Posts mit dem Label 1964 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 1964 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Juni 2025

Der Ritt nach Alamo (La strada per Fort Alamo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mario Bava

Arizona Bill...

Der italienische Regisseur Mario Bava (1914 bis 1980) ist vor allem für seine kultigen Horrorfilme berühmt. Viel weniger bekannt sind seine Western: 1964 entstand "Der Ritt nach Alamo", es folgte "Nebraska Jim" zwei Jahre später und 1970 "Drei Halunken und ein Hallleluja". Alle drei Genrearbeiten gehören nicht zu besten Filmen von Mario Bava, sie wurden alle drei stark kritisiert. "Der Ritt nach Alamo" heißt im Original "La strada per Fort Alamo" und wurde von Frankreich und Italien produziert. Als Regisseur erscheint der Name John M. Old, das war Bavas Pseudonym. Koproduziert wurde der Film von Robert de Nesle von Comptoir Français du Film. Zur Besetzung gehören neben dem Protagonisten, gespielt vom Amerikaner Ken Clark, die französischen Schauspieler Jany Clair und Michel Lemoine, die in der französischen Fassung mit ihren eigenen Stimmen synchronisiert werden. Der Film handelt von drei Banditen: Bud Massedy, seinem Freund Slim und einem dritten Komplizen, die sich zusammentun, um eine Bank auszurauben. Doch der Bandit überlistet die beiden Freunde und flieht mit dem Geld. Auf dem Weg nach Alamo machen sich Bud und Slim auf die Suche nach ihm. International hießt der Film "Arizona Bill" kam am 24. Oktober 1964 in Italien in die Kinos und wurde von Bellotti Film vertrieben. Der Film verzeichnete 588.235 Besucher, was in den Jahren 1964 und 1965 in Italien zu einem Gesamteinspielergebnis von etwa 130 Millionen italienischen Lire führte. Er kam zwei Monate nach Leones Meisterwerk "Für eine Handvoll Dollar" in die Kinos, der fast 15 Millionen Besucher verzeichnete. Obwohl die Besucherzahlen von "Arizona Bill“ mager erscheinen, liegen sie für Bava im guten Durchschnitt und erreichen oder übertreffen die von Bavas beiden vorherigen Filmen: "Der Körper und die Peitsche“ (358.209 Besucher in Italien 1963–1964) und „Sechs Frauen für den Mörder“ (681.592 Besucher in Italien 1963–1964).In den Jahren nach dem Ende des Bürgerkriegs trifft um 6 Uhr morgens ein Fremder (Ken Clark) in einem Dorf ein, um mit dem Sheriff zu sprechen und ihn zu warnen, dass die Osage-Indianer sich im Kriegszustand befinden. Er findet ihn schlafend vor und wartet im Saloon auf ihn, wo die ganze Nacht Poker gespielt wurde. Der Fremde erkennt schnell, dass der ältere Spieler, Mr. Silver (Gerard Herter), ein Betrüger ist, und weist den jüngeren, Slim (Kirk Bret alias Alberto Cevenini), darauf hin. Es kommt zu einer Schießerei, bei der Slim und der Fremde Silver verletzen. Doch der Sheriff trifft ein (in Absprache mit letzterem) und will sie verhaften. Den beiden gelingt jedoch die Flucht. Der Fremde erzählt Slim seine Geschichte und sagt, dass er wegen des Krieges weder eine Ranch noch Vieh mehr habe. Slim beschließt, ihn zu einigen Freunden zu bringen, die Experten im Viehdiebstahl sind. Sie tun sich zusammen und verkleiden sich als Nordstaatler, um 150.000 Dollar von der Bank zu kassieren, indem sie den Auszahlungsauftrag der Armee fälschen. Der misstrauische Sheriff beschließt, die Bank zu betreten, wird jedoch von einem der Schläger erschossen. Arizona Jim und seine Freunde müssen daraufhin mit der Beute fliehen. Er will die Beute teilen und fliehen, doch Carson, der Anführer (Michel Lemoine) ist anderer Meinung und lässt ihn und Slim erschießen, während sie mit dem Geld fliehen. Die Indianer kommen, fesseln die beiden armen verletzten Männer, immer noch als Unionisten verkleidet, am Boden und lassen sie in der Sonne liegen. Kurz darauf werden Jim und Slim von den Yankees entdeckt und aufgrund ihrer Verkleidung für Waffenbrüder gehalten. Jim ist als Leutnant und Slim als Sergeant verkleidet: So werden sie zu Leutnant John Smith und Sergeant Jim Kincaid. Die Unionisten transportieren Vorräte, Frauen und Kinder nach Alamo und nehmen sie mit. Unter den Frauen befindet sich eine Gefangene, Janet (Jany Clair) , die des versuchten Mordes an einem Soldaten angeklagt ist, der sie vergewaltigen wollte. Bald freundet sich der Leutnant mit Sergeant Warwick (Gustavo de Nardo) an, der ihn misstrauisch fragt, welche Akademie er besucht habe, und eine Antwort vorschlägt: die in Annapolis, die der Leutnant bestätigt. Bei Einbruch der Nacht weckt Bud Slim und fordert ihn auf, sich zur Flucht bereit zu machen. Doch als er gehen will, sieht er einen Indianer, der versucht, Warwick, der Wache stand, von hinten zu töten: Ohne zu zögern, um seinen Freund zu retten, schießt er auf ihn. Am nächsten Tag erzählt Warwick dem Leutnant, dass es in Annapolis nur eine Marineakademie gebe und er daher lüge. Doch er sagt nichts, da er erkennt, dass er dank seiner Kenntnisse der Indianer und der Umgebung von unschätzbarem Wert ist, um Fort Alamo zu erreichen: Janet hört alles und erkennt, dass sie nicht die einzige Gesetzlose ist. Sie finden auch ein weiteres Mitglied der alten Bande, Anführer Carson, als Yankee verkleidet, mit der Beute, doch Bud und Slim geben vor, ihn nicht zu erkennen und nehmen ihn mit. Die Situation eskaliert, als Captain Hull (Antonio Gradoli) trotz des Rats des Leutnants, den Indianerfriedhof nicht zu betreten, tut, was er will, und verärgert die Osage. Als sie sich auf ihr Nachtlager vorbereiten, entdecken sie zwei an Kreuze gefesselte und von brennenden Pfeilen geblendete Soldaten. Bei Einbruch der Dunkelheit versucht Carson, Janet zu vergewaltigen. Der Leutnant bemerkt ihn und lässt ihn in Ketten legen. Er behauptet, er habe versucht, Geld zu stehlen. Am nächsten Morgen legen die Indianer den letzten Hinterhalt. Warwick versucht daraufhin, den Captain zu überzeugen, den Leutnant allein nach Fort Alamo gehen zu lassen, um Verstärkung anzufordern, doch der bornierte Hull weigert sich. Die Lage ist aussichtslos, weil mehrere 100 Indianer zu allem bereit sind...


