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Sonntag, 8. Januar 2023

Töte Django (Se sei vivo spara)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Giulio Questi

Der Ort, in dem der Teufel wohnt...

Giulio Questi inszenierte 1966 den aussergewöhnlichen und auch brutalen Spaghetti Western "Töte, Django". Der Originaltitel ist "Se sei vivo spara" und aufgrund der exzessiven Gewalt, die andauernd im Film präsent ist, war der Western ein Fall für die Zensurbehörden. Von 1982 bis 2007 wurde der Film auf den Index verbannt. In Deutschland bekam der Film für das Kino den Titel "Django - Leck Staub von meinem Colt", obwohl im Original von einem Django nicht die Rede ist, der Held des Films heißt eigentlich Hermano. Sehr bald war von einem der brutalsten und perversesten Western die Rede.  Regisseur Giulo Questi hielt sich kaum an die traditionelle Formel des Genres, sondern verarbeitete sehr viel eher seine Erlebnisse als anti-faschistischer Partisanenkämpfer im Zweiten Weltkrieg in diesem Film, der natürlich zu seinem Hauptwerk wurde.
Der Film beginnt mit einer Art Wiederaufstehungsszene. Ein schwer verletzter Mann taucht plötzlich aus einem Massengrab auf. Es ist der Halbmexikaner Django (Tomas Milian), der als Einziger das Exekutionskommando des Banditen Oaks (Piero Lulli) überlebt hat. Dieser Oaks und seine Männer hatten gemeinsam mit einer Bande von Mexikanern einen gewinnträchtigen Überfall auf einen Goldtransport erfolgreich zu Ende gebracht, aber Oaks hat niemals daran gedacht mit "Mexikanern" zu teilen. Er lässt die Mithelfer erschießen und wie durch ein Wunder hat ein Mann überlebt. Er wird von zwei Indianern (Miguel Serrano/Angel Silva) gefunden, die ihm gesund pflegen. Natürlich schwört Django Rache und verfolgt Oak. Der macht Halt in einer kleinen Stadt und will dort Pferde für den Weiterritt kaufen. Doch in dieser Kleinstadt herrscht irgendwie das Böse. Aus den Fenstern hört man lauter Brutaliäten. Die Banditen haben natürlich viel Gold durch den Raub dabei und besuchen den örtlichen Saloon. Sehr schnell wird klar, dass im Ort der Kneipenbesitzer Templer (Milo Quesada) und der fromme Kaufmann Hagerman (Francisco Sanz) das Sagen haben. Und diese beiden Männer finden heraus, dass die Fremden Gold dabei haben und dreckige Banditen sind. Damit ist das Todesurteil für die Bösen schon gefällt. Ohne ein gerichtliches Verfahren macht der ganze Ort mit die Männer grausam zu foltern und zu lynchen. Django kommt dazu und kann dem aufgebrachten Mob helfen den letzten verbliebenen Banditen - Oak - zur Strecke zu bringen. Die Sache mit dem Gold spricht sich natürlich herum und so will auch der Großgrundbesitzer Zorro (Roberto Camardiel) die Beute. Dieser verfügt über eine Horde schwarzgekleideter homosexueller Reiter, die seinem Ansinnen Nachdruck verleihen sollen. So wird Evan (Ray Lovelock), der junge Sohn von Mr. Templer von Sorro entführt, damit der Vater das Gold herausgibt. Aber die angesehenen Bürger Templer und Hagerman haben überhaupt nicht vor das von ihnen inzwischen eingesteckte Gold mit Anderen zu teilen...

Es kommt zu weiteren dramatischen Szenen, in deren Verlauf auch die zweite Frau von Templer (gespielt von Marilu Tolo) und Hagermans angeblich verrückte Frau (wird von Patricia Valturri verkörpert) eine tragende Rolle spielen. Giulio Questi rechnet in diesem Film mit den sogenannten guten Bürgern ab, die hier ihre Maske fallen lassen und ihrer Habgier freien Lauf lassen. Wie diese Moralisten unter dem Deckmantel der Anständigkeit und des Glaubens ihre Lynchorgie durchziehen, ist beängstigend und die Szenen haben es schon in sich. Aber sie sind nicht Selbstzweck, sondern sie zeigen schonungslos die Grausamkeit des Menschen. Wer ernste und düstere Western mag, wird "Töte, Django" sicherlch schätzen - nach meiner Einschätzung einer der wichtigsten Spaghetti Western überhaupt, auch gerade wegen seiner Schonungslosigkeit. Hier stimmt über Fotografie, Musik, Schauspieler und Plot eigentlich alles.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Django


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Ein Mann mit Sarg...

