Sonntag, 8. Januar 2023

Django


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Ein Mann mit Sarg...

Spaghetti Western waren viel temporeicher und actiongeladener als ihre amerikanischen Verwandten. Die Dialoge waren spärlich und einige Kritiker meinten, diese Western seien komponiert wie Opern, die die Musik als narratives Element nutzten. Für damalige Zeiten waren die Italo Western überaus brutal und einige davon hatten sorgar ernsthafte Probleme mit der Zensur. Oft wurden diese Filme für die Kinoauswertung gekürzt. Meistens spielen die Italo Western entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze und präsentierten einen neuen Westerner, der laut und teilweise auch sadistisch war. Der amerikanische Bürgerkrieg und seine Nachwirkungen sind ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Doch statt der bekannten Westernnamen wie Will Kane, Ethan Edwards, Tom Dunson oder oder Ransom Stoddard tragen die Helden der Spaghetti Western Namen wie Django, Ringo, Sartana oder Sabata. Die zwei Filme, die den Siegeszug dieses Genres einläuteten, waren Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar" und Sergio Corbuccis "Django" Dieser Django (Franco Nero) präsentiert dem Zuschauer eine Westernwelt voller Pessimissus, durch den Tod seiner Frau wurde er zum gebrochenen Außenseiter, der sich nur noch selbst begraben mächte. Doch er muss bei Corbucci eine Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschichte durchleiden um am Schluß seine Rache zelebriert zu haben, die ihn aber dennoch nicht zur Ruhe kommen lässt. Davor stand jedoch eine Illuision von Gerechtigkeit im Raum, die sich letztendlich als großes Scheitern herausstellte. Zweifelsohne war der Italo Western vom Katholizismus beeinflusst. Ort der Handlung ist eine dreckige Stadt, die von zwei rivalisierenden Banden kontrolliert wird: Eine Bande goldhungriger Mexikaner, angeführt von General Hugo Rodriquez (Jose Bodalo), auf der Gegenseite versucht ihm eine Ku Klux Klan Bande mit roten Kapuzen das Leben schwer zu machen. Angeführt werden diese rassistischen Banditen von Major Jackson (Eduardo Fajardo). Mit beiden hat der Fremde (Franco Nero), der einen Sarg mit sich schleppt, noch eine alte Rechnung offen. Doch vorerst rettet er die Halbmexikanerin Maria (Lorendana Nusciak), die aus der Stadt fliehen wollte. In dem naheliegenden Nest Nogales spielt sich das gesellschaftliche Leben fast ausschließlich im Saloon statt - wo der Wirt und einige Bardamen den Betrieb aufrechterhalten. Mit dem Auftauchen des Fremden kommt auch der Tod in die Stadt. Und vorest sieht es auch so aus als könnte der Fremde mit einer Überzahl von Gegnern spielend fertig werden..


Kein Wunder, denn Django hat im Sarg ein Maschinengewehr, mit dem er die Horde von Angreifern niedermetzeln kann. Den Anführer lässt er entkommen, weil es ja auch einen deftigen Showdown geben muss. Der Song "Django" wurde von Rocky Robets gesungen und der Film selbst ein Welterfolg. Mit seinem Galgenhumor und der zynischen Grundstimmung wurde Corbuccis Western ein echter Kultfilm.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Django - die Nacht der langen Messer (Ciakmull)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: E. B. Clucher (Enzo Barboni)

Der totgeglaubte Sohn kehrt heim...