"Der Weg nach Fort Alamo“ wurde produziert, bevor mit "Für eine Handvoll Dollar“ die viel härteren und kompromisslosen Konventionen des Italowesterns etabliert wurden. Europäische Western waren populär geworden, als die deutsche Rialto Film die Rechte an Karl Mays Westernromanen erwarb und mit Regisseur Harald Reinl mehrere Filme seiner Winnetou-Reihe drehte. Einige der Filme dieser Reihe waren internationale Koproduktionen mit italienischer Finanzierung. Als die Filme in Italien erfolgreicher wurden, begannen italienische Investoren mit der Produktion eigener Western. 1964 entstanden vier davon: Mario Costas "Buffalo Bill – Held des Wilden Westens“, Sergio Corbuccis "Minnesota Clay“, Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar“ und "Der Weg nach Fort Alamo“. Mario Bava-Biograf Tim Lucas beschrieb "Der Weg nach Fort Alamo“ als den Winnetou-Filmen ähnlich, im Gegensatz zu dem Stil, den Leone mit „Für eine Handvoll Dollar“ entwickelt hatte. Natürlich ist die Handlung sehr konventionell, aber der Film ist optisch sehr gelungen. Die Kameraarbeit von Ubaldo Terzano ist deutlich vom Regisseur beeinflusst und es gibt wunderschöne Kameraeinstellungen, die dem Film eine nicht unbeträchtliche Schönheit gibt. Tony Wendall ist der Interpret des Filmsongs "The Road to Alamo". 