Spaghetti Western waren viel temporeicher und actiongeladener als ihre amerikanischen Verwandten. Die Dialoge waren spärlich und einige Kritiker meinten, diese Western seien komponiert wie Opern, die die Musik als narratives Element nutzten. Für damalige Zeiten waren die Italo Western überaus brutal und einige davon hatten sorgar ernsthafte Probleme mit der Zensur. Oft wurden diese Filme für die Kinoauswertung gekürzt. Meistens spielen die Italo Western entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze und präsentierten einen neuen Westerner, der laut und teilweise auch sadistisch war. Der amerikanische Bürgerkrieg und seine Nachwirkungen sind ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Doch statt der bekannten Westernnamen wie Will Kane, Ethan Edwards, Tom Dunson oder oder Ransom Stoddard tragen die Helden der Spaghetti Western Namen wie Django, Ringo, Sartana oder Sabata. Die zwei Filme, die den Siegeszug dieses Genres einläuteten, waren Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar" und Sergio Corbuccis "Django" Dieser Django (Franco Nero) präsentiert dem Zuschauer eine Westernwelt voller Pessimissus, durch den Tod seiner Frau wurde er zum gebrochenen Außenseiter, der sich nur noch selbst begraben mächte. Doch er muss bei Corbucci eine Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschichte durchleiden um am Schluß seine Rache zelebriert zu haben, die ihn aber dennoch nicht zur Ruhe kommen lässt. Davor stand jedoch eine Illuision von Gerechtigkeit im Raum, die sich letztendlich als großes Scheitern herausstellte. Zweifelsohne war der Italo Western vom Katholizismus beeinflusst. Ort der Handlung ist eine dreckige Stadt, die von zwei rivalisierenden Banden kontrolliert wird: Eine Bande goldhungriger Mexikaner, angeführt von General Hugo Rodriquez (Jose Bodalo), auf der Gegenseite versucht ihm eine Ku Klux Klan Bande mit roten Kapuzen das Leben schwer zu machen. Angeführt werden diese rassistischen Banditen von Major Jackson (Eduardo Fajardo). Mit beiden hat der Fremde (Franco Nero), der einen Sarg mit sich schleppt, noch eine alte Rechnung offen. Doch vorerst rettet er die Halbmexikanerin Maria (Lorendana Nusciak), die aus der Stadt fliehen wollte. In dem naheliegenden Nest Nogales spielt sich das gesellschaftliche Leben fast ausschließlich im Saloon statt - wo der Wirt und einige Bardamen den Betrieb aufrechterhalten. Mit dem Auftauchen des Fremden kommt auch der Tod in die Stadt. Und vorest sieht es auch so aus als könnte der Fremde mit einer Überzahl von Gegnern spielend fertig werden..


Kein Wunder, denn Django hat im Sarg ein Maschinengewehr, mit dem er die Horde von Angreifern niedermetzeln kann. Den Anführer lässt er entkommen, weil es ja auch einen deftigen Showdown geben muss. Der Song "Django" wurde von Rocky Robets gesungen und der Film selbst ein Welterfolg. Mit seinem Galgenhumor und der zynischen Grundstimmung wurde Corbuccis Western ein echter Kultfilm.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 7. Januar 2023

Zwei glorreiche Halunken ( Il buono, il brutto, il cattivo) - The Good, The Bad and the Ugly


Regie: Sergio Leone

Der Gute, der Böse und der Hässliche...

