Dienstag, 19. April 2022

Keoma (Keoma)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Enzo G. Castellari

Der verlorene Sohn...

Keoma (Franco Nero) ist ein Halbblut, das nach dem Massaker an seinem Stamm vom reichen Rancher William Shannon (William Berger) aufgezogen und adoptiert wurde.
Sein ständiger Begleiter ist der Tod (Gabrielle Ciacobbe), der in Gestalt einer Hexe auftritt, die einen Holzkarren mit Habseligkeiten hinter sich schiebt. Die Frau ist gleichzeitig auch Ratgeber Keomas und führt mit ihm Gespräche über den Sinn des Daseins.
Doch Butch (Orso Maria Guerrini), Lenny (Antonio Marsina) und Sam (Joshua Sinclair),  die drei leiblichen Shannon Söhne akzeptieren den Eindringling nicht und drangsalieren schon als Kinder das ihnen aufgezwungene Brüderchen.
Als Jugendlicher verläßt er seine Heimat und wird Soldat bei den Nordstaaten. Kurz nach dem Bürgerkrieg kehrt der verlorene Sohn heim, er will seinen Vater und den Sklaven George (Woody Strode) wieder sehen. Doch seine Heimat gleicht einer apokalyptischen Landschaft. Ausgebrannte Häuser, überall ist der Verfall spürbar.
Er trifft auf eine kleine Gruppe von schießwütigen Gangstern, die für den skrupellosen Ex-Südstaaten Offizier Caldwell (Donald 0´Brien) arbeiten.
Die Pocken sind ausgebrochen und die kranken und infizierten Menschen werden auf dessen Geheiss in ein Lager außerhalb der Stadt abgeschoben, wo sie krepieren sollen


Keoma rettet so die schwangere Lisa (Olga Karlatos), die unter den Gefangenen war. Doch dies bringt ihm natürlich zusätzlich Ärger ein. Natürlich empfangen ihn auch seine drei Brüder nicht mit offenen Armen....
Enzo G. Castellaris Film "Keoma" entstand 1976 und markiert gleichzeitig auch das Ende des ehemals erfolgreichen Genres, dass seine Blütezeit in den 60er Jahren hatte. Hauptdarsteller Franco Nero wurde genau in diesem Genre als "Django" berühmt und die Figur Keoma ist natürlich auch ein mentaler Verwandter des Django.
Die Inszenierung des Films, so sein Regisseur, enthält Anleihen beim Alten und Neuen Testament (Der verlorene Sohn, Heilung von Aussätzigen, Kreuzigung, Auferstehung), aber auch bei den Werken von Shakespeare. Castellari schöpft auch aus dem Fundus der Filmgeschichte und inspiriert von Ingmar Bergman, Sam Peckinpah und Sergio Leone inszenierte er seinen nihilistischen, elegischen Endzeit-Western ohne Hoffnung. 
Die Musik der Gebrüder de Angelis, die mit ihren Filmsongs in den 70er Jahren Dauergast in den Charts waren, orientiert sich am melancholischen Stil von Leonard Cohen oder Bob Dylan.
Die Macher wollten durch diese Musik eine Atmosphäre wie in "McCabe und Mrs. Miller" schaffen, doch die Brüder übertreiben ihr Theme und so klingt der Score denn auch viel zu aufdringlich und der Gesangstil, der an Buffy St. Marie (Soldier Blue) und Leonard Cohen erinnern soll, hört sich phasenweise etwas penetrant an.
Ansonsten ist "Keoma" ein sehr gut fotografierter ItaloWestern, der - wie so oft - den einsamen Wolf, der zum gerechten Rächer mutiert - zeigt. Castellari hat dieses Thema aber in sehr atmosphärische Bilder und Settings gepackt.
"Keoma" spaltet nach wie vor sein Publikum. Die einen sehen in dem Film das brillante Spätwerk des Spaghetti-Westerns, die anderen eine überschätzte, an überfrachteter Symbolik krankende Sozialparabel.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

 

Montag, 18. April 2022

Lauf um dein Leben (Corri uomo corri)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Sollima

Cuchillo läuft und läuft...