Der italienische Regisseur Enzo Barboni legte sich irgendwann das Pseudonym "E. B. Clucher" zu und wurde vor allem durch seine vielen Erfolgsfilme mit den Buddys Terence Hill und Bud Spencer bekannt. Seine Filme "Vier Fäuste für ein Halleluja", "Die rechte und die linke Hand des Teufels", "Verflucht, verdammt und Halleluja" oder "Zwei außer Rand und Band" gehören zu den ganz großen Kinohits in den 70er Jahren. Vor seiner Regiekarriere war Barboni ein gefragter Kameramann (Django, Romulus und Remus, Der letzte Zug nach Durango oder Die Grausamen). Sein Regiedebüt ist weniger ausgelassen und lustig wie seine Western mit Hill und Spencer. Der 1970 gedrehte "Django - die Nacht der langen Messer" heißt im Original "Ciakmull" und ist eher ein düsterer Vertreter des Spaghettiwestern-Genres. Lediglich die flotte Begleitmusik von Riz Ortolani untergräbt diese dunkle Seite der Geschichte immer wieder. Darüberhinaus hatten auch die deutschen Synchronsprecher Spass daran manche Dialoge mit "Schnodderdeutsch" in Sachen Coolness merklich aufzupeppen. Viele TV-Serien dieser Dekade wie "Rauchende Colts", "Department S" oder "Die 2", "Tennisschläger und Kanonen", "Ihr Auftritt Al Mundy" wurden alle mit flapsigen Dialogen übersät - in vielen Fällen war Rainer Brandt der Verursacher dieses Modetrends.
Hier in "Ciakmull" bekam vor allem die Figur des Silver (gespielt von Peter Martell) ein paar solcher Dialoge. Die Ausgangslage der Geschiche ist, dass ein Banküberfall stattfindet. Um diesen zu vertuschen, legen die Banditen im Gefängnis und in der Irrenanstalt, die beide neben der Bank liegen, ein Feuer. Es breitet sich schnell aus und die darin befindlichen Insassen bzw. Gefangenen schreien um Hilfe. Doch die Wachleute sind unerbittlich - bei einer Flucht aus dem Gebäude haben sie den Schießbefehl. So drohen die Menschen jämmerlich zu verbrennen. Vier von Ihnen gelingt die Flucht. Es ist der junge Django (Leonard Mann), der gar nicht weiß wer er ist - denn er hat schon vor langer Zeit sein Gedächtnis verloren. Auch dem dunkelhäutigen Muskelmann Woody (Woody Strode) gelingt die Flucht ins Freie. Ebenso den beiden Gefangenen Hondo (Luigi Montefiori) und Silver (Peter Martell). Einer der flüchtenden Bankräuber wird vom Pferd geschossen und bleibt schwer verletzt neben Django liegen, der gerade davonlaufen will. Der Verletzte nennt den Namen "Django" und versucht seinen letzten Schuß auf Django abzufeuern. Der nun so Genannte versucht mit seinen Begleitern, das Rätsel seiner Vergangenheit zu lösen, das zu seinem Gedächtnisverlust und Einlieferung in das Irrenhaus führte. In dem Ort Oxeca könnte das Geheimnis gelöst werden. Denn dort tobt ein Kampf zwischen dem reichen Rancher John Caldwell Helmuth Schneider), der sich mit seinem Sohn Alan (Alain Corot) gegen den Hass von Konkurrent Tom Rooker (Lucio Rosato) wehren muss. John Caldwell trauert seinem jüngeren Sohn nach, der mutmaßlich vor 3 Jahren bei einem Brand sein Leben verlor....

In der Rolle der Sheila ist Evelyn Stewart zu sehen.
Der Film gefällt durch die sehr gute Inszenierung, die auch ein bisschen Atmosphäre aufbaut und die Handlung ist in sich schlüssig. Ein bisschen wird der Fan durch die beiden Kontrahenten in der kleinen Westernstadt an "Für eine Handvoll Dollar" erinnert - und auch der Fremde kommt in diesen Ort. Allerdings nicht alleine, sondern im Quartett. Am Ende kommt es nicht nur zum Duell wer der Herrscher der Stadt ist, sondern es geht auch um Eifersucht, die nun den Showdown beherrscht. Im Original heißt die Hauptfgur nicht Django, sondern Ciakmull.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Samstag, 7. Januar 2023

Django, der Bastard (Per 100.000 dollari ti ammazzo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Garrone

Mission Rache...