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Montag, 9. Juni 2025

Der letzte Ritt nach Santa Cruz


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Rolf Olsen

Die Reise in den Tod...

Rolf Olsens Eurowestern "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" enstand zeitgleich zu den erfolgreichsten deutschen Karl May Western. Die Besetzungsliste ist äusserst atttraktiv. Neben dem britischen Hauptdarsteller Edmund Purdom (Julius Caesar, Des Königs Dieb, Sinuhe, der Ägypten) wurde Mario Adorf als Gegenspieler verpflichtet. Im Grunde eine ähnliche Rolle wie in "Winnetou 1". Auch Klaus Kinski spielt wie in "Winnetou 2" einen fiesen Banditen, der zu Adorfs Bande gehört. Desweiteren sind Sieghard Rupp, Marisa Mell, Marianne Koch, Thomas Fritsch und Walter Giller zu sehen. Gedreht wurde im Spätherbst 1963 auf der damals noch wenig vom Tourismus geprägten insel Gran Canaria. Trotz hochkarätiger Besetzung wurde der Film seinerzeit ein Misserfolg und erhielt schlechte Kritiken. filmhistorisch ist es ein Vorbote des Italo Western, denn es wird brutal agiert und die Banditen sind durchweg schlecht. "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" erweist sich am Ende als ultimativer Todesritt. Am Anfang befreit sich der legendäre Bandit Pedro Ortiz (Mario Adorf) aus dem Gefängnis. Gemeinsam mit seinen fiesen Handlangern Jose (Klaus Kinski) und Fernando (Sieghard Rupp) hat er vor zur Silbermine Santa Cruz zu reiten - dort hat er die Beute seiner letzten Raubzüge versteckt. Er befreit auch den jungen Carlos (Thomas Fritsch) aus dem Knast. Doch diese Aktion fordert 7 Todesopfer unter dem Wachpersonal. Eine Stippvisite bei seiner Freundin Juanita (Marisa Mell) in deren Kneipe. Die Frau gibt für den zukünftigen Reichtum sehr schnell ihre Kneipe. Der Zufall will es, dass Ortiz auch den Klavierspieler Woody (Walter Giller) mitnehmen muss, denn der könnte zuviel von Schatz in Santa Cruz gehört haben. Vorher aber will er seinem Feind, dem ehemaligen Sheriff und jetzigen Bankdirektor Rex Kelly (Edmund Purdom) abrechnen. Der weiß noch nichts vom Ausbruch des Banditen. Kurz vor der Stadt treffen Die Banditen auf den kleinen Steve Kelly (Florian Kühne), der mit seinem neuen Pferd ihre Wege kreuzt. Damit haben sie schon einmal eine Geisel und mit der Ehefrau von Rex (Marianne Koch) kommt noch eine dazu...