Im Genre des Italo Western gibt es die drei großen Sergios: Zum ersten Sergio Leone, der mit seinen Filmen "Spiel mir das Lied vom Tod", "Zwei glorreiche Halunken", "Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr" und "Todesmelodie" Geschichte in dieser Westerngattung schrieb. Zum Zweiten Sergio Corbucci, der "Django" auf die Leinwand brachte und anschließend mit dem düsteren "Leichen pflastern seinen Weg" einen der härtesten Filme der Gattung ins Kino brachte. Nicht zu vergessen seine weiteren Meisterwerke wie "Mercenario" oder "Zwei Companeros". Sergio Nummer 3 wäre dann Sergio Sollima, dem das Publikum klasse Western wie "Der Gehetzte der Sierra Madre" oder "Von Angesicht zu Angesicht" zu verdanken hat. Sein dritter wichtiger Italo Western heißt "Lauf um dein Leben" und ist eine Art Fortsetzung der beiden bereits erwähnten Filme. Doch "Lauf um dein Leben" muss ohne Lee van Cleef auskommen, aber immerhin ist Tomas Milian als Cuchillo "Stechmücke" Sanchez" wieder mit dabei.
Der Film ist eher schwer einzuordnen, zumal er irgendwie unruhig in seiner Machart ist. Einerseits kommt immer wieder ein bisschen Humor auf, doch er ist viel zu ernst um als Comedy Western durchzugehen und dann wieder zu witzig, um als brutaler und gewalttätiger Genrebeitrag zu gelten.
Dabei vollzieht die Hauptfigur Cuchillo eine gewisse Wandlung - er ist zuerst kleiner Dieb und Vagabund, wird zum Soldaten und am Ende zu einem Held der Revolution.
Nach einer ersten sehr kuriosen Szene (es wird nicht die letzte dieses Films sein) landet der kleine Dieb Cuchillo (Tomas Milian), der zudem ein ausgezeichneter Messerwerfer ist, hinter Gittern. Seine Zelle muss er mit einem Dichter, der sich Ramirez nennt, teilt. Dieser Ramirez (Jose Torres) macht Cuchillo einen sonderbaren Vorschlag. Obwohl er am anderen Tag entlassen werden soll, möchte er fliehen. Und hier bräuchte er die Hilfe eines versierten Ausbrechers wie Cuchillo einer ist. Cuchillo soll den Mann nach Texas bringen, denn dort hat er Gold im Wert von drei Millionen Dollar, das er der Regierung von Benito Juarez abgenommen hat. Die Flucht gelingt - doch Ramirez wird natürlich von einer ganzen Menge von  Leuten verfolgt. Darunter der Bandit Riza (Nello Pazafini) ein gewisser Nathaniel Cassidy (Donald O´Brien), der mal Sheriff war und zwei franzöische Kopfgeldjäger Jean Paul (Luciano Rossi) und Michel (Marco Guglielmi), die für Präsident Diaz arbeiten. Auch Cuchillos Verlobte Dolores (Chelo Alonso) sucht ihren Verflossenen, die ihn unbedingt ehelichen will, obwohl er nicht besonders zuverlässig und treu ist. Auf der Reise stirbt der Dichter, er kann Cuchillo aber noch sagen, wo sich das Geld befindet. Dieses soll an an General Santinala (John Ireland) abgegeben werden, der für die Revolution kämpft...

In der Rolle der Heilsarmee Frau Penny Bannigton ist Linda Veras zu sehen. Diese Sequenzen lockeren die Hatz auf unsere Stechmücke etwas auf. Ansonsten gilt es für den Helden eine Odyssee in gutem Lauftempo zu absolvieren und in dieser Zeit wandelt sich der Taugenichts zu einem verantwortungsvollen Helden der Revolution.


 Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Eine Pistole für Ringo (Una pistola per Ringo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Duccio Tessari

Ein junger Revolverheld...

Der junge Revolverheld Ringo (Giuliano Gemma) muss seine Schießkünste immer wieder beweisen. Das Resultat sind zahlreiche Tote, die bei den Duellen ihr Leben lassen. Als er sich gegen 3 Revolverhelden erfolgreich zur Wehr setzt, wird er vom örtlichen Sheriff (George Martin) vorläufig festgenommen. Während Ringo in der Zelle sitzt, rauben die Banditen unter der Führung des berüchtigten Sancho (Fernando Sancho) die Bank aus und haben auch keine Skrupel wehrlose Bürger abzuknallen. Während die Banditen das Geld holen, hält die Gangsterbraut Dolores (Nieves Navarro) die Gesetzeshüter in Schach. Die Flucht gelingt, die Bande muss sich aber aufgrund der zahlreichen Verfolger einen Unterschlupf suchen. Das große Anwesen des Major Clyde (Antonio Cavas) bietet sich an. Die Tochter des Majors heißt Ruby ( Lorella de Luca) und ist die Verlobte des Sheriffs, der sich mit seinen Männern vor der Ranch postiert. Die Gangster sind allerdings sehr schnell wieder im Vorteil, da sie die Bediensteten des Anwesens - mexikanische Arbeiter - als Geiseln festhalten. Jeden Tag sollen zwei Menschen sterben, wenn der Sheriff nicht abzieht. Der weiß, dass er jetzt einen exzellenten Revolverhelden braucht...