"Django Il Bastardo" ist ein Spaghetti Western von Sergio Garrone. In den deutschen Kinos lief der Film unter dem Titel "Django und die Bande der Bluthunde". Später wurde wieder umbenannt in "Django, der Bastard". Ein weitere Titel des Films heißt "Höllenhunde - Gehetzt bis zum Verrecken".
Es ist sicherlich nicht die Geschichte, die eine sehr gute Klasse aufweist. Dazu ist eine solche Story schon zu oft erzählt worden. Diese Geschichte eines einsamen Rächers, der aus dem Nichts auftaucht und seine Mission mit eiskalter Präzision bis zum bitteren Ende erfüllt.
Dieser Mann heißt natürlich Django und wird von Anthony Steffen gespielt. Viele Kritiker sehen hier seine beste Rolle in seinem Lieblingsgenre, obwohl "Django kennt kein Erbarmen", "Sartana", "Der letzte Zug nach Durango" oder "Garringo" von vielen Fans geschätzt werden.
Er steht einfach da und erzeugt mit seinem dunklen Outfit und seinem schwarzen Hut für ein gewisses Unbehagen. Tod liegt in der Luft, wenn dieser Mann auftaucht, von dem niemand weiß, wer er ist und was die Gründe für sein Handeln sein könnten. Ausserdem verschwindet der nheimliche Fremde nach seiner Mission fast schon wie ein Geist. Sein Geschick mit dem Colt kann man als unmenschlich gut bezeichnen. Der Mann lässt Kreuze mit einem Namen und dessen Todesdatum anfertigen. Rod Murdock (Paolo Gozlini) ist einer der Männer, dessen Name auf dem Kreuz steht. Murdoch und ein psychopathischer Bruder Luke (Luciano Rossi) terrorisieren schon seit langer Zeit ihren Heimatort Dirty City. Natürlich heuert Murdock eine Horde von Bewaffneten Banditen an, die sich "die Bluthunde" nennen. Aber dieses Aufgebot an Schurken wird Django (Anthony Steffen) nicht davon abhalten seine Kreuze anzufertigen und den Mann, der darauf eingraviert ist, unter die Erde zu bringen...

In einigen Rückblenden erhält der Zuschauer immer wieder einige Puzzleteile, was für ein Motiv Django hat. Natürlich ist es eine lang geplante Rache und in seiner Kluft sieht der Rächer auch sehr düster aus. Das verändert sich während des Showdowns, als Django seinen Hut verliert und er dem Zuschauer auch ein bisschen menschlicher und verletztlicher vorkommt. Die Machart der Inszenierung kann man als staubtrocken bezeichnen und genau darum hebt sich der Rachewestern auch vom Durchschnitt seiner filmsichen Verwandten ab. Als Lukes gepeinigte Frau ist Rada Rassimov zu sehen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Leichen pflastern seinen Weg ( Il grande silenzio)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Corbucci

Die große Stille....

Zu den ganz großen Italowestern gehört zweifelsohne der 1968 entstandene "Leichen pflastern seinen Weg" von Sergio Corbucci, der imm Original "Il grande silencio" heisst.
Auf sein Konto gehen mit "Django" oder "Mercenario" noch weitere Hauptwerke des Spaghettiwesterns.
Vielleicht ist der "Leichen pflastern seinen Weg" der grimmigste Film des Genres, denn er ist von Anfang bis Ende äusserst düster durchkomponiert:
Ein Winter des Jahres 1899. Im kleinen abgelegenen Dorf Snowhill von Utah herrscht eisiger Winter, das raue Wetter brachte ohnehin Hunger und Entbehrungen für die dort lebenden Menschen.
Dies förderte die Kriminalität. Um zu überleben werden auch die dortigen Farmer zu Räubern. Aufgrund dieser Situation wird das Gebiet auch ein Paradies für die vielen Kopfgeldjäger, die im Auftrag des Gesetzes die Diebe lieber tot als lebendig fassen. Es gibt inzwischen gute Prämien. Da die Farmer von ihren Jägern Kentniss haben, verstecken sie sich in Bergen. Wartend auf eine mögliche Amnestie. Aber die lässt auf sich warten.
Statdessen treibt der brutale Loco (Klaus Kinski) in der Gegend sein Unwesen und hat bereits einige Männer auf den Steckbriefen erschossen. Gemeinsam macht er sich mit den Leichen in der Postkutsche auf den Weg nach Snow Hill, um dort seine üppigen Belohnungen zu kassieren.
Vorher hat er noch den Mann der jungen Pauline (Vonetta McGee) getötet, die íhren Mann aber dennoch - trotz Verbot - in den Bergen anständig beerdigt.
In der Postkutsche selbst trifft Loco auf den schweigsamen Silence (Jean Louis Trintignant), der kein Freund der Kopfgeldjäger ist.
In Snow Hill herrscht der durchtriebene Bankier Henry Pollicut (Luigi Pistilli), der mit Loco Geschäfte macht. Immerhin taucht ein neuer Sheriff ((Frank Wolff) auf, der vielleicht der grausamen, kommerziellen Jagd auf Menschen ein Ende macht..