Die Konflikte im Film sind recht einfach, aber effektiv angelegt - und die Handlung treibt kontinuierlich auf den Höhe punkt zu. Die Musik von Charly Niessen hat Ähnlichkeit mit der "Winnetou" Filmmusik. Für Regisseur Rolf Olsen ist der Eurowestern eher eine Ausnahme, denn sein Lieblingsgenre war der heitere Unterhaltungsfilm, wie seine Arbeiten "Bonjour Cathrin", "Kaiserball", "Vier Mädchen aus der Wachau", "Unsere tollen Tanten" oder "Die Abenteuer des Grafen Bobby" belegen. Sein sicherlich interessantester Film ist der 1972 mit Raimund Harmsdorf gedrehte Kriminalfilm "Blutiger Freitag".  Im Kino lief "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" leider enttäuschend.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 13. Juli 2022

Winnetou 2


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Harald Reinl

Winnetous große Liebe....

Noch bevor einige Jahre später der Spaghetti Western Welterfolge feierte, gab es die deutschen Karl May Verfilmungen des Produzenten Horst Wendland von der Rialto Film, der die Figur des Apachenhäuptlings Winnetou in die Kinos brachte. Der erste Film dieser Reihe war "Schatz im Silbersee" und lockte mehr als 10 Millionen Zuschauer in die Kinos. Auch der Nachfolger "Winnetou 1" war nicht minder erfolgreich. Beide Filme gehören immer noch zu den drei erfolgreichsten deutschen Filmproduktionen der letzten 60 Jahre.
Die Winnetou Filme machten Hauptdarsteller Pierre Brice berühmt und Hollywoodstar und Ex Tarzan Darsteller Lex Barker gelang damit ein furiosen Filmcomeback in Europa.
Maßgeblich am Erfolg beteiligt war natürlich auch die harmonische Filmmusik von Martin Böttcher, der für insgesamt 10 Karl May Filme die Musik komponierte.
In "Winnetou 2" aus dem Jahr 1964 sucht der Häuptling der Apachen den Sinn in seinem Leben und er erkennt, dass er den Frieden zwischen Rot und Weiß stiften muss. Anders als in den meisten Hollywood Western davor und danach sind beim s.g "Teutonen- oder Sauerkrautwestern" die Sympathien durchweg bei den Rothäuten und es sind die Weißen, die die Friedensverträge brechen.
So auch hier in "Winnetou 2", der auf 6,5 Millionen Kinozuschauer kam. Nach dem Tod von Winnetous Vater Intschu Tschuna und seiner Schwester Nscho-Tschi versucht Winnetou möglichst viele andere Indianerstämme zu moblilisieren, um sich für den Frieden mit dem weißen Mann stark zu machen. Doch das ist nicht einfach, denn beide Seiten sind gegeneinander feindlich gestimmt.
Zufälligerweise rettet er dem Indianermädchen Ribanna (Karin Dor) das Leben, die von einem riesigen Bären angegriffen wird. Es folgt die Einladung zu ihrem Stamm - den Assiniboins. Ribannas Vater ist der Häuptling Tah Sha Tunga (Rikard Brzeska), ebenfalls ein besonnener Stammesführer und Mann des Friedens. Winnetou verliebt sich in Häuptlingstochter und rettet durch seine Fürsprache das Leben von drei jungen Soldaten, die am Marterpfahl hätten sterben sollen. Unter ihnen ist Leutnann Robert Merril (Mario Girotti), Sohn des unerbittlichen Oberst Merril (Renato Baldini), der das Fort befehligt. Der Frieden könnte nun kommen, doch es gibt natürlich böse Banditen wie Bud Forrester (Anthony Steel) und seine Schergen (u.a Klaus Kinski), die ein Ponca Dorf überfallen und Frauen und Kinder ermorden, nur weil sie an das Ölvorkommen auf dem Indianerland herankommen wollen. Ein Konfrontation ist unvermeidlich...


Natürlich kommt Old Shatterhand - Winnetous Blutsbruder - immer im entscheidenden Moment vorbei, wenn die Not am größten ist. Für Humor sorgt Eddi Arent als Lord Castlepool. Gedreht wurde an wunderbaren Plittwitzer Seen im heuigen Kroatien sowie in der Höhle von Postojna in Slowenien. Der Film wartet wie immer mit wunderschönen Landschaftsbildern und naiv- sympathischer Story auf.