 

"Eine Pistole für Ringo" ist ein Italowestern der Frühphase Mitte der 60er Jahre und machte Giuliana Gemma einen großen Publikum bekannt. Regie führte Duccio Tessari, der mit "Ringo kommt zurück" und "Der Mann ohne Gedächtnis" weitere gute Genrefilme schuf. Wie so oft im Italo Western zeichnet der große Altmeister Enno Morricone für die Musik verantwortlich. Zwar wird der Held Ringo etwas zu übertrieben cool präsentiert, trotzdem schuf Tessari mit diesem Film einen Klassiker des Genres, vor allem war es die Premiere der Figur "Ringo", eine der populärsten Helden des Spaghetti Westerns.   


Wertung: 7 von 10 Punkten.

Wilde Pferde (Valdez il mezzosangue)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Sturges

Chinos Pferde...

John Sturges (1910 bis 1992) gilt als einer besten Westernregisseure der Filmgeschichte. Mit Charles Bronson drehte er drei Filme. Die beiden ersten "Die glorreichen Sieben" und "Gesprengte Ketten" wurden Kino Welterfolge. Die dritte Zusammenarbeit war gleichzeitig auch Sturges letzter Western und ist weniger bekannt. "Wilde Pferde" ist eine Dino de Laurentiis Produktion und wurde mit italienischenm, spanischem und französischem Geld 1973 gedreht. Mit dem fertigen Film war der Regisseur etwas unzufrieden, er hielt die Besetzung von Bronsons Ehefrau Jill Ireland für einen Fehler. Der Film heißt im Original "Valdez il mezzosangue", ist auch unter dem Titel "Chino" oder "The Valdez Horses" bekannt.
Gedreht wurde in Almeria, Spanien.
Chino Valdez (Charles Bronson) ist ein zivilisationsmüder Einzelgänger, der in einem kleinen Haus mitten in der Prärie lebt und dort Pferde züchtet. Als Halbindianer hat er eine traurige Vergangenheit und er misstraut den meisten Menschen. Seine Pferde liebt er. Jedoch hat diese Arbeit mit den Wildpferden ihm auch viel Narben auf seinem Körper hinterlassen. Wenn er die Pferde zugeritten hat, dann verkauft er sie. Seine Tiere sind begehrt, er nennt sie voller Stolz "Valdez Horses". Eines Tages taucht am Abend ein junger Kerl namens Jamie Wagner (Vincent Van Patten) bei ihm auf. Der Junge ist auf der Suche nach Arbeit als Cowboy. Chino lädt ihn zum Abendessen ein. Nach einem anfänglichen Misstrauen ist der Junge von seinem Gastgeber sehr begeistert, natürlich auch von den vielen schönen und stolzen Pferden. Jamie würde gerne bei Chino bleiben und für ihn arbeiten, doch dieser ist skeptisch. Eigentlich wollte er alleine bleiben, doch er beginnt den Jungen zu mögen und so bleibt er vorerst. Bei einem Ausritt zeigt Chino voller Stolz seinen Hengst Flagg. Gemeinsam ziehen die beiden das Fohlen Banner auf. Mit seinem Nachbar Maral (Marcel Bozzuffi) bahnt sich allerdings Ärger an. Der will das Chino verschwindet, weil er dessen Land braucht. Er hat einen Stacheldraht angebracht, dass die Pferde verletzten könnte. Chino stellt ihn zur Rede und lernt dessen Schwester Catherine (Jill Ireland) kennen, in die er sich verliebt. Beide entschließen sich zu heiraten, doch der Bruder will mit aller Macht und größter Aggression die Hochzeit mit einem Halbindianer verhindern...