Sergio Corbucci schwelgt in pessimistischen Bildern, der hoffungslose Schluß zeigt keine Perspektive in Richtung einer besseren Zukunft auf. Es siegt das Böse, die Niedertracht und vor allem das Geld. 
Gedreht wurde der äusserst atmosphärische „"Western im Schnee" in Cortina d’Ampezzo, in St. Kassian, in den Abruzzen und den römischen Elios-Studios. Klaus Kinski erlebt man in einer seiner unvergesslichsten Rollen. Er dominiert mit der größten Gefühllosigkeit den ganzen Film.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Zwei glorreiche Halunken ( Il buono, il brutto, il cattivo) - The Good, The Bad and the Ugly


Regie: Sergio Leone

Der Gute, der Böse und der Hässliche...

Dem übergroßen Westernepos kam er immer näher. Von der actionhaltigen Ballade über den Einzelgänger, der eine Stadt von den Gangsterbanden befreit "Für eine Handvoll Dollar" bis hin zu einer melancholischen Meditation eines Europäers, wie er den Traum von Amerika sieht und an die Betrachter weitergibt..."Spiel mir das Lied vom Tod", die perfekte Kinomagie.
Dazwischen zwei Bindeglieder, die zu den besten Filmen des Genres gehören und wie geschaffen sind für die große Kinoleinwand, vor allem auch weil die Filme so groß sind. Der erdige, antiepische Kopfgeldjägerstrefien "Für ein paar Dollar mehr" und der ähnliche, aber im Gegensatz dazu extrem epische Verwandte "Zwei glorreiche Halunken" (im Original: The Good, The Bad and the Ugly), für viele Genrefans der beste Western überhaupt.
Episch vielleicht auch durch seine geschichtliche Zuordnung, denn "Zwei glorreiche Halunken" spielt während des New Mexico Feldzugs, einer militärische Operation während des Sezessionskrieges, die vom Februar bis April 1962 dauerte. Sibley, ein General der Konföderierten marschierte mit seinen Truppen in das New Mexico Territorium ein, das zu dieser Zeit die Gebiete zwischen Kalifornien im Westen, Texas im Osten, Nevada, Utah und Colorado im Norden sowie der jungen Republik Mexiko im Süden umfasste. Das Ziel der Nordstaaten wr die Kontrolle des Territoriums.
Für die drei Antihelden des Films, der Gute, von allen der Blonde genannt (Clint Eastwood), der Böse Sentenza (Lee van Cleef) und der Hässliche Tuco (Eli Wallach) sind die Kriegshandlungen zunächst mal eher nur zweitrangig. Denn sie verdienen ihr Geld mit Banditentum, Gaunereien und Kopfgeldjägerprämien.
Der Blonde, ein zigarrenrauchender Gringo, der nicht viel Worte macht ist Komplize von Tuco, für dessen Kopf eine Prämie von 2.000 Dollar zu holen sind. Der Blonde liefert so Tuco an die Gesetzeshüter aus, kassiert die Prämie - doch kurz bevor der Mann am Strick baumelt, hat ihn der Partner mit seinen guten Schießkünsten vom Galgen befreit - immer in letzter Sekude versteht sich.
Irgendwann gehen sich die beiden auf den Sack und ihre Wege trennen sich. Währenddessen jagt Sentenza, der Kopfgeldjäger und spätere Major der Konföderierten einen Goldschatz, der auf einem riesigen Friedhof begraben sein muss.
Durch Zufall weiß Tuco auf welchem Friedhof sie suchen müssen, der Blonde aber hat die noch viel bessere Information auf welchem der hunderten Gräber man graben muss.
So kreuzen sich die Wege der drei Männer und da Krieg herrscht, werden sie auch ein Teil dieser Auseinandersetzung. Der Showdown findet auf diesem Massenfriedhof statt, es kommt zum weltberühmten Duell zu Dritt...


