von dem britischen Mediziner Dr. Henry Price (John Steiner) verhindert. Der verhilft mit seinem Automobil dem Todeskandidaten zur Flucht. Nicht aus Liebe zur Revolution - der Arzt hat mit Tepepa selbst eine Rechnung offen. Er glaubt, dass der Held der armen Leute seine Verlobte (Annamaria Lanciaprima) vergewaltigt hat. Er kann dem verzweifelten Arzt die Waffe abnehmen und diesen vorerst überzeugen, dass er nicht der Vergewaltiger dieser Frau war. Dr. Price wird aber von Coscorro verhaftet. Dort lernt er den körperlich behinderten El Piojo (Jose Torres) und dessen kleinen Sohn Paquito (Luciano Casamonica) kennen. Tepepa stürmt den Knast und befreit die Gefangenen. Er ist schockiert als er seinen Mitkämpfer El Piojo entdeckt, dem die Hände abgetrennt wurden. Er war einer der weniger Revolutionäre, die schreiben konnten. Seine Funktion nimmt nun Dr. Price an, der langsam an der Revolution Gefallen findet und sich auch mit dem kleinen Paquito anfreundet...

Dieser fragt den Engländer einmal im Gefängnis, ob er Mexiko liebt - was Price daraufhin verneint. Neben den drei Hauptfiguren Tepepa, Dr. Price und Oberst Cascorro kommt dem verstümmelten Vater und seinem Sohn eine starke Schlüsselrolle im Geschehen zu. Giulio Petroni setzt ausserdem auf den markanten Soundtrack von Ennio Morricone, der einmal mehr beweist, was für ein hervorragender Komponist er war. Seine musikalische Untermalung verstärkt stets die Atmosphäre mit einer starken Note Melancholie. "Die Revolution frisst ihre Kinder" - was sich in der Geschichte auch bewahrheiten soll. Die Figur von Tepepa lebt von einem starken Widerspruch - einerseits steht er für den Mann, der für die Ungerechtigkeit, für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft. Andererseits wird aber am Ende klar, dass er Leichen im Keller hat. Tomas Milian ist die perfekte Besetzung dieses ambivalenten Revolutionärs.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.