Sturges gelang ein sehr schöner, melancholischer Spätwestern über Aussenseiter und über die Veränderung durch die Zivilisation. Ein Mann wie Chino Valdez gehört somit zu einer aussterbenden Species. Der Regisseur setzt auf eine entspannte Atmosphäre und auf einen ruhigen Rhythmus und legt den Focus auf die Figuren, auf den Einzelgänger und auf den Jungen, der langsam erwachsen wird. Er zeigt das Zusammentreffen mit den Arapahoes, die mit Chino befreundet sind und wo sich der Junge erstmals in ein Mädchen (Melissa Chimenti) verliebt. Das Zusammenspiel zwischen Bronson und dem Youngster Vincent van Patten klappt vorzüglich und Sturges spätes Werk ist ein wehmütiger Abgesang auf den Wilden Westen.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Die Emigranten - Das neue Land (Utvandrarna / Nybyggarna )


Regie: Jan Troell

Ins gelobte Land auswandern...

"Dies ist die Erzählung über einige Menschen, die aus ihrer Heimat Ljuder im Smaland nach Nordamerika auswanderten. Im Jahr 1844 hatte die Gemeinde Ljuder 1.925 Einwohner. Innerhalb von 100 Jahren hatte sich die Bevölkerung verdreifacht. Ausser den landbearbeiteten Bauern und Kleinbauern gab es dort noch 39 Handwerker, 92 Personen auf dem Altenteil und 11. Soldaten. Desweiteren 274 Knechte und Mägde, 23 herumwandernde Knechte, 104 Armenhäusler, 60 Gebrechliche, 5 geistig Zurückgebliebene, 3 Idioten, 3 Huren und 2 Diebe.
Vier Männer führten Kraft ihres weltlichen und geistigen Amtes die Gemeinde: Der Propst Brusander, der Lehnsmann der Krone Lönnegren, der Gutsbesitzer Ritter und Leutnant Paul Rudeberg sowie der Kaufmann Per Persson. Es war dort so, wie in allen Gemeinden jener Zeit" - so beginnt das Auswandererepos "Emmigranten" von Jan Troell aus dem Jahr 1971. Der schwedische Regisseur schob ein Jahr später mit "Das neue Land" eine ebenso meisterhafte Fortsetzung nach.
Vergleichbar ist der Oscarnominierte Monumentalfilm (Die Emmigranten hat eine Laufzeit von 171 Minuten, Das neue Land dauert 204 Minuten) mit dem ambitionierten deutschen Meisterwerk "Die andere Heimat" von Edgar Reitz.
Dabei hat der Regisseur auch die Funktion des Kameramannes übernommen und es gelangen ihm wunderbare Bilder. Doch inmitten dieser superben Schönheit herrscht die große Armut und die Menschen in dieser Zeit hoffen auf ein besseres Leben. Es herrschen Hungersnöte und auch der Bauer Karl Oskar Nilsson (Max von Sydow) und seine junge Frau Krisina (Liv Ullman) haben den kleinen Bauernhof von seinen Eltern übernommen. Schon bald droht die große Verschuldung, denn die Ernten sind schlecht und der Boden ist karg. Die Naturgewalt in der Form eines Blitzes zerstört auch den Schuppen mit dem Getreide für den Winter. Hunger ist angesagt. Karl Oskars Jüngerer Bruder Robert (Eddie Axberg) ist an Bildung interessiert, er liest sehr gerne und vom Naturell sehr sensibel. Er träumt von Amerika, seit er etwas über dieses neue Land gelesen hat. Dort sollen alle Menschen gleich sein. Bei seiner Anstellung als Knecht freundet er sich mit dem gutmütigen Arvid (Pierre Lindstedt) an, der ebenfalls Knecht ist und eher der Aussenseiter ist. Von seinem Hofbauer wird Robert so geschlagen, dass er einen bleibenden Schaden am Ohr davon trägt. Bei einer weiteren Körperverletzung sorgt Karl Oskar dafür, dass Robert dort nicht mehr knechten muss. Die Brüder sind zwar grundverschieden, aber der Traum von Amerika wächst in beiden immer stärker. Auch der Fundamentalist Danijel Andersson (Allan Edwall) trägt sich mit dem Gedanken gemeinsam mit seiner Frau Inga Lena (Ulla Smidje) und anderen Glaubensbrüdern und -schwestern (u.a. Monica Zetterlund, Eva Lena Zetterlund) auszuwandern, da ihm von Gesetz wegen untersagt wird religiöse Treffen bei sich zu Hause abzuhalten. Als die älteste Tochter von Karl Oskar und Kristina in einem Hungerwinter stirbt, entscheidet sich auch Kristina dafür einen neuen Anfang in einem Land über dem Meer zu wagen. Doch auch die Überfahrt am Bord eines kleines Segelschiffs fordert ihren Tribut. Bald merken die Neubürger, dass der Traum von Amerika sich von der Realität auch massgeblich unterscheidet. Robert und Arvid versuchen sich als Goldgräber, Karl-Oskar und Kristina ziehen mit ihren Kindern nach Minesota und kaufen ein fruchtbares Land im Indianergebiet. Aber die Schicksalsschläge lassen nicht lange auf sich warten...