Dem übergroßen Westernepos kam er immer näher. Von der actionhaltigen Ballade über den Einzelgänger, der eine Stadt von den Gangsterbanden befreit "Für eine Handvoll Dollar" bis hin zu einer melancholischen Meditation eines Europäers, wie er den Traum von Amerika sieht und an die Betrachter weitergibt..."Spiel mir das Lied vom Tod", die perfekte Kinomagie.
Dazwischen zwei Bindeglieder, die zu den besten Filmen des Genres gehören und wie geschaffen sind für die große Kinoleinwand, vor allem auch weil die Filme so groß sind. Der erdige, antiepische Kopfgeldjägerstrefien "Für ein paar Dollar mehr" und der ähnliche, aber im Gegensatz dazu extrem epische Verwandte "Zwei glorreiche Halunken" (im Original: The Good, The Bad and the Ugly), für viele Genrefans der beste Western überhaupt.
Episch vielleicht auch durch seine geschichtliche Zuordnung, denn "Zwei glorreiche Halunken" spielt während des New Mexico Feldzugs, einer militärische Operation während des Sezessionskrieges, die vom Februar bis April 1962 dauerte. Sibley, ein General der Konföderierten marschierte mit seinen Truppen in das New Mexico Territorium ein, das zu dieser Zeit die Gebiete zwischen Kalifornien im Westen, Texas im Osten, Nevada, Utah und Colorado im Norden sowie der jungen Republik Mexiko im Süden umfasste. Das Ziel der Nordstaaten wr die Kontrolle des Territoriums.
Für die drei Antihelden des Films, der Gute, von allen der Blonde genannt (Clint Eastwood), der Böse Sentenza (Lee van Cleef) und der Hässliche Tuco (Eli Wallach) sind die Kriegshandlungen zunächst mal eher nur zweitrangig. Denn sie verdienen ihr Geld mit Banditentum, Gaunereien und Kopfgeldjägerprämien.
Der Blonde, ein zigarrenrauchender Gringo, der nicht viel Worte macht ist Komplize von Tuco, für dessen Kopf eine Prämie von 2.000 Dollar zu holen sind. Der Blonde liefert so Tuco an die Gesetzeshüter aus, kassiert die Prämie - doch kurz bevor der Mann am Strick baumelt, hat ihn der Partner mit seinen guten Schießkünsten vom Galgen befreit - immer in letzter Sekude versteht sich.
Irgendwann gehen sich die beiden auf den Sack und ihre Wege trennen sich. Währenddessen jagt Sentenza, der Kopfgeldjäger und spätere Major der Konföderierten einen Goldschatz, der auf einem riesigen Friedhof begraben sein muss.
Durch Zufall weiß Tuco auf welchem Friedhof sie suchen müssen, der Blonde aber hat die noch viel bessere Information auf welchem der hunderten Gräber man graben muss.
So kreuzen sich die Wege der drei Männer und da Krieg herrscht, werden sie auch ein Teil dieser Auseinandersetzung. Der Showdown findet auf diesem Massenfriedhof statt, es kommt zum weltberühmten Duell zu Dritt...


"Zwei glorreiche Halunken" hat eine Laufzeit von 171 Minuten, der Score von Ennio Morricone gehört sicherlich in die Top Ten der besten Filmmusiken. Für die Kamera war Tonino Delli Colli (Spiel mir das Lied vom Tod, Es war einmal in Amerika, 120 Tage von Sodom, Pasolins tolldreiste Geschichten, Ginger und Fred, Bitter Moon) verantwortlich.
Einmal mehr drehte Leone einen perfekten Kinotraum. Die meisten seiner Filme sind Meisterwerke der Filmgeschichte. Im Laufe der Zeit fand er immer mehr die perfekte Dosierung einer faszinierenden Melancholie in seinen Werken. 


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Samstag, 23. Juli 2022

Yankee (Yankee)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tinto Brass

Duell bis zum Schluß...

Mit dem Namen des Regisseurs Tinto Brass verbindet der Filmfan den Skandalfilm "Caligula" aus dem Jahr 1979. Tinto Brass hatte den Film jedoch eher als provokante und deftige Satire über Machtstrukturen geplant - gegen seinen Willen ließen die Produzenten den Film neu schneiden. Dabei wurden zahlreiche satirische Szenen entfernt bzw stark verändert und pornographische Szenen hinzugefügt, die ohne Wissen des Regisseurs zusätzlich gedreht wurden. Der Erfolg an der Kasse war zwar enorm, aber wurde sofort nach Erscheinen als pornographisches Drama eingeordnet. Der Regisseur versuchte vergebens vor Gericht das Erscheinen dieser Fassung zu verhindern, doch er verlor den Prozess. Vor "Caligula" drehte Brass auch einen Italo Western. "Yankee", der besonders in Italien ein echter Kinoerfolg wurde. Der Film ist jedenfalls recht einfallsreich inszeniert und gefällt durch interessante Kameraeinstellungen. Chefkameramann war Alfio Contini. Es ist auch nicht unbedingt die Story, die "Yankee" glänzen lsst, aber die filmische Umsetzung ist raffiniert gemacht, die Bildgestaltung hat einen starken pittoresken Einschlag.Es ist die Geschichte eines Duells zweier Männer. Auf der einen Seite steht der mächtige Bandit Concho, gespielt von Adolfo Celi (James Bond - Feuerball, Michelangelo, Bruder Sonne Schwester Mond, The Child). Er gilt als untastbar und die ganze Macht in seiner Stadt in New Mexiko. Dann kommt aber ein Fremder (Philippe Leroy) vorbei, der von allen nur "Yankee" genannt wird. Mit seinem  Auftauchen erschwert sich das Treiben von Concho und seiner Bande, die gerne Postkutschen und Goldtransporte überfallen. Concho selbst liebt den egozentrischen Stil und residiert in einer verlassenen Kirche. Zu seiner Bande gehört auch ein Maler, eine Wahrsagerin und ein Philosoph. Yankee hat es scheinbar auf einen Deal mit Concho abgesehen, doch der lehnt ab. Damit beginnt ein Schlagabtausch, bei dem der Yankee versucht die Gangmitglieder von Concho nacheinander ins Jenseits zu befördern... 