"Zwei glorreiche Halunken" hat eine Laufzeit von 171 Minuten, der Score von Ennio Morricone gehört sicherlich in die Top Ten der besten Filmmusiken. Für die Kamera war Tonino Delli Colli (Spiel mir das Lied vom Tod, Es war einmal in Amerika, 120 Tage von Sodom, Pasolins tolldreiste Geschichten, Ginger und Fred, Bitter Moon) verantwortlich.
Einmal mehr drehte Leone einen perfekten Kinotraum. Die meisten seiner Filme sind Meisterwerke der Filmgeschichte. Im Laufe der Zeit fand er immer mehr die perfekte Dosierung einer faszinierenden Melancholie in seinen Werken. 


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Von Angesicht zu Angesicht (Faccia a faccia)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. Sergio Sollima

Der Professor und der Bandit...

Es gibt drei ganz große Sergios des Italo Western: Sergio Leone, Sergio Corbucci und Sergio Sollima, der vor allem durch seine Cuchillo Western-Trilogie in die Filmgeschichte einging: 1966 entstand der populärste der drei Filme "Der Gehetzte der Sierra Madre", es folgte ein Jahr später der eher psychologische "Von Angesicht zu Angesicht", beendet wurde die Trilogie 1968 mit "Lauf um dein Leben".
Alle drei Filme gehören zu den besten 20 Italo Western aller Zeiten.
Brad Fletcher (Gian Maria Volonte", ein Geschichtsprofessor aus Boston verlässt seine Heimat und den Lehrstuhl an der Universität, weil er eine angeschlagene Gesundheit hat. Der Lehrer war beliebt bei seinen Schülern, er gilt als rechtschaffener Mann, besucht den Gottesdienst und hat tadellose Ideale.
Sein Chef wünscht ihm alles Gute für seinen Neuanfang in Texas, das Klima soll dort viel günstiger sein. Ausserdem gibt er dem sensiblen Mann mit auf den Weg ein bisschen mehr Biß zu zeigen, denn durch seine eher sanfte Art hat er nicht viel in Sachen Karriere hinbekommen.
 Der wilde Westen ist aber auch ein viel aggressiveres Pflaster - dies muss der Professor schon bald erkennen. Er betreibt in der neuen Heimat inzwischen eine Station, wo auch die Postkutschen vorbeikommen und halten. Eines Tages taucht dort eine Kutsche auf, bei den Insassen handelt es sich um ein paar Polizeibeamte, die den Outlaw und Bandenführer Solomon Beauregard Bennet (Tomas Milian) als Gefangenen mit sich führen. Die Gesetzeshüter behandeln ihren Gefangenen ziemlich miies, nicht mal Wasser wird ihm gegeben. Dies kann Fletcher mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, es reicht dem Bandit einen Becher. In dem Moment wird er auch schon von diesem überwältigt und wird als Geisel mitgenommen. Es entsteht sehr bald ein gegenseitiger Respekt zwischen den beiden ungleichen Männern. Fletcher lernt Beauregards Bande "die Wilde Horde" kennen und ist vom vogelfreien Leben, der dort zelebrierten Gewalt fasziniert und integriert sich schliesslich in deren Siedlung Pietra di Fuoco, wo die Banditen mit Frauen und Kindern leben. Gleichzeitig ist der intelligente Pinkerton Detektiv Siringo (William Berger). Dieser versucht sich bei der Bande als neues Mitglied einzuschleusen...

Aus psychologischer Sicht ist vor allem die Verwandlung des Professors interessant, der eine geradezu merkwürdige Verwandlung vom schüchternen ruhigen Bürger in einen kalten und berechnend agierenden Dieb und Möder durchläuft. Er findet zunehmend Geschmack an der Macht - tut das Gleiche wie der bei seinen Männern beliebte und respektierte Bandenboss, doch bei Fletcher wirkt die gleiche Handlung viel  gefährlicher und eben anders. Umrahmt wird das ganze mit einem sehr schönen Western Kolorit, untermalt wird von Maestro Morricones genialer Westernmusik. Der showdown des Films ist atemberaubend und beinahe schon von einer hypnotischen Schönheit. Melancholischer wurde das Sterben in der Wüste selten eingefangen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Adios Sabata (Indio Black, Sai che ti Dico: Sei un Gran Figlio Di...)