Die Inszenierung setzt auf Ruhe und Klarheit. Man hat das Gefühl, dass in der heutigen Kinolandschaft so etwas visionäres-großes einfach fehlt. Troell hat hier zweifelsohne ein großartiges Meisterwerk abgeliefert, dass auch heute noch unglaublich fasziniert, weil alles so lebensecht und intim wirkt und man einen tiefen Einblick in diese Zeit der großen Abwanderung aus Europa erhält. Dazu ist jede Szene vorbildlich gestaltet und immer mehr wirkt die Geschichte regelrecht aufsaugend und extrem bewegend. In "Nybyggarna" wählte Troell für die Rückblende, die vom Schicksal Roberts und Arvids berichten, eine magische Komponente, die fast ohne Ton auskommt und nur die Bilder sprechen lässt. Ganz beiläufig gelingt es Troell auch noch ein realistisches Bild über die Vertreibung der Indianer zu zeichnen. Die überfallen zwar brutal die Siedlung und töten auf schreckliche Weise auch Frauen und Kinder, werden aber in einer blutigen Vergeltungsaktion bei einer Massenhinrichtung durch die Armee erhängt. Der Regisseur hat sich Zeit genommen das Leben dieser Familie Nilsson zu beschreiben und keine Minute ist zuviel. Der Film verzichtet auf die üblichen dramaturgischen Kniffe und schafft eine faszinierende Atmosphäre. Wer diese beiden Film einmal gesehen hat, wird sie nie vergessen.

Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

 

Satan der Rache (E dio disse a Caino)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Antonio Margheriti

Kinski rächt sich...

Die deutsch-italienische Coproduktion "Satan der Rache" wurde von Antonio Margheriti im Jahr 1970 gedreht. Er wählte damals - wie so üblich bei Italo Western - ein englisches Pseundonym (Anthony Dawson) aus. Die Hauptrollen bekamen zwei deutsche Schauspieler: Der bereits Italo-Western erfahrene Klaus Kinski. Als sein Gegenspieler wurde Peter Carsten engagiert. Da "Satan der Rache" bei Genrefans in all den Jahren eine große Beliebtheit aufgebaut hat, kann man vielleicht von Margheritis bestem Fim überhaupt sprechen. Er drehte u.a. auch "Ursus und die Sklavin des Teufels" (1964), "Orion 3000 - Raumfahrt des Schreckens (1965), "Piranhas 2" (1979), " Asphaltkannibalen" (1980), "Geheimcode Wildgänse" (1985) oder "Kommando Leopard" (1986). "Satan der Rache" ist der Gefängnisinsasse Gary Hamilton (Klaus Kinski), ein ehemaliger Offizier der Nordstaaten, der vor 10 Jahren wegen Mordes und versuchten Raubes zu Zwangsarbeit verurteilt wurde. Eine Amnesie ermöglicht es ihm aber nach diesen 10 Jahren das Gefängnis verlassen zu dürfen. Hamilton saß all die Jahre unschuldig hinter Gittern, weil seine damaliger Freund Acambar (Peter Carsten) den Verdacht geschickt auf ihn gelenkt hatte. Dieser hatte Garys Wasserflasche am Tatort zurückgelassen und so wurde der Unschuldige verurteilt. Acambar konnte die ganzen Besitztümer seines Freundes übernehmen und auch dessen Frau Maria (Marcella Michelangeli) heiraten. Nun kehrt Gary zurück in seine alte Heimat. Er hat nur noch eines im Sinn: Blutigste Rache nehmen. Es ist aber reiner Zufall, dass er vor seiner Rache während einer Postkutschenfahrt auf Dick Acombar (Antonia Cantafora), den Sohn seines Feindes, trifft. Bewusst lässt er die Wasserflasche in der Kutsche liegen und verabschiedet sich mit der Ankündigung Dicks Vater am Abend einen Besuch abzustatten. Als der Sohn seinem Vater von der Begegnung mit einem gewissen Gary Hamilton erzählt und ihm die Wasserflasche zeigt, läuten die Alarmglocken. Er fürchtet zu Recht die Rache und gibt sofort den Befehl Hamilton kalt zu machen. Und Acombar befehliegt eine ganze Menge schießwütiger Männer..