Im Film selbst regiert die Gewalt. Kopfgeldjäger überfallen eine Stadt, zünden Häuser an und erschießen die wehrlosen Bürger. Eine Szene hat sicherlich Sergio Leone für seine Schlüsselszene aus "Spiel mir das Lied vom Tod" inspiriert. Ein Mexikaner muss seine Frau, die eine Schlinge um den Hals trägt, auf seinen Schultern tragen. Brass spielt viel mit Licht und Schatten und vor allem mit Metaphern. 


Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Freitag, 22. Juli 2022

Ringo mit den goldenen Pistolen (Johnny Oro)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Der goldgierige Bounty Killer...

Nach Sergio Leone ist Sergio Corbucci sicherlich der einflussreichste Regisseur im Genre des Italo-Western. Corbucci gelang mit "Django" im Jahr 1966 ein Welterfolg. Auch "Leichen pflastern seinen Weg", "Mercenario", "Zwei Companeros" oder "Töte Amigo" zählen zu den wichtigsten Arbeiten des europäischen Wildwestfilms. In seinen ersten Western erkannte man noch eine starke Beeinflussung durch die amerikanischen Vorbilder wie beispielsweise in "Minesota Clay" oder "Ringo mit den goldenen Pistolen", der im Original "Johnny Oro" heißt. Stellenweise wird man durch die Handlung an "Rio Bravo" erinnert - viele Szenen spielen im Büro des örtlichen Sheriffs und somit auch im Gefängnis. Dort befindet sich der alte Matt (Pippo Starnazza) als Dauergast. Dem Alten gefällt es mittlerweile so gut, dass er sich jedes Mal ein neues Kleindelikt einfallen lässt, nur damit er wieder in seine Zelle kommt. Sherillf Bill Norton (Ettore Manni) erfüllt seinen Job als Gesetzeshüter mit eiserner Hand. Selbst die kleinsten Vergehen werden bestraft. Besonders allergisch reagiert der Sheriff auf Durchreisende, die vergessen bei ihm die Waffen abzugeben. Eine Nichteinhaltung führt zu 7 Tage Haft. Er hat allerdings eine gute Stellung in Boston bekommen und so sind seine Tage in der Kleinstadt Coldstone gezählt. Seine Frau Jane (Giulia Rubini) packt schon,  der kleine Sohn Stan (Loris Loddi) würde jedoch sehr gerne im Wilden Westen bleiben. Eines Tages kommt Ringo (Mark Damon) in die Stadt - ein Mann, der sich nur für Gold begeistern kann und sich dieses durch seinen Job als Kopfgeldjäger verdient. Vor kurzem erst hat er drei der berüchtigten Perez Brüder während einer Hochzeitszeremonie erschossen und hat sich in Gold auszahlen lassen. Doch der jüngste der Perez Brüder (Franco de Rosa) sinnt auf Rache und schließt einen Pakt mit den Indianern und deren aggressivem Häuptling Sebastian (Giovanni Cianfriglia). Sie wollen Ringo töten. Nur sitzt dieser zur Zeit wegen unerlaubtem Gebrauch von Sprengstoff für 7 Tage im örtlichen Gefängnis. Perez und seine verbündeten Indianer fordern die Herausgabe des Kopfgeldjägers, ansonsten machen sie die ganze Stadt platt. Doch der Sheriff bleibt stur. Es kommt zum Äussersten..


Dieser Drehbucheinfall wirkt reichlich unlogisch, denn in der Dynamik, die der Sheriff damit heraufbeschwört ist reichlich absurd. Da er seinen Gefangenen partout für dieses kleine Delikt im Kittchen schmoren lässt, kommt es zur Massenflucht der Stadtbewohner - nicht zu vergessen mit zahlreichen Collateralschäden. Ab hier kippt die Qualität des Films etwas, obwohl auch dieses Frühwerk bereits die Könnerschaft des Regisseurs aufzeigt. Eine weitere Schwachstelle ist Mark Damon, der Darsteller des Ringo. Er spielt seinen Part viel zu übertrieben cool.


Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Wie ein Schrei im Wind (The Trap)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sidney Hayers

Der Trapper...

Der britische Regisseur Sidney Hayers machte sich am Anfang seiner Filmkarriere zuerst einen Namen als Filmeditor in Produktionen wie "Einer kam durch", "Die letzte Nacht der Titanic" oder "Tiger Bay". Seine bekannteste Regiearbeit ist der 1966 entstandene Western "Wie ein Schrei im Wind" (Originaltitel: The Trap) mit den damals sehr populären Hauptdarstellern Oliver Reed und Rita Tushington. Gedreht wurde in der kanadischen Provinz British Columbia - einer der ersten Filme, die in dieser faszinierenden Naturlandschaft gedreht wurde und für den versierten Kameramann Robert Krasker (Oscar für "Der dritte Mann") war es ein leichtes diese wunderbare und beinahe noch unberührte Idylle in ebenso wunderschönen Bilder einzufangen.
Es ist die Geschichte des französsich-kanadischen Pelzjägers Jean La Bete (Oliver Reed), der ganz alleine in der tiefsten Wildnis in seinem Blockhaus lebt. Um Pelze zu verkaufen paddelt der etwas grobe Einzelgänger mit seinem Kanu durch viele Kilometer wilden Wassers zu einer entfernten Siedlung. Zur selben Zeit hat ein Dampfschiff dort angelegt und alle Bewohner eilen zum Hafen um Post, Nahrungsmittel und weitere Konsumgüter zu holen. Diesmal hat der Kapitän auch einige Frauen an Bord, die im Gefängnis waren und von einigen heiratswilligen Bewohnern gekauft wurden um in der Siedlung den heiligen Bund der Ehe einzugehen. Für den Pelzhändler (Rex Sevenoaks) ist ein Klavier an Bord, dass seine ehrgeizige Gattin (Barbara Chillcott) für die gemeinsame Tochter Sarah (Linda Goranson) gekauft hat. Besonders die Mutter will ihrer Tochter eine sorglose Zukunft bereiten, sie soll einmal einen betuchten Geschäftsmann ehelichen. Die stumme Waise Eve (Rita Tushingham) lebt seit ihrem 8. Lebensjahr bei der Familie, damals musste das arme Kind mitansehen wie Indianer ihre ganze Familie a bschlachteten. Seit diesem Trauma hat das Mädchen nie wieder ein Wort gesprochen. Der Pelzhändler schuldet La Bete noch 1.000 Dollara und muss ihn wohl oder übel auszahlen. Dies passt seiner Frau nicht, die Eve für genau diese Summe an den bärbeißigen Fallensteller. Somit wird Eve mehr oder weniger gezwungen als seine Frau mit ihm den Weg in die Wildnis anzutreten. Das Verhältnis des ungewöhnlichen Paares ist zunächst jedoch von großer Distanz geprägt, sind sind auch sehr verschieden. Doch durch viele gemeinsame Erlebnisse und Gefahren kommen sie sich näher....

Bären, Pumas und Wölfe machen das Leben in der Wildnis schwierig, aber auch aggressive gewaltbereite Indianer. Sehr einfühlsam wird die Annäherung zweier Aussenseiter geschildert. Inzwischen gilt dieser Abenteuerwestern mit epischen Momenten und psychologischem Anteil als ein sehr wichtiger britischer Film der 60er Jahre. Der ungehobelte Pelzjäger bot Oliver Reed reichlich Gelegenheit sein schauspielerisches Können zu beweisen und Rita Tushingham, die mit Filmen des British New Wave Cinema wie "Bitterer Honig" und "Der gewisse Kniff" bekannt wurde, zeigt eine der besten Leistungen ihrer Karriere. 

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 14. Juli 2022

Töte Amigo (Quién sabe?)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Damiano Damiani

Der Mann mit der goldenen Patrone...