Bewertung:7,5 von 10 Punkten. 

Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Leone

Joe, der einsame Fremde...

Die ersten Filmwerke von Sergio Leone waren in der Antike angesiedelt. Doch den "Koloß von Rhodos" hat er nach eigenen Angaben nur deshalb realsiert, weil er Geld für die Hochzeitsreise brauchte. Da der Sandalenfilm in den frühen 60er Jahren langsam an Publikumszuspruch verlor, wollte Leone ein anderes Genre aufgreifen. Er war  - unter anderem auch durch den Riesenerfolg der deutschen Karl May Western wie "Schatz im Silbersee" oder "Winnetou" - davon überzeugt, dass europäische Westernfilme eine erfolgreiche Zukunft haben könnten. Mit dem 1964 entstandenen "Für eine Handvoll Dollar" begründete der Regisseur die lange Zeit der erfolgreichen Kinoreihe der Italo- oder Spaghettiwestern. Die Story orientierte sich an den großen Samuraiepos "Yojimbo" von Akira Kurosawa. In diesen 1961 entstandenen Klassiker verschlägt es einen Samurai in eine Stadt, die von zwei rivalisierenden Banden terrorisiert wird, Toshiro Mifune spielte diesen unheimlichen Fremden. Leone verlegte die Handlung vom historischen Japan in den Wilden Westen oder noch genauer in ein abgelegenes Dorf namens San Miguel in New Mexico. In diesem Kaff werden die Einwohner von zwei rivalisierenden Gangsterfamilien terrorisiert. Auf der einen Seite sind es die amerikanischen Baxters (Wolfgang Luschky, Margarita Lozano) und auf der anderen Seite stehen die mexanischen Rojos Brüder Don Migue Rojo (Antonio Brieto), Ramon (Gian Maria Volonte) und Esteban (Sieghard Rupp). Die Brüder haben darüberhinaus die schöne Marisol (Marianne Koch) in ihrer Gewalt. Eines Tages reitet ein cooler und mysteriöser Fremder (Clint Eastwood), der sich Joe nennt und sich sehr schnell einen Namen durch seine vortrefflichen Fähigkeiten als Revolverheld macht. Ausserdem ist er intelligent und verfolgt den gefährlichen Plan, die beiden verfeindeten Familien gegeneinander auszuspielen. Eine gute Hilfe ist ihm der Kneipenwirt Silvanito (Jose Calvo). Bald muss der alte Sargtischler Pripero (Josef Egger) Überstunden machen, damit er die vielen Leichen bestatten kann...
 
Clint Eastwood, für 15.000 Dollar verpflichtet, begründete mit diesen ersten Teil der Dollar-Trilogie seinen Weltruhm
Leones Werk spielt perfekt mit dem Westernmythos und kombiniert die zum Klischee gewordenen Bestandteile des Genres mit einem sehr zynischen Blick auf die Figuren, auf ihre Taten und Motive. Dieser neue Typus von Westernheld ist weder der Moral verpflichtet,  er ist nicht der klassische "Gute" und besitzt keine persönliche oder historische Identität mehr. Der Zuschauer nimmt ihn als anonymen einsamen Mann wahr, dessen Vergangenheit und Zukunft ubekannt sind, der sein Profil  erst in der Gegenwart gewinnt. Einmal sagt er "ich kann Ungerechtigkeit nicht ausstehen" - ansonsten zieht er sein Ding durch und dies tut er schweigsam, ohne viel Worte zu machen.
Zur damaligen Zeit wurde der Film nicht besonders gut von der Kritik aufgeommen, inzwischen ist er natürlich ein unvergesslicher Klassiker des Italo Western bzw. des Westerngenres überhaupt.

 
 Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Unter Geiern


Regie: Alfred Vohrer

Winnetou gegen die Geier Bande...