Das Filmlied "Rocks, blood and Sand" wird gesungen von Don Powell. Meistens spielt Klaus Kinski den Bösewicht. In diesem Fall ist er gegen sein Image besetzt, jedoch bleibt er als Racheengel erhalten. Die anderen Figuren in Margheritis Film sind ebenfalls alles Andere als eindimensional. Die Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn Acombar spielt ebenfalls eine gewichtige Rolle im Geschehen. Der Sohn muss erkennen, dass sein über alles geliebter Vater ein fieser Schurke ist. Er hält zwar weiterhin zu seinem Vater, doch der verliert die Achtung seines Sohnes.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

 

Sonntag, 17. April 2022

Todesmelodie (Giu la testa)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sergio Leone

Revolutionär wider Willen...

Der 1971 gedrehte Spaghetti Western "Todesmelodie" ist der am wenigsten gewürdigte Spielfilm von Sergio Leone und Mittelteil seiner "Es war einmal...Trilogie, die mit dem Meisterwerk "Spiel mir das Lied von Tod" begann und mit einem glorreichen Abschluß "Es war einmal in Amerika" zu Ende ging. Für diesen Film verpflichtete Leone den Oscarpreisträger Rod Steiger und James Coburn, der Jahrzehnte später für seine Rolle in Paul Schraders "Der Gejagte" ebenfalls Oscargewinner wurde. "Todesmelodie" wartet mit zwei Antihelden auf und spielt in den turbulenten und chaotischen Tagen der mexikanischen Revolution. Dabei vollführt einen Wandel in seiner Rolle als Bandit Juan Miranda - vom Gesetzlosen wird er unfreiwillig zum Helden der Revolution. Und dies alles nur, weil ihm der irische Terrorist Sean H. Mallory irgendwann über den Weg lief.
Juan Miranda ist ein armer Mexikaner, der mit seinen sechs Söhnen und ein paar weiteren Männern durch Raubzüge über Wasser hält. In der ersten Szene raubt diese Bande mit einem raffinierten Trick eine Postkutsche und die Reisenden aus. Mit einer vornehmen und arroganten Dame der Oberklasse (Maria Monti) gönnt sich der grobe Bandit nach dem Raub noch ein intimes Schäferstündchen. Kurz danach hört die Bande in der Ferne ein paar Explosionen. Diese gingen auf das Konto des irischen Revolutionär und Sprengstoffexperten John (James Coburn), der mit seinem Motorrad unterwegs ist. So lernen sich die beiden ungleichen Männer kennen. Als Juan merkt, dass ein Mann, der sich mit Sprengstoff gut auskennt, von großem Nutzen sein kann, erwacht in ihm der Plan: In der hochbewachten Bank von Masa Verde lagert jede Menge Gold. Beim Eintreffen in der Stadt ist die Begeisterung aber stark gedämpft, weil eine ganze Armee von Soldaten hier stationiert ist und alles unter Beobachtung steht. Auch die Konterrevolutionäre haben hier einen geheimen Stützpunkt, ihr Anführer ist der belesene Arzt Dr. Villega (Romolo Valli) . Tatsächlich erklärt sich der Ire bereit die Bank zu sprengen, so dass Juan freie Bahn hat - doch statt Gold befindet sich dort ein politisches Gefängnis. Juan wird so wider Willen zum Helden der Revolution und es wird nicht das Letzte mal sein....

Der Film bietet eine Vielzahl von Höhepunkten und wartet mit einer superben Kameraarbeit von Altmeister Giuseppe Ruzzollini auf. Natürlich braucht jeder Leone Film auch den monumentalen Soundtrack von Ennio Morricone und wie immer lässt sich Leone für seine Geschichte sehr viel Zeit für eine langsamere aber intensive Gangart. Dabei wechseln sich in der Geschichte Action und Wehmut ab. Gleich nachdem die Revolutionäre erfolgreich ihre Verfolger unter der Führung von Colonel Günther Reza (Antoine Saint-John) bekämpfen konnten, folgt die große Trauer. Denn alle sechs Söhne von Juan wurden von den Soldaten geopfert. Dieser Schicksalsschlag bindet die beiden Hauptfiguren noch mehr aneinander. Beide Darsteller spielen ihre Rollen hervorragend und Sergio Leone wurde 1972 für seine Regiearbeit sogar mit dem Premio di David Donatello als bester Regisseur des Jahres ausgezeichnet.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.