Der junge Amerikaner Bill Tate (Lou Castel) wird auf einem Bahnhof in Mexico von einem kleinen Jungen gefragt, ob ihm Mexiko gefällt. Seine Antwort "überhaupt nicht", was den Jungen einerseits enttäuscht, aber auch wundernd fragen lässt "warum sind sie dann hier ?".
Der Amerikaner steigt in den Zug ein. Dieser Zug ist durch das Militär bewacht.
Doch der Zug muß seine Fahrt unterbrechen, da auf dem Gleis ein ranghoher Offizier angekettet an einem Kreuz hängt.
Oben auf der Anhöhe hat sich der Bandit El Chuncho (Gian Maria Volonte) mit seiner Revolutionsbande verschanzt, zu der auch sein Bruder El Santo (Klaus Kinski) angehört.
Einst war dieser Banditen-Führer Mitstreiter des in den Bergen versteckten und residierenden Revolutionsgenerals Elias (Jaime Fernández).
Aber nach einigen Jahren des des 20. Jahrhunderts ist die Revolution, die die armen Mexikaner gegen die reichen Mexikaner führen, so gut wie am Ende. Daher hat sich El Chuncho der neuen Zeit angepasst und sein nach wie vor revolutionäres Gedankengut mit gesundem Profitstreben zu verbinden. Er überfällt sehr oft mit seinen Bandidos Armee- und Polizeiposten sowie Züge, um die so erbeuteten Waffen an den General für gutes Geld zu verhökern. Leider fehlt ihm noch ein Maschinengewehr, das er verkaufen könnte.
Der Zug wird zwar eingenommen, doch statt dem Maschinengewehr bekommt er einen harmlos wirkenden milchgesichtigen Ami als neuen Wegbegleiter.
Er wird fortan "El Gringo" genannt und durch eine fingierte Rolle als Gefangener des Militärs sowie durch Mithilfe den Zug einzunehmen hat er die Banditen sehr schnell auf seiner Seite und mit der Zeit gewinnt er nicht nur den Respekt, sondern auch die Freundschaft von El Chuncho.
In San Miguel wird die Bande sehr schnell zu Helden, indem sie den Großgrundbesitzer Don Felipe (Andrea Checci)im Namen der Revolution hinrichten.
Ausserdem erbeuten sie endlich ein Maschinengewehr, dass gute Dienste im bevorstehenden Kampf mit der Armee leisten soll.
Die restliche Bande ist aber bald dem Dorf überdrüssig und sie macht sich mit ihrem Anteil Waffen auf wie vereinbart diese zu verkaufen. El Chuncho und sein wahnsinniger Bruder bleiben im Ort, doch als der Bandidtenchef bemerkt, dass sein neu erbeuetetes Maschinengewehr ebenfalls verschwunden ist. Er reitet den Abtrünningen nach und findet diese auch. Bald muss El Chuncho entdecken, dass sein amerikanischer Freund immer zwiespältiger agiert...


Damiano Damiani, ansonsten eher Garant für brisante italienische Stoffe mit Mafia-Thematik wie "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" oder "Tag der Eule" hatte lediglich zwei Ausflüge in das Westernfach.
1966 mit dem Revolutionswestern "Töte Amigo" und einige Jahre später entstand der eher ausgelassene "Mein Name ist Nobody".
"Töte Amigo" ist ein sehr temporeicher 2 Stunden Film, der keine Sekunde langweilig wird und der durch seine grimmige Geschichte zu begeistern weiß: Seine politische Geschichte handelt von Rebellen, Revolutionären, Söldnern, von  Idealisten, von Opportunisten, vom skrupellosen Doppelspiel und von ambivalenten menschlichen Gefühlen.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Der Gehetzte der Sierra Madre (La resa dei conti)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Sollima

Jäger und Gejagter...

Der Italowestern, so billig er oft auch war, atmet Kinomagie und ist B-Picture in einer seiner erfolgreichsten Form.
In den 60s und 70s meist zwischen Schulmädchenreport und Kung Fu im Bahnhofskino nebenan gezeigt, in aller Regel noch einmal durch den deutschen Verleih deutlich gekürzt und mit vergessenswerten wie irreführenden Filmtiteln (es gibt ca. 200 Django Filme) versehen.
Erst Sergio Leone sollte mit seinen Meisterwerken die Wende bringen, durch seinen immer noch steigenden Ruf als einer der grossen Kinomagier sieht es dann auch in den letzten Jahren wesentlich besser für seine Genrekollegen Corbucci oder eben Sollima aus.
Und die haben ja auch tatsächlich gute Western gemacht.
Sollima hat eine starke Italo-Western Trilogie inszeniert. "Der Gehetzte der Sierra Madre" ist der erste dieser Sollima Reihe, es folgten "Von Angesicht zu Angesicht" und "Lauf um dein Leben". In letzterem wird die Figur des Cuchillo wieder aufgegriffen.
Mit Tomas Milian als "cooles Schlitzohr" Cuchillo tritt auch ein Verwandter von Terence Hill in das Genre ein. Eine Figur, die nicht alles so ganz ernst nimmt, schelmisch wirkt und den Humor beibehält.