Erstmalig wurde mit "Unter Geiern" Regisseur Alfred Vohrer mit der Regie in einem Karl May Film betraut. Auch dieser "Teutonenwestern" wurde ein großer Erfolg an der Kinokasse. Innert von 12 Monaten sahen über 3 Millionen Zuschauer den Film im Kino, dafür wurde an die Macher die "Goldene Leinwand" verliehen. "Unter Geiern" entstand 1964 - wobei zu dieser Zeit bereits der Höhepunkt der "Winnetou Welle" schon erreicht war. Lediglich "Winnetou 3" wurde noch einmal ein Megaerfolg und führte die Kinojahrescharts 1966 an. Lex Barker, der in den ersten Winnetou Filmen als Old Shatterhand zu sehen war, wurde ersetzt durch den Hollywoodstar Stewart Granger, der die Rolle des Old Surehand übernahm. Granger war in den 50er Jahren schon in einigen sehr erfolgreichen Western wie "Schlucht des Verderbens", "Gefährten des Grauens", "Land der 1000 Abenteuer" oder "Die Letzte Jagd".
Die Machart unserer beliebten "Krautwestern" wird ihn sicherlich etwas irritiert haben, denn diese weicht durch eine extreme Indianerromantik doch weit von den US-Western dieser Zeit ab.
Es sollte nicht bei diesem einen Film bleiben - auch für "Der Ölprinz" und "Old Surehand" wurde der Schauspieler verpflichtet.
Es war dem Riesenerfolg des Rialto Films "Der Schatz im Silbersee" zu verdanken, dass Produzent Horst Wendtland dazu veranlasste in Serie mit solchen Filmen zu gehen. Auch Artur Brauners CCC-Film stieg auf das Pferd auf und brachte Filme wie "Old Shatterhand" oder "Winnetou und Shatterhand im Tal des Todes" in die Lichtspielhäuser. Letzgenannter war dann auch der Abschluß dieser erfolgreichsten Kinoserie der 60er Jahre. Gedreht wurde in Kroatien - die dortige Gebirgslandschaft und die wunderbaren Seenlandschaften des Nationalpark Plitvicer Seen waren charakteristisch für die Karl May Filme.
Die Handlung ist sehr einfach gehalten und man kann ihr sogar folgen, wenn man kein Wort Deutsch spricht. Es ist die Zeit der Siedlertrecks in Richtung Westen. Siedler, Händler und Abenteurer verschlägt es nach Arizona, in dem noch wilde Indianerstämme wie die Schoschonen leben. Es gibt aber auch friedliche Stämme - die Apachen sind es dank dem edlen Häuptling Winnetou (Pierre Brice). Der pflegt mit vielen weißen Männern eine innige Freundschaft, so auch mit Old Surehand (Stewart Granger) und dem Siedler Baumann (Walter Barnes) und seinem Sohn Martin (Götz George). Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Trio eines Tages auf Bärenjagd geht. Doch währenddessen meuchelt die Geierbande, allen voran Anführer Preston (Sieghard Rupp) und der als Prediger verkleidete Fiesling Weller (Miha Baloh) den Rest der Familie und zwar so geschickt, dass der Verdacht eindeutig auf die bisher friedlichen Schoschonen fällt. Als Baumann seine tote Frau Martha tot in den brennenden Ruinen seiner Ranch entdeckt, wird er zum Indianerhasser und ist sich sicher, dass der Schoschonenhäuptling Wokadeh (Gojko Mitic) der Mörder ist. Er bricht sogar mit seinem Freund Winnetou. Der hat es sich aber zur Aufgabe gemacht die wahren Mörder zu finden....

