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Dienstag, 19. April 2022

Rocco - der Mann mit den 2 Gesichtern (Sugar Colt)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Franco Giraldi

Sugar Colt.... 

Bei dem Sergio Leone Klassiker "Für eine Handvoll Dollar" inszenierte der damals 33jährige Franco Giraldi zwei Sequenzen und einige Außenaufnahmen. Damit startete er auch seine eigene Karriere als Regisseur und unter dem Pseudonym Frank Garfield war er für einige Italo Western verantwortlich. Sein Debüt "Die 7 Pistolen des McGregor" sowie der Nachfolger "Rocco - der Mann mit den zwei Gesichtern" waren mit einem humorvollen Unterton versehen. Bei der zeitgenössischen Kritik kamen diese beiden Western gar nicht schlecht weg. Der Held des Films ist ein Undercover-Agent, den man Sugar Colt (Hunter Powers) nennt. Doch bevor dieser wieder einen gefährlichen Fall übernimmt, lehnt er erstmal ab. Denn seine Tätigkeit als Pistolenschützenausbilder für Hausfrauen macht ihm Spass. Erst als sein ehemaliger Chef Alan Pinkerton (Georges Rigaud) auf offener Straße erschossen wird, nachdem er Sugar Colt kurz zuvor noch in den Fall eingeweiht hat, nimmt er an. Pinkerton erzählte ihm den kuriosen Fall eine verschwundenen Battalions von Scharfschützen, kurz nach dem Sezessionskrieg. Die vielen jungen Soldaten blieben verschwunden, obwohl sie auf dem Weg nach Hause waren. Nun bekam der Vater eines dieser verschollenen Männer eine Aufforderung für eine Lösegeldzahlung, dann würde der verlorene Sohn freigelassen werden. Sind die Männer also etwa noch am Leben ? Dabei hat Sugar Colt ein besonderes Talent seine Identitäten zu wechseln. Die Spur führt nach Snake Valley und der Agent ist getarnt als etwas sonderbarer Arzt Tom Cooper. Das Nest wird von Banditen des Schurken Haberbrook (Giuliano Rafaelli) terrorisiert, denen Sugar Colt auf raffinierte Art und Weise versucht das Geheimnis der verschwundenen Männer zu entlocken. Er nimmt sich ein Zimmer im Saloon von Bess (Gina Rovere) und verguckt sich in deren Nichte Josefina (Soledad Miranda), die ihn zunächst jedoch abblitzen lässt. Von dem Klavierspieler Agonia (Pajarito) erhält er dann sehr brauchbare Informationen...


"Rocco - der Mann mit den zwei Gesichtern" ist ein bisschen James Bond im Italo Western Style und überzeugt durch den gut aufgelegten Hauptdarsteller Jack Betts. Der Film steckt voller origineller Ideen und dramatischen Szenen, so läuft zum Beispiel bei der Beerdigung des Klavierspielers dessen Hund beim Trauerzug mit. Man merkt dem Film an, dass jede Szene sorgfältig geplant wurde und dieser Italo Western alles andere als ein billig und schnell heruntergekurbeltes Serienprodukt war


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Montag, 28. Februar 2022

Mehr tot als lebendig (Un minuto per pregare, un instante per morire)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Franco Giraldi

Anmestie für Clay McCord...

Regisseur Franco Giraldi drehte 1967 mit "Mehr tot als lebendig" (Originaltitel: Un minuto per pregare, un instante per morire) nach "Die 7 Pistolen des McGregor", "Rocco - der Mann mit den zwei Gesichtern" und "Eine Kugel für MacGregor" seinen vierten und letzten Italo-Western. Der Film unterscheidet sich von den Vorgängern, weil er nicht wie die anderen drei mit einem ironischen Unterton versehen ist. Er ist hart und kompromisslos, was sich natürlich auch auf den Schlußakkord des Westerns auswirkt. Die Amerikaner waren mit Geldern an der Produktion beteiligt, daher überrascht es auch nicht, dass in allen drei bedeutenden Rollen US-Stars zu sehen sind. Neben Hauptdarsteller Alex Cord auch die Hollywoodgrößen Robert Ryan und Arthur Kennedy. Für den Soundtrack war Carlo Rustinchelli verantwortlich. Am 3. Juli 1968 kam der Western auch in die deutschen Kinos, allerdings in einer sehr stark gekürzten Fassung von lediglich 94 Minuten, statt der Originallänge mit einer Laufzeit von 118 Minuten. Hauptfigur der Geschichte ist der gesuchte Verbrecher Clay McCord (Alex Cord), der bereits als Junge (wird in den Rückblenden von Ottoviano Dell`Acqua gespielt) den ersten Mann erschossen hat. Damals hat er die Mörder seines Vaters erschossen, die dessen epileptischen Anfall ausnutzen konnten, um ihn auf offener Straße zu erledigen. Seine Zukunft als Outlaw war also vorbestimmt. Clay leidet vermutlich an der selben Krankheit wie sein Vater. Auch er bekommt häufig Anfälle, in dieser Zeit ist er wehrlos und kann sich kaum bewegen. Sein Zustand scheint sich auch nicht zu bessern - eher das Gegenteil ist der Fall. Mit seinem derzeitigen Partner Fred Duskin (Giampiero Albertini) ist er auf der Flucht vor dem Gesetz und vor den vielen Kopfgeldjägern, die ihn jagen. Vor allem die kaltblütigen Killer Fuzzy (Osiride Pevarello) und Seminole (Jose Canalejas) sind ihm auf den Fersen. Er versucht auch einen medizinisch versierten Pater (Daniel Martin) aufzusuchen, doch als er dort ankommt ist dieser schon von seinen Jägern ermordet worden. Auch der Arzt in der Banditenhochburg Escondito ist nicht mehr verfügbar, er wurde aufgehängt. In diesem gefährlichen Ort macht sich McCord den Banditenanführer Kraut (Mario Brega) zum Feind. Doch es könnte sich vielleicht doch noch alles zum Guten wenden. Neu Mexikos Gouverneur Lem Carter (Robert Ryan) garantiert allen Outlaws, die sich stellen Amnestie und 50 Dollar Startkapital für einen Neuanfang als guter Bürger. Eine Entscheidung, die dem Hardliner Marshall Colby (Arthur Kennedy) nicht schmeckt - er muss sich allerdings der politischen Entscheidung fügen. Während Clay sich bei der schönen Laurinda (Nicoletta Machiavelli)versteckt, kommt er zum Schluß, dass er sich stellen will. Allerdings will er viel mehr Geld als der liberale Carter den veränderungsbereiten Banditen bereit ist zu zahlen....


Ein Held der unter paralytischen Anfällen leidet muss natürlich immer Angst haben, dass er bei einer bleihaltigen Auseinandersetzung versagt und somit seinen Gegnern wehrlos ausgeliefert ist. In der deutschen Kinofassung ist der Film viel optimistischer, erst in der Originallänge wirkt "Mehr tot als lebendig" eher melancholisch, traurig und pessimistisch. Zum Glück, denn durch diesen Pessimismus hebt sich "Mehr tot als lebendig" deutlich ab vom Durchschnitt im Spaghetti Western Genre.

Bewertung: 7 von 10 Punkten