Für die nötige Ernsthaftigkeit ist Lee van Cleef zuständig. Der Mann, der durch die kleine Rolle des Jack Colby in "High Noon" weltberühmt wurde und in der nachfolgenden Dekade dann eine Ikone des Italowesterns wurde.  Im Sollina Film glänzt er als Kopfgeldjäger und Lawman Jonathan Corbett, der vom reichen Geschäftsmann Brokston (Walter Barnes)nach der erfolgreichen Exekution von 4 gesuchten Gangstern überredet wird, als Senator zu kandidieren. Brokston ist Eisenbahnpionier, will damit Millionen verdienen und braucht für sein Vorhaben beliebte Volkshelden oder besser Marionetten in der Regierung, die machen was er möchte. Dann wird ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Der Täter soll eben der Mexikaner Cuchillo Sanchez (Tomas Milian) sein.
Corbett wird nun beauftragt, den Flüchtigen schnell einzufangen und vor Gericht zu stellen. Allerdings ist Cuchillos Festnahme nicht ganz einfach, unsere Helden begegnen kuriosen Mormonen, schiesswütigen Pfaffen oder Drachenladys mit eigener Ranch samt sadistisch veranlagtem Personal..und irgendann nach 105 Minuten in den Bergen der Sierra Madre Mexikos sich im Showdown gipfelt. Im Laufe des Films beginnt Corbett immer mehr an der Schuld des Flüchtigen zu zweifeln und stellt sich am Ende auf dessen Seite, als er erfährt, wer der Mörder des Mädchens wirklich ist.
Der Film selbst ist ein sehr guter Vertreter seines Genres, nicht nur durch den Score von Morricone erinnert der Film an die Leone Meisterwerke.
Der Film ist erstmalig ungekürzt zu bewundern, der verstümmelten deutschen Kinofassung fielen fast 30 Minuten der Schere zum Opfer.
Die neuen Szenen sind nicht synchronisiert, jedoch untertitelt und geben dem Film endlich eine künstlerische Geschlossenheit und eine weitaus gelungenere Dramaturgie, ja sogar durch die Figur des Brokston eine interessante politische Note. Ausserdem kommt mit der Nebenrolle des Baron von Schulenberg eine ganz neue Figur zum Vorschein, weil damals sämtliche relevanten Szenen rausgeschnitten wurden. Dieser Scharfschütze ist, wie ich erfahren habe, dem grossen deutschen Stummfilmpionier Erich von Strohheim  nachempfunden, weil Sollima selbst Fan von Erich von Strohheim war.

Bewertung:  9 von 10 Punkten.

Mittwoch, 13. Juli 2022

Sartana (Mille dollari sul nero)


Regie: Alberto Cardone

Wie Kain und Abel... 

1966 drehte Regisseur Alberto Cardone den Italo Western "Mille dollari sul nero", der in Deutschland unter dem Titel "Sartana" in den Kinos lief.  Aufgrund der expliziten Gewaltszenen wurde der Western jedoch in Deutschland deutlich geschnitten. Die Ursprungsfassung dauerte 104 Minuten, die deutsche Version kommt lediglich auf 92 Minuten. Der Erfolg war dennoch groß und Gianni Garko, der den fiesen Sartana spielt, wurde zu einem wichtigen Schauspieler im Genre des Spaghetti Westerns. Er schlüpfte im Anschluß noch viermal in die gleiche Rolle, die aber stark verändert wurde und keine Ähnlichkeit mehr zu der Figur aus dem ersten Sartana Film hatte. Deshalb wird "Mille dollari sul nero" nicht zwingend in die 1968 weitergeführte Sartana Reihe eingeordnet. Der Film erzählt eine Kain und Abel Geschichte im Wilden Westen. Johnny Liston (Anthony Steffen) saß 10 Jahre im Knast. Obwohl er immer wieder seine Unschuld beteuerte wurde er für einen Mord verurteilt, den er nicht beging. Zurück blieb seine Verlobte Manuela ((Angelica Ott), seine Mutter Rhonda (Carla Calo) und sein jüngerer Bruder Sartana (Gianni Garko). Als er nach all diesen Jahren wieder in seinen Heimatort zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein Bruder zu einem wahnsinnigen Tyrann mutiert ist. Er terrorisiert die Menschen, die in diesem Gebiet wohnen, verlangt Schutzgeld und hat Manuela vergewaltigt und gezwungen seine Frau zu werden. Deren stummer Bruder Jerry (Roberto Miali) wird regelmässig von ihm gedemütigt und geschlagen. Diese Macht konnte Sartana vor allem durch die Mithilfe des korrupten Richter Waldorf (Carlo D´Angelo) festigen. Der war es auch, der damals Johnny verurteilte, obwohl man wusste, dass er unschuldig war. In der Stadt trifft Johnny auch auf Joselita (Erica Blanc), die Tochter des angeblich von ihm ermordeten Mann. Mit der Zeit kommen der hübschen Frau aber Zweifel an der Schuld von Johnny, denn der hat sich vorgenommen die Stadt von der Knechtschaft seines durchgedrehten Bruders zu befreien...