Elke Sommer ist als Annie zu sehen, die sich in Martin verliebt und Old Wabble (Milan Srdoc) agiert als Ersatz für Sam Hawkins alias Ralf Wolter, der in den ersten Winnetou Filmen eine markante Nebenrolle erhielt und diese mit viel Humor ausfüllte. Auch die jugoslawische Sängerin Dunja Rajter ist als Bardame der Geierbande zu sehen. Ausserdem werden die aufmerksamen Zuschauer den jungen Mario Girotti erkennen, der ein Jahrzehnt später als Terence Hill ein populärer Kinostar war und mit Bud Spencer einige Kultfilme drehte.
Insgesamt bietet "Unter Geiern" nette und sympathische Westernunterhaltung mit den üblichen Zutaten eines "Krautwestern": Viele Indianer, viel "Mein Bruder" Begrüßungsgedöns von Winnetou und üble Schurken, dazu einige Brände und natürlich diverse Explosionen. Am Ende kriegen sich Annie und Martin und Winnetou freut scih darauf irgendwann wieder seinen Blutsbruder zu sehen. Die Filmmusik von Martin Böttcher, eine leichte Abwandlung der Winnetou Melodie,  ist wie gewohnt wunderschön.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

 

Dienstag, 19. April 2022

Old Shatterhand (Old Shatterhand)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Hugo Fregonese

Für immer Blutsbrüder...

"Old Shatterhand" wurde als Prouktion von Artur Brauner im Jahr 1964 als 3. Winnetou Film der Nachkriegszeit inszeniert und war sozusagen Nachfolger der beiden vorangegangen Publikumsgroßerfolge "Der Schatz im Silbersee" (Harald Reinl, 1962) und "Winnetou 1" (Harald Reinl, 1963), die beide ihrem Produzenten Horst Wendlandt einen großen Triumph an der Kasse bescherte. Auch "Old Shatterhand" setzte diesen Erfolg fort, für über 3 Millionen Kinobesucher innert von 12 Monaten bekam der Film die "Goldene Leinwand". Als Kind war dieser Film immer einer meiner Lieblings-Karl May Filme und auch heute noch finde ich ihn sehr nett anzuschauen. Man muss aber gerechterweise anerkennen, dass Reinls Vorgänger schon etwas besser in Szene gesetzt wurden. Immer noch gut anzusehen ist der Angriff der Komantschen in der Schlucht, wenn sie von oben riesige Steinbrocken auf die Planwagen werfen. Auch die tragische Sequenz mit dem kleinen Jungen, dem einzigen Zeugen des Mordes an seinen Eltern, bleibt in Erinnerung. Gleich am Anfang passiert dieser Mord an den holländischen Farmern Kampendijk, der kleine Tom (Tom Putzgruber) ist der einzige Überlebende. Er konnte sich noch rechtzeitig erfolgreich im Haus verstecken, musste aber mitansehen, wie seine Eltern von Banditen und betrunkenen Komatschen getötet wurde. Diese Bande will den Apachen die Morde in die Schuhe schieben und kann es auch so aussehen lassen, denn sie haben kurz vorher zwei Apachen ermordet und diese Leichen dann gleich bei der Farm zurück gelassen. Sie wollen unter allen Umständen den Friedensvertrag zwischen Häuptling Winnetou (Pierre Brice) mit General Taylor (Charles Fawcett) verhindern, der bald zustande kommen soll. Die Bande macht auch weiterhin Jagd auf die Apachen, nur in letzter Sekunde kann Old Shatterhand (Lex Barker) verhindern, dass Winnetous Adoptivsohn Tujunga (Alain Tissier) am Galgenstrick endet. Im Anschluß sucht er in einer Missionsstation an den Schäumenden Wassern die Halbindianerin Paloma Nakama (Daliah Lavi), die den kleinen Tom bei sich aufgenommen hat. Zur Sicherheit sollen die beiden nach Golden Hill gehen, wo Old Shatterhand sie bei seiner alten Freundin Rosemarie (Kitti Mattern) unterbringen will. Natürlich komplettiert irgendwann im Laufe der Handlung der gute alte Sam Hawkins (Ralf Wolter) die Guten. Doch die Banditen Dixon (Rik Battaglia) und Burker (Mirko Ellis) sind nicht untätig. Sie verbünden sich noch enger mit den Komantschen und sie haben mit Captain Bradley (Guy Madison) einen noch mächtigeren Komplizen, der bald das Sagen in Fort Grant hat. Als Tujunga gefangen genommen wird und erschossen werden soll, muss Winnetou das Kriegsbeil ausgraben...