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Gianfranco Parolini

Gold für die Revolution...

"Adios Sabata" ist ein italienischer Spaghetti-Western von Gianfranco Parolini, der den Film 1970 unter dem Pseudonym Frank Kramer realisierte.
Der Film ist die Fortsetzung des im Jahr zuvor erschienenen Films "Sabata" und wurde der zweite Teil dessen, was ein Jahr später mit der Veröffentlichung des dritten Teils, "Sabatas Rückkehr", zur Sabata-Trilogie werden sollte. In diesem zweiten Teil spielte jedoch der Hollywoodstar Yul Brynner die Rolle des Sabata, da Lee Van Cleef für einen anderen Film bereits unterschrieben hatte.  Andere Quellen wollen jedoch wissen, dass die Produzenten mit der Gagenforderung von Lee van Cleef überfordert waren. Im nachfolgenden "Sabata" Film, dem letzten der Trilogie, übernahm Van Cleef aber diese Rolle wieder. Offenbar hatte man sich dahingehend geeinigt.
Alle drei Filme wurden von Gianfranco Parolini gedreht, sie wurden zu seinen größten Erfolgen in diesem Genre.
In der italienischen Fassung heißt die Hauptfigur zwar Indio Black, aber die Umtaufe in "Sabata" fand der Film noch in Produktion war. Somit war nicht von Anfang an die Sabata Fortsetzung geplant, sie ergab sich wohl aus logischen und marktorientierten Erwägungen. Brynner trägt zwar eine fransige Uniform statt eines schwarzen Umhangs, aber die Figur ist in etwa dieslebe: Ein mysteriöser Revolvermann, der sich seinen Weg durch eine labyrinthartige handlung bahnt, die von Feinden, die Feinden, die Freunde sein könnten und von Freunden, die Feinde sein könnten, bevölkert wird. Die Geschichte spielt natürlich in Mexiko, zur Zeit Maximilians und der österreichischen Herrschaft. Sabata wird von den Freiheitskämpfern gebeten, mit Hilfe einer kleinen Gruppe von Revoluzzern eine Wagenladung Gold von der österreichischen Armee zu rauben. Die einfachen Menschen verehren Sabata, so auch der kleine Juanito (Luciano Casamonica), der gerne bei der Mission dabei sein wäre. Aber Sabata winkt natürlich ab, denn es könnte ein Himmelfahrtskommando werden und für einen kleinen Jungen viel zu gefährlich. Der Glücksspieler Ballantine (Dean Reed) hat durch sein künstlerisches Talent (er ist auch Maler) Zugang zum Feind Oberst Schimmel (Gerard Herter) und somit ein nützlicher Kompagnon für den geplanten Coup. Ballantine ist aber der Mann, der gerne eine doppelte Buchführung macht. Für Escudo (Ignazio Spalla) und seine ausgewählten Männer zählt aber vor allem die Befreiung von Mexico von der unsagbaren Knechtschaft. Schimmel ist ein Meisterschütze und ein monokeltragender Dandy, der gerne mal Revolutionäre in Major Jackson Manier erschießt und auch ein versierter Stratege ist...

Yul Brynner spielt die Rolle genauso wie man es erwartet. Der geheimnisvolle Held, ein ausgezeichneter Schütze und ein Mann, der nicht lange fackelt. Kameramann Sandro Mancori macht einen guten Job und seine Bilder verstärken die Atmosphäre, die der Kampf um das begehrte Gold bietet. Dabei erweist sich auch Regisseur Gianfranco Parolini als erstklassiger Handwerker. Sein Film bietet zwar nichts Neues im Genre, aber er erzählt treffsicher eine spannende und unterhaltsame Geschichte, die vom einprägsamen Score von Bruno Nicolai vorangetrieben wird.

Bewertung: 7 von 10 Punkten