Als Handlanger von Sartana ist auch der österreichische Schauspieler Sieghard Rupp zu sehen, der für einige EuroWestern der 60er Jahre verpflichtet wurde und Anfang der 70er Jahre als Tatort Zolloberinspektor Kressin extrem populär war. "Sartana" gilt als Cardones bester Italo Western, was wesentlich an der durchgehend bedrückenden Atmosphäre liegt und am Spiel von Gianni Garko. Ebenso interessant ist auch die Nebenrolle der alkoholkranken Mutter der beiden ungleichen Brüder. Sie scheint als Einzige noch eine gewisse Macht über ihren Sohn zu haben. Das Drehbuch schrieb auch Regisseur Rolf Olsen mit.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Dienstag, 19. April 2022

Django - Sein Gesangsbuch war der Colt (Le colt cantarono la morte e fu… tempo di massacro )


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Lucio Fulci

Tom Corbett kommt heim...

Obwohl Sergio Corbuccis Kultklassiker "Django" erst nach Lucio Fulcis Western "Django - Sein Gesangsbuch war der Tod" (Original: Le colt cantarono la morte e fu… tempo di massacro) gedreht wurde, kam er erst einige Zeit später in Deutschland in die Kinos. Allein der Name "Django" schien bereits ein Garant für einen Erfolg an der Kasse zu sein und so wurden ab dieser Zeit sehr viele Italo Western in Deutschland mit dem Titel "Django" ausgestattet. In Lucio Fulcis Originalversion spielt Franco Nero zwar mit seinem bekannten Schlapphut, aber seine Filmfigur heißt Tom Corbett. Gedreht wurde in Rom und der schöne Titelsong "A man alone" wurde von dem damals bekannten Sänger Sergio Endrigo gesungen. Wegen der vielen Gewaltszenen wurde der Film 1982 in Deutschland indiziert, erst im Jahr 2007 wurde sie zurückgenommen. Es ist die Geschichte eines Geldwäschers, der Tom Corbett (Franco Nero) heißt. Er war schon sehr lange nicht mehr bei seiner Familie, doch dann erhält er eine Nachricht aus seiner Heimat, dass er dringend zurückkehren soll. Tatsächlich hat sich in all den Jahren sehr vieles verändert: Das Familiengrundstück und die große Hacienda gehören inzwischen dem mächtigen Mr. Scott (Giuseppe Addobbati) und seinem perversen Sohn Scott Junior (Nino Castelnuovo), der liebend gerne Menschenjagden zu Pferd veranstaltet. Das arme Opfer wird von einer Horde bissiger Hunde verfolgt und es freut den Veranstalter, wenn jemand von den Hunden zerfleischt wird. Tom findet nach einer gewissen Zeit seinen Bruder Jeff (George Hilton), der zum Alkoholiker wurde. Weder er noch Mercedes (Rina Franchetti), die Ziehmutter der beiden Corbett Brüder, wollen Tom erzählen, was in der Zwischenzeit alles passiert ist und warum er den anonymen Tipp bekam wieder nach Hause zurückzukehren. Aber langsam merkt Tom, dass ihn etwas mit den Scotts verbindet...


Aufgedeckt wird ein neurotisches Familiengeflecht, bei dem die beiden "Brüder" gefragt sind irgendwann zusammenzuarbeiten. George Hilton als Alkoholiker erweist sich dann auch als engagierter Mörder, der sehr schnell zur Waffe greift und seine Gegner auch manchmal mit einem lockeren Spruch ins jenseits befördert. Seine Präsenz beim Showdown stellt schon beinahe den ruhigen Helden Franco Nero ein bisschen in den Schatten. Die Figur von Scott Junior, der perfekt mit der Peitsche umgehen kann, ist mit Nino Castelnuovo perfekt besetzt.

Bewertung: 7 von 10 Punkten