Wie alle Karl May Western ist auch "Old Shatterhand" sehr gut fotografiert und als Regisseur wurde der argentinische Filmemacher Hugo Fregonese engagiert, der bereits erfolgreich auch in den USA Western drehte. Sein bekanntester Genrebeitrag ist wahrscheinlich "Apache Drums" (Deutscher Titel: Trommeln des Todes). In Deutschland drehte er erstmalig einige Monate vor "Old Shatterhand" den Krimi "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse".

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 25. März 2022

Minesota Clay


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Beinahe blind...

Vor seinem Durchbruch mit dem Kultfilm "Django" drehte Regisseur Sergio Corbucci bereits zwei andere Italowestern. "Minesota Clay" entstand 1964, "Ringo mit den goldenen Pistolen" einige Monate später. Durch Genremeisterwerke wie "Mercenario" oder "Leichen pflastern seinen Weg" ist 1990 in Rom verstorbene Filmemacher gleich nach Sergio Leone der einflussreichste Regisseur im Genre des Eurowestern.
"Minesota Clay" ist sozusagen auch durch den riesigen Erfolg von Leones "Für eine Handvoll Dollar" entstanden. Corbuccis Film war aber lange nicht so erfolgreich wie sein Vorbild. In der Hauptrolle ist der US-Star Cameron Mitchell zu sehen, der öfters in Italien drehte und vor allem auch in der Rolle des "Onkel Buck" in der Westernserie "High Chaparall" bei den deutschen Fernsehzuschauern bekannt wurde.
Die Geschichte spielt im Jahr 1883. Minesota Clay (Cameron Mitchell) wurde vor einigen Jahren wegen eines Mordes verurteilt, den er nicht beging. Es gibt zwar ein Zeuge, der die Unschuld von Minesota Clay bezeugen könnte, doch der hat damals vor Gericht nicht ausgesagt. Der einstige Revolverheld sitzt im Dunner Labor Camp, einem Arbeitslager. Clay hat inzwischen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sein Augenlicht schwindet - und damit auch seine Fertigkeit mit der Pistole. Er ist aber immer noch entschlossen seine Unschuld zu beweisen und eines Tages gelingt ihm auch die Flucht. Sein Ziel ist die ehemalige Heimatstadt Mesa Encantada. Dort ist sein ehemaliger Bekannter Fox (Georges Riviere) zum Sheriff gewählt worden, weil der als Einziger die Stadt vor dem Banditen Ortiz (Fernando Sancho) und seinen Schärgen schützen kann. Doch der Beschützer der Stadt ist ebenso ein Terrorist, denn er erpresst die Bürger und verlangt riesige Summen an Schutzgeld und droht ihnen mit Gewalt, falls sie seinen Forderungen nicht nachkommen. Da kommt natürlich der alternde Westernheld gerade recht um hoffentlich für Ordnung zu sorgen...

In weiteren wichtigen Rollen sind Ethel Rojo als Estella Diana Martin als Nancy Mulligan, Alberto Cevenini als Andy und Anthonio Cazas als Onkel Jonathan zu sehen. Die Geschichte vom alternden Revolverhelden, der durch ein gesundheitliches Manko seine Fähigkeiten mit dem Colt verlieren könnte, ist nicht neu. Sie wird immer wieder gerne im Westerngenre zum Thema gemacht. Es existieren von "Minesota Clay" zwei verschiedene Enden - eins mit HappyEnd, das Andere nicht. Corbuccis Westerndebüt ist trotz üblicher Zutaten ein solider, gut inszenierter Western.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.